Einem grossen Publikum ist Martina Gedeck aus Filmen wie «Das Leben der anderen» und «Am Hang» bekannt. Die 56-jährige Schauspielerin aus München kann aber auch anders. Im Interview spricht sie über ihre Passion, für Kinder Hörbücher und Musikmärchen einzuspielen. Ende Woche werden diese auch in der Schweiz zu hören sein.

Martina Gedeck, was ist der Unterschied zwischen schauspielern und hörspielern?

Martina Gedeck: Der Unterschied ist gar nicht so gross. Bei einem Hörspiel spiele ich die Figuren genauso wie auf der Bühne oder im Film. Ich stelle sie mir vor und versuche sie lebendig werden zu lassen. Auch beim reinen Sprechen ist der ganze Körper beteiligt, die Stimme ist nie losgelöst davon. Beim Hörspiel finde ich die Intimität des Erzählens und Zuhörens besonders schön. Alles spielt sich in der Fantasie ab, und manchmal habe ich den Eindruck, dass es dadurch eine grössere Freiheit gibt.

Mit Howard Griffiths haben Sie ein Musikmärchen aufgenommen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ich trete immer wieder mit dem Brandenburgischen Staatsorchester auf, welches viele Jahre von Howard Griffith geleitet wurde. Dabei werden Lyrik oder Prosatexte Teil des Konzertes, haben mit dem Komponisten oder seiner Zeit zu tun. Diese Form des Konzerts gefällt uns Darstellern wie auch dem Publikum. So ist die Idee entstanden, auch ein Musikmärchen gemeinsam zu gestalten.

Ist das nun ein Hörspiel mit Konzert oder ein Konzert in Märchenform?

Howard Griffith hat die Orchestermärchen entwickelt, und ich finde, es ist eine fantastische Idee, klassische Musik in eine märchenhafte Form zu bringen, sodass Kinder den Sinn dieser Musik und die Struktur eines Orchesters ohne lange Erklärungen verstehen und sich über eine spannende Geschichte dafür begeistern. Griffith ist selbst ein grosser Entertainer. Auch darum war die Performance mit ihm und dem Orchester immer ein grosser Spass.

Musikmärchen wie «Nussknacker» oder «Peter und der Wolf» waren bei vielen Generationen von Kindern beliebt. Sind Sie auch damit aufgewachsen?

Für mich haben Hörspiele eine grosse Rolle gespielt. Wir hatten Märchenplatten, die ich immer wieder gehört habe und auswendig mitsprechen und singen konnte. Denn Lieder und Musik gab es viel bei diesen Aufnahmen. Es war ein wichtiger Bestandteil meiner Kindheit und hat mich vorbereitet auf die Welt der Literatur und auf meinen Beruf.

Wie reagieren heutige Kinder auf die klassischen Gattungen Märchen und klassische Musik?

Die Kinder lieben es! Sie werden ja mit einbezogen. Auch geht es in den Geschichten sehr spannend und lustig zu und her. Und ich würde ganz allgemein sagen: Die Live-Performance ist immer noch das Interessanteste für Kinder. Dass es sich bei einem Orchesterkonzert dann erst noch um sie dreht, ist für Kinder durchaus etwas Ungewöhnliches! Das erleben sie nicht alle Tage ...

Sind Kindergeschichten auch ein Spielfeld, wo Sie als Schauspielerin Ihrer Fantasie und Ihrer Spiellust freien Lauf lassen können?

Es gibt ja fast nichts Schöneres, als einem Kind eine Geschichte zu erzählen. Gute Geschichten spielen immer in besonderen, tiefer gelegenen Räumen, in denen ich mich sehr gern aufhalte...

Innerhalb eines einzigen Stücks schlüpfen Sie dabei in die Rolle des Gnoms Knürsch, eines englischen Dirigenten, einer geigenden Hexe. Welches ist Ihre Lieblingsrolle?

Das ist wohl der kleine Gnom Knürsch, einfach weil er so sauer ist auf die Welt und es dann doch irgendwie schafft, am Ende dazuzugehören ...