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Wie Sie ein 17-jähriger Nachwuchsregisseur zum Weinen bringen könnte

Wie ein 17-jähriger Nachwuchsregisseur seine Zuschauer zum Weinen bringt: «To Claire; From Sonny»

Wie ein 17-jähriger Nachwuchsregisseur seine Zuschauer zum Weinen bringt: «To Claire; From Sonny»

Der für ein Schulprojekt produzierte Kurzfilm «To claire; From Sonny» räumt plötzlich reihenweise Preise ab. Bereits wird dem 17-jährigen Jungregisseur eine grosse Zukunft prophezeit.

Der junge Australier Joshua Beattie hat noch nicht einmal die Schule hinter sich, dafür bereits einen Film im Kasten, der auf YouTube unzählige zu Tränen rührt.

Eigentlich hat Joshua den Film nur auf YouTube hochgeladen, um ihn einigen Kollegen zeigen zu können, die die Schulvorführung verpasst haben. Doch dann haben seine Freunde den Link an weitere Freunde weitergereicht. Und diese an widerum weitere. Eine virale Verbreitung setzte ein und innert zwei Monaten hat der Kurzfilm «To claire; From Sonny» stolze 400 000 Zuschauer erreicht.

Nicht schlecht für einen sechsminütigen Film auf einem von Kurzfutter geprägten Videoportal. Zuschauer klicken sich hier in der Regel innert weniger Minuten oder gar Sekunden von einem Video zum nächsten.

Liebesbrief an Claire

Im Film schreibt Charakter Sonny seiner Ex-Freundin einen Brief: «Liebe Claire. Wo soll ich anfangen? Du wirst das wahrscheinlich nie lesen». Ein Jahr ist es her, dass sich die beiden zerstritten haben und ihm Claire aus dem Haus davongelaufen ist. Seither haben sie sich nie wieder gesehen.

Sonny versucht, über die abrupte Trennung hinwegzukommen. Im Brief erzählt er von einer neuen Bekanntschaft: «Sie ist nett. Aber anders. Einen fremden Menschen kennenzulernen ist, wie in ein fremdes Land zu reisen, in dem du die Sprache nicht verstehst. Und sie ist Sellerie - freiwillig!»

Sonny hasst Sellerie. Wie Joshua, sein Erfinder. «Sellerie riecht und schmeckt ekelhaft», findet er, wie er im Interview Spiegel Online erzählt. Gekonnt erschafft Joshua einen Monolog, der vom Schmerz des Verlusts erzählt. Der zwischen erwachsen und kindlich hin und her schwankt. Es ist die Zeit der Pubertät.

Der Monolog scheint wie der Liebesbrief an die Liebe, die ihn verlassen hat. Bis ein unerwarteter Twist alles in ein neues Licht rückt. Aber sehen sie selbst.

«Es gibt wichtigeres als glitzernde Preise»

«Bestes Drama», «Bester Filmemacher». Joshua wird von Newcomerpreisen überhäuft, 75 000 Franken ist allein das Stipendium Wert, das er für eine Filmschule gewonnen hat. Die Jury der Bond University Film and Television Awards (BUFTA) lobte den Film für sein «bemerkenswertes technisches Niveau und eine emotionale Reife, die über das Alter von Joshua Beattie hinausgeht».

Die musikalische Begleitung hat Josh übrigens selbst komponiert - das erste Lied im Film beispielsweise singt der Chor seiner kleinen Schwester.

Auf die Frage von Spiegel Online, ob Joshuas Lehrer vom grossen Online-Erfolg des Films wüssten, antwortet er: «Sie wollten unbedingt, dass ich ihn wieder aus dem Netz nehme. Denn wenn der Film auf YouTube zu sehen ist, darf ich ihn bei einigen Filmfestivals nicht einreichen. Mir ist es aber wichtiger, dass viele Leute im Internet darauf stoßen. Wenn der Kurzfilm ihnen gefällt, dann ist das viel mehr wert, als wenn er in einer Schublade liegt und vielleicht irgendeinen glitzernden Preis gewinnt.» (mik)

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