«Ein Löwe geht nicht allein auf die Jagd», sagt einer der YB-Spieler im Film «Meisterträume» in der Garderobe. Er sagt das zu einem Zeitpunkt, als der Club seinen 7-Punkte-Vorsprung auf den Verfolger FC Basel verspielt hat und vom Jäger zunehmend zum Gejagt wird. Ein Medientrainer wird engagiert, damit die Spieler das Wort Krise gegen aussen ja nicht in den Mund nehmen.

Norbert Wiedmer und Enrique Ros zeichnen in ihrem 95 Minuten langen  Dokumentarfilm die Station des BSC Young Boys in der Saison 2009/2010 nach. Vom Schnellstart, über die Wintermeisterschaft bis hin zum verspielten Meisterschaftsfinale. Der Film lebt vor allem von den Emotionen der Beteiligten. Davon, wie sie sich gegenseitig Mut machen, bevor sie in den Kampf auf dem Feld ziehen - in der Hoffnung, nach 26 Jahren wieder einmal eine Meisterschaft zu gewinnen.

Blick hinter die Kulissen

Das Duo Wiedmer/Ros beleuchtet im Film vor allem, was sich hinter der Bühne abspielt und für den Matchbesucher nicht sichtbar ist. Eindrücklich ist es auch zu sehen, mit wie wenigen Worten und in wie vielen Sprachen der Cheftrainer Vladimir Petkovic die Spieler in der Kabine antreibt. Oder aber wenn erwachsene Spieler sich manchmal wie Buben aufführen, etwa dann, wenn sie im Teamcar mit dem Gameboy spielen.

Heute wurde der Film in Solothurn gezeigt und erntete vom Publikum viele Lacher. «Der Film wäre heute in dieser Qualität nicht mehr machbar», erklärt Norbert Wieder. Grund: Der Promoter des Films, Stefan Niedermaier, wurde inzwischen als CEO des Stade de Suisse und der BSC Young Boys abgesetzt. Niedermaier war mit dem Ziel angetreten, die Meisterschaft zu gewinnen und YB innert vier bis fünf Jahren zu einer respektierten Adresse im europäischen Club-Fussball zu machen. Im Fussball haben die Akteure eben eine kurze Halbwertszeit, meint Wiedmer zu den Entwicklungen.

Die Rochaden an der Spitze des BSC Young Boys wirkten sich direkt auch auf die Filmemacher aus. Die Migros hat den DVD-Verkauf der «Meisterträume» wegen der Wirren an der Vereinsspitze auf Eis gelegt.  Statt der geplanten 10000 Scheiben gingen bis heute nur 2000 weg. (rsn)