Inmitten von Kochinseln mit Teppanyaki und Wok-Mulden und Einbauschränken mit Steamern und Backöfen bewegen sich Sabina Wegberg und Gilbert Busslinger, als wäre die Küche schon immer ihr Hauptbeschäftigungsort gewesen. Mitnichten - beide bezeichnen sich doch als Kochbanausen . Dies traf zumindest noch bis vor wenigen Wochen auf sie zu. Inzwischen sind sie durch die harte Schule der Topköche Françoise Wicki und Torsten Götz gegangen - genau beobachtet von unzähligen Fernsehkameras.

Sabina Wegberg und Gilbert Busslinger sind zwei der insgesamt sechs Kandidaten, die in der ersten Staffel der neuen Doku-Soap «Ab in die Küche» auf SF1 teilnahmen. Das neue TV-Format, das die Kochshow «Al Dente» ablöst, geht ab nächstem Montag, 11. April, jeweils um 20 Uhr über den Sender.

Hier sollen sich die Kandidaten von Kochbanausen zu Kochkünstlern mausern. Moderiert wird die Sendung vom Basler Heinz Margot, der selbst als Gastronom seit 9 Jahren in Zermatt ein Restaurant führt. Eine Herausforderung, die Margot gerne annahm, «zumal man bei Spitzenköchen wie Wicki und Götz immer dazulernen kann».

Fernsehen statt Pro Senectute

Profi-Köche seien sie zwar noch nicht. «Aber es war eine Super-Erfahrung», sind sich die beiden Kandidaten einig. Sabina Wegberg (43) hatte sich gemeldet, weil ihre Alltagsküche fast nur aus Nudeln und Spaghetti bestand. «Ich wollte in der Küche effizienter und vor allem vielseitiger werden», sagt die Inhaberin von vier Coiffeurgeschäften und 2-fache Mutter aus Langwiesen ZH.

Rentner Gilbert Busslinger möchte seiner Frau beweisen, dass in ihm ein Kochtalent schlummert, das endlich geweckt werden will. Bislang war die Küche für den blutigen Kochanfänger allerdings tabu. «Statt in einen Pro-Senectute-Kurs meldete ich mich eben hier an», sagt der 70-Jährige aus Seengen.

In einer alten Fabrik in Eglisau wurden die Kandidaten während 10 Tagen von den Profis unter die Fittiche genommen. «Das war nicht einfach ein bisschen «chöcherle», sondern «richtig stressig», so Busslinger. In den ersten drei der fünf Episoden kochen die Kandidaten jeweils im Zweierteam ein Menü nach, das ihnen von Françoise Wicki und Torsten Götz vorgekocht wird. In der vierten Episode steht jeder allein am Herd; eine bisher noch geheim gehaltene Prominenten-Jury entscheidet dann, wer es ins Finale schafft. Dort kämpfen drei Finalisten um den Sieg.

Die von Betty Bossi zusammengestellten Gerichte sind beileibe keine Einsteiger-Menüs, sondern ziemlich anspruchsvoll. So mussten die Kandidaten beispielsweise Involtinis mit Marsalajus und Weissweinrisotto oder Kalbfleischterrine mit Peperoni-Confit zubereiten. «Wir wollen damit das Steigerungspotenzial der Kandidaten aufzeigen», betont Torsten Götz (16 Gault-Millau-Punkte), Executive Chef im Grand Hotel Victoria Jungfrau in Interlaken. Das sei natürlich ein Risiko gewesen. «Aber die Koch-Anfänger haben ein höheres Niveau gebracht, als ich erwartete.»

Kochen beginnt nicht erst am Herd

Immer alles genau im Kopf zu behalten, was die Profis vorgekocht haben, sei das Schwierigste gewesen, fand Sabina Wegberg. Die Gerichte seien vielleicht nicht alle für den hektischen Alltag geeignet, aber einzelne Komponenten könne man gut integrieren. Gilbert Busslinger hatte sich erhofft, Grundlagen des Kochens zu erlernen. «Beim Gemüserüsten bin ich aber immer noch ein bisschen unsicher.» Dafür habe er eine Menge «on the job» gelernt, wie man etwa eine Sauce abschmecke oder das Mise en place mache.

Die Organisation sei tatsächlich auch das A und O, betonen die beiden Küchenchefs Wicki und Götz. Ihn hätte erstaunt und überrascht, dass es Leute gebe, die nicht kochen können, so Torsten Götz, der im Victoria Jungfrau eine Crew von 40 Köchen für drei verschiedene Restaurants führt. «Es macht deshalb Sinn und ist auch nötig, ein solches Sende-Format mit Anfängern zu bringen.» Das Kochen beginne nicht erst am Herd und ende nicht beim Anrichten eines Tellers. In einer Zeit, wo sich viele nur noch von Convenience-Food ernähren, sei es wichtig, die Wertigkeit des Kochens und des Zusammenessens wieder ins Zentrum zu rücken.

Zwiebeln hacken

Das neue TV-Format will also nicht nur Unterhaltung bieten, sondern vor allem auch Schwellenängste abbauen. «Wir möchten die Neugier am Kochen wecken», betont Françoise Wicki, Küchenchefin im Zürcher Restaurant Helvetia (14 Gault-Millau-Punkte). «Dass die Leute den Mut zum Probieren entwickeln, das Gefühl für die Saisonalität wieder finden und ihre Geschmackssinne schulen.»

Was nehmen die beiden Kandidaten Sabina Wegberg und Gilbert Busslinger neben neuen Gerichten und der Lust am Kochen mit in den Alltag? «Ich habe nicht nur gelernt, wie man ein Messer richtig führt, sondern auch, wie man Zwiebeln hackt», freut sich die Schaffhauserin. Der Aargauer Gilbert Busslinger will sich nun als Erstes ein dickes Kochbuch anschaffen, richtige Messer hat er bereits eingekauft. «Jetzt kann ich in der Küche endlich auch brillieren.»