Interview
«Wir hatten keine Ahnung, ob die Sendung überhaupt funktioniert»

Das Schweizer Fernsehen setzt mit «Benissimo» eine seiner erfolgreichsten Sendungen ab. Moderator Beni Thurnheer bleibt dem Publikum aber weiterhin als Sportmoderator erhalten. Gegenüber der az blickt er zurück und verrät seine Zukunftspläne.

Christoph Zehnder
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Beni Thurnheer mit Barbara Megert im Studio
5 Bilder
Moderator Bernard Thurnheer in «Benissimo» - im Jahr 1992
Beni Thurnheer 1992 mit Assistentin
«Benissimo»-Moderator Beni Thurnheer mit Assistentin Barbara Megert im Jahr 2005 im «Benissimo»-Studio
Der Herr der Kugeln: Moderator Beni Thurnheer 2005 im «Benissimo Dekor»

Beni Thurnheer mit Barbara Megert im Studio

Schweizer Fernsehen

Herr Thurnheer, sind Sie erleichtert oder enttäuscht darüber, dass «Benissimo» abgesetzt wird?

Beni Thurnheer: Dazu muss ich sagen, dass ich es bereits vor drei Wochen erfahren habe. Es war also für mich keine Überraschung. Auch dass da neue Leute in der Chefetage sind, die etwas Neues machen wollen, war mir klar. Die Frage war eigentlich nur «Wann?».

Was sind ihre persönlichen Highlights aus 20 Jahren «Benissimo»?

An die allererste Sendung erinnere ich fast am besten. Das war für uns alle unglaublich spannend. Das Format war ja nicht eingekauft und wir hatten keine Ahnung, ob die Sendung funktionieren würde.

Und was ist mit den Gästen?

Natürlich. Da war Robbie Williams, da waren Take That. Aber dabei kommt man manchmal auch ein bisschen ins Philosophieren. Wenn es heisst, er hatte Tina Turner oder Shakira findet man es eine Super-Sendung. Dabei trage ich als Moderator nicht viel dazu bei. Es geht dann plötzlich mehr ums ‹Haben› als ums ‹Sein›.

Die Sendung wurde auch oft kritisiert. Wie geht man als Moderator damit um?

Einige wollen mehr Volksmusik. Andere mehr Pop. Am Ende sind aber die Einschaltquoten das einzig wahre Kriterium. Und diesbezüglich finde ich es auch schön, dass die Sendung nicht etwa wegen mangelndem Erfolg abgesetzt wird.

Das SF will künftig mehr auf Events setzen. Haben Shows wie «Benissimo» überhaupt noch eine Zukunft?

Wir leben heute in einer veränderten Medienlandschaft. Als wir anfingen, hatten die meisten Leute vielleicht sechs oder acht Kanäle. Heute sind es mindestens 50. Die Konkurrenz ist also riesig. Wenn man da nur alle sechs Wochen eine Sendung macht, fängt man jedes Mal wieder von vorne an. Da braucht es heute andere Formate. Ich gehöre selber ja auch zu denen, die ständig zappen.

Wird man Sie in Zukunft wieder mehr als Sportmoderator erleben?

Ja. Ich bin ja eigentlich Sportreporter und habe nur einen Seitensprung in die Unterhaltungsabteilung gewagt. Mittlerweile dauert dieser Seitensprung 30 Jahre. Aber ich werde auch in Zukunft am Samstagabend nicht frei haben.

Und wann tritt Beni Thurnheer endgültig in den Ruhestand?

Das hängt ganz von meiner geistigen und körperlichen Fitness ab. Das wird beim Fernsehen ja flexibel gehandhabt. Roger Schawinski ist schliesslich älter als ich.

Wie sieht das Leben nach dem Schweizer Fernsehen aus?

Ich reise sehr gerne. Mittlerweile habe ich 78 Länder besucht. Vielleicht peile ich dort wie bei «Benissimo» die 100 an. Ausserdem habe ich in den letzten Jahren auch den Zugang zur modernen Kunst gefunden. Kunst und Reisen, das liesse sich auch gut verbinden.

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