Nur wenige Schweizer Jazzmusiker schaffen es, sich im Herkunftsland des Jazz, in den USA, zu etablieren. Der vor 56 Jahren in Genf geborene Altsaxofonist George Robert gehörte in diese Reihe der Auserwählten.

Begonnen hat der Sohn einer Amerikanerin und eines Schweizers seine Karriere 1980 in den USA. Er studierte am renommierten Berklee College of Music in Boston, danach in New York, wo er seinen Mentor Phil Woods (1931– 2015) kennen lernte. 1987 gründete Robert eine Band mit dem Trompeter Tom Harrell, die bis 1994 zu den führenden Mainstream-Combos des Jazz zählte. Robert spielte daneben bei unzähligen Cracks wie Lionel Hampton, Ray Brown, Robin Eubanks, Fred Hersch, Kenny Barron und Clark Terry. 1995 kehrte er zurück in die Schweiz, wo er bis 2006 die Swiss Jazz School in Bern leitete. Danach die Jazzabteilung in Lausanne.

Expressiv und doch entspannt

Cannonball Adderley, Jackie McLean und Phil Woods gelten als die überzeugendsten musikalischen Erben des 1955 verstorbenen Be-Bop-Übervaters Charlie Parker. George Robert war dieser Tradition verpflichtet. Er war kein Revolutionär, kein wegweisender Innovator, aber auch kein Epigone. Vielmehr ein traditionsbewusster Musiker, der auf seinem Horn in der Linie von Parker und Phil Woods seinen eigenen Dialekt und seine eigene Tonfarbe entwickelte. Hier, auf diesem Terrain, war er der Beste. Hochvirtuos, präzis, expressiv und doch entspannt, elegant und gediegen. Unübertrefflich.

Den schönsten Satz über George Robert schrieb der Jazz-Publizist Peter Rüedi: «Würde der Superlativ tönen, müsste es sich exakt, aber exakt so anhören wie George Robert, wenn er auf seinem Altsaxofon improvisiert.»

Vor drei Jahren ist Robert an Leukämie erkrankt. Doch er kehrte zurück und spielte wieder so berührend wie zuvor. «New Life» nannte er sein letztes Album, das Ende 2014 erschien. Er hatte viele Pläne. Im März hätte er mit dem brasilianischen Sänger Ivan Lins in Japan auftreten sollen. Sein Stuhl in Pepe Lienhards Big Band blieb reserviert. Doch im letzten Sommer ist die Krankheit wieder ausgebrochen. Am Montag, 14. März, ist er von seinem Leiden erlöst worden.