Der Islam beherrscht die Berichterstattung des noch jungen Jahres. Das Interview-Schwergewicht Roger Schawinski biss sich am Präsidenten des islamischen Zentralrates Nicolas Blancho ebenso die Zähne aus wie der deutsche Moderator Günther Jauch am Imam Abdul Adhim Kamouss.

In der Arena wird Jonas Projer Abdel Azziz Qaasim Illi, der rechten Hand des islamistischen Fundamentalisen Nicolas Blancho, auf den Zahn fühlen. Wie stellt er sicher, dass ihm nicht dasselbe passiert?

Vor zwei Wochen eine Sendung zum Terroranschlag in Paris, jetzt packen Sie das Thema Islam erneut an. Wieso schon wieder?

Die Sendung zum Terroranschlag war sehr nahe an der Aktualität und versuchte Fragen zu beantworten wie: Wie geht man mit diesem Thema sicherheitspolitisch um, wie kann man sich vor Terror schützen? Ausserdem haben wir über Karikaturen wie auch über Satire gesprochen. In der nächsten Sendung wollen wir Abstand nehmen und genereller fragen: Was ist die Position des Islams in der Schweiz, was ist die Position der Schweizer Muslime, wer sind die Muslime, wer vertritt sie, wie sind sie vernetzt und wie funktioniert das Zusammenleben in unserem Land.

Trotzdem betrifft diese Sendung nur einen kleinen Teil der Schweizer Bevölkerung, nämlich die Minderheit der Muslime.

Nein, dieses Thema betrifft die ganze Schweiz. Es ist richtig, dass in der Schweiz nur etwa fünf Prozent Muslime leben, Praktizierende sogar noch deutlich weniger. Aber trotzdem betrifft und interessiert dieses Thema das ganze Land. Der Islam ist auch hierzulande ein grosses Thema, nicht zuletzt, da fast jeden Tag darüber berichtet wird. Deshalb möchten wir für einmal genauer hinschauen.

Sie laden einen Vertreter des fundamentalen Islams ein. Geben Sie damit diesen Kräften nicht eine zusätzliche Plattform?

Eine Diskussionssendung ist immer ein Abwägen. Einerseits möchte man alle relevanten Stimmen einladen - dazu sind wir auch verpflichtet -, andererseits darf die Sendung nicht als Plattform missbraucht werden. Ich bin überzeugt, dass uns dies in der aktuellen Sendung gelingen wird, weil Herr Abdel Azziz Qaasim Illi, aber auch alle anderen Gäste, sich nicht als alleinige Vertreter der Muslime darstellen können. Stattdessen stehen sich verschiedene Muslime diskutierend gegenüber. Herr Illi wird, wie auch alle anderen Gäste, keine unkritische Plattform bekommt. Weiter steht Herrn Illi mit Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Vereins «Forum für einen fortschrittlichen Islam»,  eine starke Debattiererin gegenüber, die dem Islam, welcher Illi vertritt, kritisch gesinnt ist. Aber ich wiederhole: Dies gilt nicht nur für Illi. Grundsätzlich darf es nie passieren, dass ein Gast eine Plattform zugesprochen bekommt und unkritisch Werbung machen darf.

Wird den beiden noch Unterstützung zur Seite gestellt?

Nach dem jetzigen Stand nicht. Im Ring gibt es ein Duell mit deutlichen Polen der Muslime: Frau Keller-Messahli, welche die säkularisierte Seite vertritt, gegen Herr Illi, welcher sich selbst als konservativ beschreiben würde. Ein weitere Gast steht auf der Expertenposition: Herr Farhad Afshar vertritt die Koordination der islamischer Organisationen der Schweiz und vertritt damit auch eine grössere Gruppe von Muslimen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur extreme Positionen existieren.

Und der äussere Ring bleibt frei?

Nein, im äusseren Ring werden die Parteien vertreten sein. In dieser Sendung interessiert uns einerseits der innermuslimische Diskurs. Man nimmt gemeinhin die «Muslime» als homogene Masse dar, was so aber nicht stimmt. Andrerseits steht dieser heterogenen Gruppe der Muslime eine Mehrheit der nichtmuslimischen Bevölkerung gegenüber. Vertreten durch die Politiker möchten wir sie fragen, wie das Zusammenleben funktionieren soll.

Grosse Interviewer sind schon an fundamentalistischen Muslimen gescheitert. Schawinski unterlag Blancho und auch Günther Jauch machte keine gute Falle. Was machen Sie besser?

Ich muss nichts besser machen, weil ich nicht der Interviewer bin. Meine Aufgabe ist es, das Gespräch zu leiten. Herr Illi ist ein Gast wie jeder andere auch, welchem wir nicht unkritisch eine Plattform bieten werden. Ihn hingegen zu widerlegen oder seine Meinung kritisch zu kommentieren ist die Aufgabe seines Gegenübers, Frau Keller-Messahli. Ich leite das Gespräch, werde nachhaken, wenn unsere Gäste ausweichen, Fragen nicht beantworten und Argumente der Gegenseite einfach ignorieren. Aber meine Rolle besteht nicht darin, jemanden zu «überführen».

Schawinski sagte nach seinem missglückten Thiel-Interview, er hätte die Sendung besser abgebrochen. Sollte Ihre Sendung ausarten, käme das für Sie auch in Frage?

Eine Sendung abbrechen wäre etwas, was ich situativ entscheiden müsste. Dies gilt aber für die Sendung von nächstem Freitag nicht mehr als für jede andere Sendung.

Wie stellen Sie sicher, dass beide Seiten gleich viel zu Wort kommen?

Ich schaue nicht, wie bei den Abstimmungsarenen, dass beide Seiten mathematisch gleich viel Redezeit erhalten. Was ist, wenn jemand langsamer oder schneller spricht? Ich achte vielmehr darauf, dass beide Seiten fair ihre Argumente darlegen können und sich der kritischen Auseinandersetzung stellen.

Sie sind seit gut einem halben Jahr der neue Dompteur der Arena und stehen jetzt einer schwierigen Runde gegenüber. Haben Sie Angst?

Nein. Ich bin immer gespannt vor jeder Sendung. Da ich noch nicht so lange bei der Arena bin, entstehen immer wieder neue Situationen, die ich noch nicht kenne. Aber Angst habe ich keine.

Normalerweise diskutieren vier Personen in der Sendung, jetzt erörtern Sie ein wichtiges Thema mit nur zwei Gästen. Ist das eine «neue» Arena?

Nein. Diese Duell-Situation gibt es seit Jahrzehnten in der Arena regelmässig. Momentan arbeiten wir aber an einem neuen Konzept. Der Relaunch erfolgt im Frühling. Was neu sein wird, ist noch geheim, da auch noch nicht alles entschieden ist. Die Arena wird aber weiterhin die Arena bleiben: Eine kontroverse innenpolitische Diskussionssendung, die das Ziel hat, die Zuschauerinnen und Zuschauer zu unterhalten und ihnen Rohstoff zu liefern für die Meinungsbildung.

«Arena», Freitag 23. Januar, 22:25, SRF 1