«Die Bachelorette»

«Wer hat wieder so Intrigen gesetzt?» – Adela, die Brudis und das Ende der deutschen Sprache

Das Beste aus «Die Bachelorette», Folge 5: Wie Adela in eine tiefes Loch fiel und sie die Männer wieder herausholten

Das Beste aus «Die Bachelorette», Folge 5: Wie Adela in eine tiefes Loch fiel und sie die Männer wieder herausholten

Bruderzwist allenthalben setzte es ab in dieser Folge Bachelorette. Da streiten sich die Männer, die sich sonst konsequent mit «Brudi» und «Bro» anreden, dass die Schwarte kracht. Und die beiden echten halben Brüder Matteo und Davide werden von Bachelorette Adela schnöde getrennt, denn Matteo hat Adelas Gefühlsmotor nicht zum Laufen gebracht.

Zurück auf Anfang. Giusi der Lokführer hat bei Adela über die anderen gepetzt. Und darum herrscht eine Stimmung, die Safak als «derb Scheisse» bezeichnet. Man bläht die Brust und lässt die sorgsam gezupften Augenbrauen steigen. Die gebleachten Zähne werden gefletscht und es hagelt harte Sprüche. «Ich bin ken Ascht wo zerbricht wenns regnet», sagt David. Und Mit-Ostschweizer und Lieblingsbrudi Cem tönt: «Wie chasch Du dir es Urteil über mich felle?»

Da passt es zur Stimmung, dass Adela die Jungs auch auf ihre intellektuellen Fähigkeiten prüfen will. Und zwar mit den Disziplinen Standup-Paddeln, Seilziehen und Palmenklettern. Seit alters her das Mass akademischer Bildung. Und doch das Richtige, wenn es in einer Gruppe «mehr Beef hat als in einer Metzgerei», wie Thomas konstatiert.

Überhaupt, Satzbau ist die Sache der Kandidaten nicht. Mario, der linguistisch herausgeforderte Wirtschaftsinformatik-Student, will von Adela wissen, wie viele Männer sie schon hatte. Doch die sagt nur «weniger als acht». Und nippt am Glas. Denn Champagner, der fliesst bei der Bachelorette immer in rauen Mengen, fast so wie die Tränen bei Adela, als ihr ein Hellseher im Dschungel verrät, dass weder Mario noch Luca noch Davide wahre Gefühle für sie haben.

Der goldbeklebte Weise mischt Adelas Blut mit jenem ihrer Verehrer und spricht dazu wie ein Schweizer Tourist nachdem er das Pad Thai extra-scharf bestellt hat. Nämlich heiser-erstickt wie ein Ansager in der Geisterbahn. Die Worte des Mike-Shiva-Verschnitts aus Südostasien erschüttern Adela bis ins Mark, sie zieht sich zurück.

Und nur die Brudis Cem und David können sie retten. Die beiden wandelnden Kosmetikproduktpaletten aus der Ostschweiz nahen mit Champagner und David kann es nicht verstehen, dass so ein wunderschöner Mensch in Thailand traurig ist. Hässliche Menschen im Thurgau, das wäre offenbar okay. So geniesst man, was die Hotelbar hergab und spricht sich über die Lebenskrise der holden Adela aus.

..

Wie könnte es anders sein in der Scripted Reality in Südostasien, alle anderen «Kandis» kreuzen auch auf und bespassen Adela. Und die ist «echt stolz auf alle Männer». Obwohl die Fleisch bringen und Adela doch nur Gemüse mag. Und Badeanzüge. Ein solcher wird sogleich montiert und ab geht es aus der Depression in die Poolparty.

Thomas hat die brillante Idee, sich Adela für ein Einzelgespräch zu packen, obwohl er gelinde gesagt angetrunken ist. Die Disziplin «Grinsen mit roter Rübe» beherrscht er gut. Die Rettung kommt, «s git mangiare», brüllt ein Secondo – ja, auch die italienische Grammatik ist nicht sicher in Thailand.

Am Morgen wird Adela überrascht und, ja, das wissen wir mittlerweile, sie liebt Überraschungen. Joe kreuzt mit einem Jeep auf und das ist gut, denn Adela liebt auch Joes Riesenjeep. Und dann werden gemäss der Stentorstimme aus dem Off «Frauenfantasien wahr», denn der Vorstadtpanzer hat einen Platten und Joe kann oben ohne Reifen wechseln. Mit sauber getrimmter Brustbehaarung.

So geht es doch noch an den Strand zum Champagnertrinken. Sollten wir eigentlich mal über Alkoholismus in der Serie reden?

Zur «Nacht der Rosen», so heisst das in jeder Folge durchgeführte Ausscheidungsritual, tritt der Hengsten-Stall mit makellos ausrasierten Bärtchen und perfekt gegeltem Haar im feinsten Zwirn an. Von pink bis himmelblau reicht die Farbpalette der Anzüge, Hauptsache eng. Und Adela setzt ein modisches Statement mit einem Ausschnitt, der ganz damenhaft knapp unter dem Bauchnabel aufhört.

Die Ostschweizer müssen wieder zusammen ran, David darf für seinen Kumpel Cem Werbung machen. Der soll weiter kommen, «weil er da ist». Und weil «er nicht so war, aber jetzt so ist». Ja, da hat einer die Stoiker von Zenon bis Seneca nicht nur gelesen sondern auch verinnerlicht. Eine Rose bekommen beide. Die Ostschweizer Brudis dürfen weiterkämpfen.

Mario, der Schrecken des Satzbaus, darf auch bleiben, denn er hat Adela so überrascht und wir erinnern uns: Die Dame mag Überraschungen. Und Safak dankt für seine Rose mit einem GGM, einem «ganz geilen Macker Move» – seine Worte. Dabei wird mit Armen und Beinen geschlackert, dass die Nähte am viel zu engen Anzug im Globi-Karo knirschen.

Luca findet die Bätschi lustig, der bekommt eine Rose und bringt mit einem Spruch alle zum Lachen. Joe kriegt eine Rose weil er, wir ahnen es, Adela überrascht hat. Thomas trägt einen orangen Smoking, für den man ihn und den Designer mit einem Rosenstrauch auspeitschen sollte. «Du solltest dringend dein Partyverhalten überdenken», lautet der Tipp der Holden an den wenig trinkfesten Banker. Doch die Rose bekommt er.

Dafür muss mit Marc, der letzte Basler, das Feld räumen und erhält den Auftrag: «Grüss unsere Stadt von mir.» Zum Abschluss wünscht sich Adela gute Laune von ihren Männern und – ja, es wird wieder getrunken.

Die ganze Sendung können Sie hier schauen: 3plus.tv/bachelorette

Verwandtes Thema:

Autor

Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

Meistgesehen

Artboard 1