Bühne

Freude, Farbe und Leben: «Mother Africa» bietet eine spektakuläre Show

© Hans-Juergen Herrmann

Der Enthusiasmus der Tänzerinnen und Tänzer der Zirkussensation «Mother Africa» ist mitreissend. Bald kommt die Show in die Schweiz.

Im Backstagebereich des Hamburger Theaters Kampnagel ist ruhiger, akustischer Pop zu hören. Ein junger Tansanier flitzt auf seinem BMX vorbei und etwa zwanzig afrikanische Artisten sitzen auf den Boden und dehnen sich zur Aufwärmung. In zweieinhalb Stunden werden sie zum ersten Mal ihre neue Zirkusshow «Mother Africa – New Stories from Khayelitsha» einem Publikum vortragen.

Der erste rein afrikanische Zirkus entstand 2006 durch das Zusammentreffen eines deutschen Produzenten, der bisher ohne Glück nach Artisten für einen afrikanischen Zirkus suchte, und einem Artisten aus Simbabwe. Letzterer erhoffte für seine Zirkusschule den internationalen Durchbruch. Das Ergebnis war «Mother Africa», eine Zirkusshow, die seither auf vier Kontinenten unterwegs ist.

Klischees und Kuriositäten

2014 wurde die letzte Produktion, «Khayelitsha – My Home», uraufgeführt, deren Bühnenbild die Township Khayelitsha, einen Vorort von Kapstadt, darstellt. Produzent Hubert Schober sitzt auf einer Klappbank und ruft seinen Künstlern zu. Die meisten von ihnen stammen aus der Schule von Mitbegründer Vincent Ruddle in Dar Es Salaam (Tansania), weitere aus Südafrika, Äthiopien, der Elfenbeinküste, Simbabwe, Ägypten und dem Kongo.

«New Stories from Khayelitsha» beginnt am frühen Morgen nach dem Ende der Kirche. Die Artisten strömen singend und fröhlich rufend auf die Bühne. Langsam steigt ihre Energie, bis mehrere von ihnen in Tanz ausbrechen. Die Tänzerinnen sind in bunte Kostüme gekleidet, aber es ist ihr Enthusiasmus, der die Zuschauer mitreisst und während der nächsten zwei Stunden nicht mehr loslässt.

Auf dem Programm steht sowohl Klassisches als auch Moderneres. Ein heiterer Äthiopier spielt mit Zirkusklischees, jongliert, tanzt auf dem Seil und balanciert auf dem Einrad. «Mother Africa» bietet aber auch Freestyle Basketball sowie eine Kuriosität: ein junger Mann, der eine Stange hinaufklettert und sich scheinbar im Hocker von ihr fallen lässt und im allerletzten Moment bremst.

Die Musik von «Mother Africa» weiss, was sie tut. Während der Acts bleibt sie im Hintergrund, doch bei längeren Umbauszenen reisst sie die ganze Aufmerksamkeit an sich. Eine Band wird von der Powerstimme von der Simbabwerin Thamsanqa Germaine Moyo begleitet. Auch hier hat «Mother Africa» eine Überraschung parat: Ein Flötist spielt traditionelle Musik und schmückt diese mit stimmhaften Geräuschen und Pfeifen aus. «Mother Africa» ist kein Cirque du Soleil. Aber das ist auch nicht nötig, denn was «Mother Africa» hat, ist ohnegleichen: Freude, Farbe und Leben.

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