«Z’Abig hät Züri e Zauber»: Margrit Rainer hat’s gesungen, Jörg Schneider und viele andre mehr. Lang, lang ist’s her, doch noch immer sind es keine leeren Worte. Am Restaurant Kunsthaus vorbei, links ein Stück Winkelwiese hinauf, scharf rechts abbiegen – et voilà – da ist er: ein zauberhafter kleiner Platz mit Kopfsteinpflaster, überdeckt von den ausladenden Ästen einer alten Linde. Abwärts geht’s über 100 Stufen, die der Gasse und dem kleinen Platz ihren Namen geben: Trittligasse.

Vor bald 60 Jahren war der Name auch Programm und Spielort für ein Freilichtspiel. Jetzt ist die «Cabaretistische Züri Ballade i de Mitti vo de City» zu neuem Leben erweckt worden, mit viel musikalischer Nostalgie, gespickt mit spitzen, witzigen Bemerkungen zu aktuellen Zu- und Missständen in der Stadt.

Christian Jott Jenny, ausgebildeter Tenor mit komödiantischer Ader und rühriger Produzent von verschiedensten Musik- und Comedy-Programmen mutiert hier als Max Guggenbühl zum alleinigen Angestellten vom neu geschaffenen «Amt für Kultur und Bewilligungen». Mit Kaktus sowie Desinfektionsmitteln für Hände und Apparaturen tritt er seine Stelle erwartungsfroh an.

Doch bittere Enttäuschungen folgen auf dem Fusse. Nicht nur der streikende Computer bringt den Amtsinhaber über den Rand der Verzweiflung hinaus. Viel mehr noch tun dies eine Politesse, ein betagtes Paar, Polizei-Pressesprecher Marco Cortesi, der Pfarrer vom Grossmünster, ein Zirkusdirektor, Pfarrer Sieber, ein Deutscher Unternehmens-Optimierer und, zu guter Letzt, Angela – ja genau diese blonde in Hosen und Blazer, die ihre Hände vor dem Bauch so neckisch zum Herz formt . . . Auch wenn der «Amtsschimmel» von Bewilligungs-Anträgen komplett überrollt wird, bleibt Zeit zum Singen und Tanzen.

Zu den Dialogen von Jeremias Dubno gesellt sich Liedgut aus den «roaring Züri Fifties und Sixties» – bestens geeignet zum Schwelgen: «Es Ängeli muess uf Züri gah», «Oh mein Papa» ganz besonders aber immer wieder Zarli Carigiets «Mis Dach isch dr Himmel vo Züri». Das fünfköpfige Zürcher Staatsorchester unter Leitung von Andres Joho zeigt sich, wie gewohnt, bestens in Form und begeistert besonders mit hervorragend arrangierten Medleys.

Mit einem ausgewogenen Reichtum an Einfällen und Tempo hat Regisseur Christian Vetsch die kunterbunte Handlung gekonnt in Szene gesetzt. An der Seite von Christian Jott Jenny agieren, singen und tanzen Barbara Baer, Samuel Zünd, Reto Hofstetter komödiantisch und lustvoll, stellt Walter Andreas Müller darüber hinaus sein überragendes Können als Verwandlungskünstler einmal mehr unter Beweis.

Warum Jürg Randegger – der bereits in der Urfassung in den frühen 60er-Jahren mitgewirkt hatte – und Heidi Diggelmann als sie selber auf der Bühne stehen und damit privat ins Geschehen eingreifen, erschliesst sich dem Publikum erst spät.

Dass es Brüche in der Dramaturgie gibt, dass vieles flüchtig bleibt, liegt in der Natur eines solchen Theaterabends. So driftet das Ganze gegen Ende etwas allzu sehr von pfiffig-schräger Unterhaltung ab in Richtung reiner Nostalgie. Andererseits klingt dadurch die von Rumba-Tönen untermalte Tatsache noch lange nach: «I de Mitti vo de City, liit es chliises Paradies.»

Trittligass Zürich Weitere Vorstellungen bis 16. September.