Kino

Wie Lara Croft oder Hunger Games: Wenn die Frau das Spiel bestimmt

Enttäuschend: Der Film «Polder» hangelt sich von Meta-Ebene zu Meta-Ebene, grosse Spannung kommt keine auf.

Enttäuschend: Der Film «Polder» hangelt sich von Meta-Ebene zu Meta-Ebene, grosse Spannung kommt keine auf.

Games als Bausatz für Filmheldinnen: Da erwacht das Kind im Kinofan. Die Spielfilme «Nerve» und «Polder» bedienen spielerische Urbedürfnisse, sind jedoch auf ein komplett unterschiedliches Publikum zugeschnitten

Man kennt das aus eigenem Gameverhalten. Zunächst ist man skeptisch, findet diese oder jene Spielanlage doof, unrealistisch oder beides. Aber dann lädt man sich aus Neugier die App runter, und ehe man sichs versieht, hat es einen gepackt. Dann ist man plötzlich Pokémon-Jäger oder kämpft gegen andere Spieler um Königreiche, Power-ups oder magische Strahlen.

Weibliche Hauptfiguren

«Im echten Manne ist ein Kind versteckt; das will spielen.» So formulierte es der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche in «Also sprach Zarathustra», einem philosophischen Standardwerk aus dem späten 19. Jahrhundert. Weniger bekannt ist Nietzsches Folgesatz: «Auf, ihr Frauen, so entdeckt mir doch das Kind im Manne.» Schön und gut, aber dürfen denn Frauen nicht spielen?

Doch, sie dürfen. In aktuellen Filmen, die sich um Games drehen, ist die Hauptfigur immer öfter weiblich. Das gilt für herkömmliche Game-Adaptionen wie «Lara Croft», deren jüngstes Kinoabenteuer 2018 in die Kinos kommen soll – mit Alicia Vikander in der Hauptrolle. Das gilt aber auch für Filme, in denen die Heldin kein vordefiniertes Spielfeld findet, sondern sich erst mit den Regeln vertraut machen muss, bevor sie diese Regeln gegen ihre Erfinder wenden kann. Zum Beispiel in den «Hunger Games» («Die Tribute von Panem»). Da war es Jennifer Lawrence, die sich als Gladiatorin Katniss in die Schlacht warf. Sie tat dies in einem künstlichen Urwald zur Gaudi von Fernsehzuschauern – während einen als Kinobesucher das Gefühl beschlich, einer mörderischen Castingshow in der Masoala-Halle beizuwohnen.

Einen Nerv getroffen:»Nerve» bietet packende Kinounterhaltung.

Einen Nerv getroffen:»Nerve» bietet packende Kinounterhaltung.

Ungleich näher an der Realität ist nun der Film «Nerve». Wenn sich die schüchterne Heldin in eine Game-App einklinkt, um mittels Mutproben in der Grossstadt Punkte zu sammeln, entfaltet sich vor unseren Augen ein bekanntes Spiel: Finde Verbündete, überwinde deine Ängste, wachse an deinen Aufgaben. Dieses Prinzip funktioniert, weil «Nerve» im Unterschied zu den «Hunger Games» kaum mehr als Science-Fiction erkennbar ist. Der Dschungel aus den «Hunger Games» ist hier ein realer Grossstadtdschungel, in dem es um die Selbstfindung eines Durchschnitts Teenagers geht.

Packend verfilmt

Interessant an Filmen wie «Nerve», «Hunger Games» oder «Tomb Raider» ist nicht nur, dass sie weibliche Hauptfiguren haben. Auch die Buchvorlagen und Drehbücher stammen überwiegend von Frauen. Was kein grosses Aufheben wert wäre, wenn Hollywood nicht gefühlte 95 Prozent seiner Energie in männliche Stars, Autoren und Regisseure investieren würde: Die aktuelle Superhelden-Flut ist eine reine Männerdomäne. Bei «Nerve», «Hunger Games» und «Tomb Raider» sitzen zwar auch Männer im Regiestuhl. Aber sie haben immerhin weibliche Perspektiven auf packende Art verfilmt.

Und die Schweiz?

Vom Schweizer Film «Polder» lässt sich solches leider nicht behaupten. Es gibt da zwar ebenfalls eine Heldin. Aber was die tut und warum, bleibt das Geheimnis ihrer männlichen Macher. Und die Abenteuerlust bleibt auf der Strecke. Schade. Wir hätten gerne eine Schweizer Heldin gesehen, die zwecks Selbstbestätigung in attraktiver Spielumgebung Kopf und Kragen riskiert.

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