Eröffnungsfilm
Xavier Koller kehrt zurück zu seinen Wurzeln

Der Schweizer Oscar-Preisträger Xavier Koller eröffnet mit «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» die 47. Solothurner Filmtage. Der Durchbruch als Filmregisseur war Koller 1979 mit «Das gefrorene Herz» gelungen.

Rosmarie Mehlin
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Nils Althaus als Dällebach Kari in «Eine wen iig» zusammen mit Carla Juri.HO

Nils Althaus als Dällebach Kari in «Eine wen iig» zusammen mit Carla Juri.HO

Das Filmen sei seine Passion, sagt Xavier Koller. «Eine Leidenschaft, die sich aus sehr viel Leiden und sehr viel Schaffen zusammensetzt.» Der Grundstein dafür war in Zürich gelegt worden, wo er nebenbei als Glaceverkäufer und Platzanweiser im alten Kino Rex jobbte, während er an der Schauspielschule, die damals noch Bühnenstudio hiess, studierte. Bei renommierten Kräften vom benachbarten Schauspielhaus wie Peter Ehrlich, Gustav Knuth, Peter Arens, Erwin Parker, studierte «Xävie», wie alle den liebenswerten Kumpel nannten, unterschiedliche Rollen ein. So etwa den Spiegelberg in Schillers «Die Räuber» oder den Moritz in Wedekinds «Frühlingserwachen».

«Jugendlicher Komiker und Charakterdarsteller»

1944 in Ibach SZ geboren, war seine Familie später zwar in den Aargau gezogen, doch in seinem Innersten blieb Xavier der Innerschweiz treu. In Mellingen hatte er die Primarschule besucht, in Wohlenschwil die Sek., in Stetten eine Mechaniker- und Werkzeugmacher-Lehre absolviert und 1964 die Schauspielausbildung in Angriff genommen.

Als er diese Ende 1966 mit dem Diplom als «jugendlicher Komiker und Charakterdarsteller» verlassen hatte, verdiente er seine Sporen zunächst an verschiedenen Theatern ab, bevor er 1969 beschloss, seine wahre Leidenschaft auszuleben und einen Film zu drehen: «Ich bin in Mellingen auf die Raiffeisenkasse marschiert und habe gesagt, dass ich 10000 Franken brauche. Der Banker hat mir geraten, mal mit meinem Vater zu reden.» Dieser hat dann tatsächlich eine Hypothek auf sein Haus aufgenommen und seinem Sohn die 20000 Franken geliehen, die «Fano Hill» kostete. «Der Film hat dann glücklicherweise 25000 Franken eingespielt», erinnert sich Koller. Drei Jahre später war mit «Hannibal» sein zweiter Streich gefolgt. «Der war an den Festspielen in Cannes zwar sehr gut aufgenommen worden, aber finanziell war ich damit kräftig auf die Nase gefallen», bekannte Koller 2004 im Mellinger «Löwen»-Saal, wohin er einer Einladung des örtlichen Kulturkreises gefolgt war.

Schoggi und Salami

Der Durchbruch als Filmregisseur war Koller 1979 mit «Das gefrorene Herz» gelungen, nach einer Erzählung von Meinrad Inglin. Auch sein nächster Film, «Der schwarze Tanner» basierte auf einer Vorlage des Schwyzer Schriftstellers. «Xävie» – von der Schauspielschule her als zurückhaltender, bescheidener, hilfsbereiter Kollege mit leisem Humor und tiefgründigem Schalk in Erinnerung – hat Inglins Geschichten schon immer besonders gern gemocht, «weil mir die Menschen, die er beschreibt, nahestehen». Kollers Sensibilität und sein Gefühl für Menschen am Rande oder gar ausserhalb der (Wohlstands-)Gesellschaft brachten ihm letztlich die begehrteste Trophäe der Filmwelt ein: den Oscar. Er bekam ihn 1991 für den besten nicht englischsprachigen Film, für das ebenso empfindsame, wie eindrückliche Flüchtlingsdrama «Die Reise der Hoffnung». Kurz zuvor war Koller mit seiner Frau Sabina und der achtjährigen Tochter Clio Sofia aus der Schweiz ins kalifornische Santa Monica übersiedelt.

«Ring of Fire» von 2001 mit Kiefer Sutherland hatte Koller 2004 nach Mellingen in den «Löwen»-Saal mitgebracht. Das Publikum war begeistert von dem mitreissenden Werk über eine aussergewöhnliche Extremsportart: das Bullenreiten. Am Schluss hatte Koller dem Publikum verraten, dass das Thema für ihn nicht fremd gewesen sei, «denn ich habe hier in der Schweiz ja auch unter Kühen gelebt», und dass unter den Bullriders «eine gute und offene Kameraderie wie unter Innerschweizern» herrsche. Zu guter Letzt hatte der Oscar-Preisträger auch noch gestanden, dass er Schoggi zwar sehr gerne esse, ihm aber original italienische Salami noch viel lieber sei: «Ich leide sehr darunter, dass der nicht in die USA importiert werden darf.»

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