Seraina Rohrer

Gekocht wird in der Küche mit Bad

«Dass bei uns in der Küche gebadet wird, ist absolut kein Problem», sagt Seraina Rohrer.siggi bucher

«Dass bei uns in der Küche gebadet wird, ist absolut kein Problem», sagt Seraina Rohrer.siggi bucher

Sie braucht keine luxuriöse Wohnung und auch keine teuren Designer-Möbel, um sich wohl zu fühlen. Für Filmwissenschafterin Seraina Rohrer (34) sind Möbel mit Geschichte viel wichtiger.

Es führt kein roter Teppich zu Seraina Rohrer. Ganz unbemerkt kann man ihr Zuhause dennoch nicht erreichen – dem alten, knarrenden Parkettboden sei dank. Die Direktorin der Solothurner Filmtage wohnt in einem Haus aus den 1890er-Jahren, zentral gelegen im Zürcher Hegibachquartier. Ein Glücksfall sei es gewesen, diese Altwohnung mit Stuck-Decke zu erhalten. «Letztlich gab den Ausschlag, dass wir keinen grossen Luxus suchten.»

Denn die 4½-Zimmer-Wohnung hat einen kleinen Haken: Es gibt kein Badezimmer. Dafür steht die Badewanne in der Küche. Das allerdings sei absolut kein Problem. Selbst zur morgendlichen Stunde nicht, wenn Partner, Sohn und sie gleichzeitig duschen wollen. «Irgendwie kommt man immer aneinander vorbei», meint die zierliche Filmfachfrau lachend. Das Haus hat dafür andere Vorzüge, etwa eine Dachterrasse, die den Blick freigibt über die Stadt und Richtung See. Oder die Helligkeit. «Licht bedeutet mir sehr viel.» Oder dass ihre besten Freunde nur einen Stock weiter unten wohnen.

Wir setzen uns an den runden Holztisch im Wohnzimmer. Ein Ort, wo Seraina Rohrer gerne verweilt. Sie hält eine wärmende Tasse Tee in der Hand, lag sie doch noch vor ein paar Tagen mit einer Erkältung im Bett und geniesst nun einen etwas ruhigeren Tag. Von einem bestimmten Einrichtungsstil könne in ihrer Wohnung nicht die Rede sein, sagt sie. «Das bedeutet mir auch nicht viel.» Wichtig sei ihr, dass man leben könne. Kurz: praktisch, bequem und trotzdem komfortabel. «Ich will nicht so wohnen, dass hier ein Kind nichts berühren darf.»

«Wir haben viele Möbel geschenkt bekommen, eigentlich fast alle», erzählt sie weiter. Den Tisch von der Schwester aus Italien, den orangefarbenen Eames-Chair von einer Freundin, das Wandgestell von einem Auftraggeber ihres Partners. Und auch das 2-Meter-Bett im Nebenzimmer hat den Weg über Freunde zu ihr gefunden. Dort liegt sie gerne und schaut sich Filme über den Beamer an, manchmal mit der ganzen Familie. Nicht nur Schweizer Filme. Jeder darf abwechslungsweise bestimmen, welcher Film geschaut wird.

Nur den Arbeitstisch im nächsten Zimmer hat sie selbst gekauft. Riesig ist er und gerade ziemlich belegt mit Arbeitsmaterial. Dort findet man auch ihre DVD-Sammlung. «Das ist längst nicht alles, die neueren Filme habe ich alle auf dem Computer.»

Doch im Hause Rohrer dreht sich nicht alles nur um Filme. Ist sie mit ihrem 14-jährigen Sohn und dem Partner, einem Umweltnaturwissenschafter, nicht gerade in den Bergen am Biken, Wandern oder Snowboarden, steht sie liebend gerne hinter dem Herd. «Kochen ist für mich Erholung pur, das entspannt mich nach einem intensiven Arbeitstag», sagt sie. Das sei fast wie Meditieren. Sie fügt lächelnd hinzu, dass das im Moment auch das Einzige sei, was sie im Haushalt beitrage. «Den Rest übernimmt zum Glück mein Partner.» Oft kommt dann etwas Mexikanisches auf den Tisch. «Meine Lieblingsküche.» Schliesslich hat sie rund zwei Jahre dort gelebt. Dort sei übrigens auch ihr grosses Interesse am Film geweckt worden.

Hat sie einen Abend nur für sich und ihre Familie, dann treffen sie sich traditionellerweise zuerst zu einem Apéro. Dieser bereitet jeweils der Sohn vor – aus dem, was gerade im Kühlschrank sei. «Solche Rituale geniessen wir sehr.»

Allzu oft kommen sie allerdings in letzter Zeit nicht vor. Es geht langsam Richtung Endspurt: Am 19. Januar starten die nächsten Filmtage, die Premiere für Seraina Rohrer. Da gibt es noch unzählige Pendenzen zu erledigen. Längerfristig stelle sich für sie schon die Frage, ob nicht die ganze Familie nach Solothurn ziehen soll. Immerhin hat sie inzwischen eine kleine Wohnung, wo sie übernachtet, wenn der Arbeitstag besonders lang wird. Ein Wohnungswechsel wäre für die Vielgereiste kein Problem. «Ich bin ein absoluter Solothurn-Fan geworden, das ist eine unglaublich spannende Stadt, wir würden uns dort sicher schnell wohl fühlen.»

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