Kultur

Gebucht-Rubrik mit Natalie Wappler: «Wir besitzen 13'566 digitale Bücher»

Natalie Wappler (51)ist seit März 2019 Direktorin des Schweizer  Fernsehens SRF. Sie wuchs in Kreuzlingen TG auf, ist schweizerisch- deutsche Doppelbürgerin und verheiratet.

Natalie Wappler (51)ist seit März 2019 Direktorin des Schweizer Fernsehens SRF. Sie wuchs in Kreuzlingen TG auf, ist schweizerisch- deutsche Doppelbürgerin und verheiratet.

Die Bibliothek von SRF-Direktorin Natalie Wappler ist nur zum kleinen Teil aus Papier.

Welche Bücher liegen auf Ihrem Nachttisch?

Derzeit sind es vier: «Das hier ist Wasser» von David Foster Wallace, dann «Verzeichnis einiger Verluste» von Judith Schalansky, «The Rest Is Noise» von Alex Ross und «Der Morgen der Welt» von Bernd Roeck.

Wie viele Bücher haben Sie in Ihrer Wohnung?

13566, um genau zu sein. So gross ist nämlich unsere digitale Bibliothek, die übrigens nie staubig wird. Im letzten Jahrzehnt haben wir aus den verschiedensten Bibliotheken der Welt diese digitalisierten Bücher gesammelt. Als Professor für Medienwissenschaft benötigt mein Mann viele dieser Dokumente für seine Studien. Es ist grossartig, welches Wissen durch die Digitalisierung verfügbar wird. Zum Teil haben wir jahrelang nach einem Werk gesucht, das am Ende heute über ein paar wenige Tastenkombinationen aus irgendeiner Bibliothek rund um den Globus auf unseren Computer kommt. Früher musste man noch in die jeweilige Stadt reisen, sich das Buch in den Lesesaal bestellen und durfte es teils nur mit Handschuhen berühren. Es ist beeindruckend, was im Lauf der Zeit an Werken zusammengekommen ist. Unsere physische Bibliothek ist etwas kleiner und umfasst rund 400 Bücher.

Wie lesen Sie Bücher – als Printausgabe oder als E-Book?

Ich lese gern gedruckte Bücher. Da unsere digitale Bibliothek aber weit grösser ist, benutze ich häufig den E-Book-Reader. Und Hörbücher begeistern mich auch. Eine durchaus praktische und vergnügliche Form des «Lesens». Man kann sich beim Spazierengehen vorlesen lassen, ist draussen, das hat noch einmal eine ganz spezielle Atmosphäre.

Welches Buch hat Ihr Leben verändert? Und warum?

«Effie Briest» von Theodor Fontane. Ich habe das Buch als Teenager im Bücherschrank meiner Grossmutter gefunden. Nach der Lektüre habe ich erstmals gemerkt und verstanden, welche gesellschaftliche Kraft in Literatur stecken kann. Diese Erkenntnis war eine Entdeckung. Und sie hallt nach. Ich kenne bis heute fast alle Namen aus dem Roman, sogar den Namen des Hundes von Effie: Rollo. Ich hätte diesen Namen sicher übernommen, wenn ich einen Hund hätte.

Welches aktuelle Buch empfehlen Sie unseren Lesern? Und warum?

«Maschinen wie ich» von Ian McEwan. In fast allen seinen Büchern leuchtet McEwan moralische Gewissheiten aus, dreht und wendet sie – und am Schluss seiner Bücher steht man gut unterhalten, aber auch ernüchtert da. So entwickelt sich quasi eine nachhaltige Wirkung: Man trägt nach der Lektüre über längere Zeit Eigenes an Denkarbeit mit sich herum.

Wie stossen Sie auf neue Bücher?

Meist durch Empfehlung von Freunden. Häufig auch durch den «Literaturclub». Und dann stöbere ich – ganz konventionell – in Buchläden.

Lesen Sie historische Romane? Wenn ja, finden Sie dort Antworten, die Sie in Sachbüchern nicht gefunden haben?

Durchaus. Historische Romane faszinieren mich. Zuletzt habe ich die Cicero-Trilogie von Robert Harris gelesen. Zwar finde ich darin keine anderen Antworten als in Sachbüchern – aber die Lektüre ist vergnüglicher.

Welches Buch haben Sie nie zu Ende gelesen? Warum?

James Joyce. Ulysses. Ich habe das Buch wohl zu früh gelesen und später den Faden leider nie mehr gefunden.

Welchen Roman haben Sie in Ihrem Leben zu früh gelesen?

Da bin ich wieder bei James Joyce und seinem «Ulysses». Ich war 18, als ich es zu lesen begann, weil ich neugierig war und unbedingt wissen wollte, was es mit dem 16. Juni auf sich hat. Aber ich gebe zu: Weit bin ich nicht gekommen.

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