Polit-Thriller

Wenn Friedenssoldaten Zerstörung bringen

Polizistin Kathryn Bolkovac will Frauen im Kosovo vor Ausbeutung schützen – Rachel Weisz mit einer Parforce-Leistung.  Rialto

Polizistin Kathryn Bolkovac will Frauen im Kosovo vor Ausbeutung schützen – Rachel Weisz mit einer Parforce-Leistung. Rialto

«The Whistleblower» beruht auf einer erschreckenden, wahren Geschichte. Der Polit-Thriller erzählt die Geschichte einer Frau, die aufdeckte, wie UNO-Friedenssoldaten sich im Nachkriegs-Bosnien mit minderjährigen Vergewaltigungsopfern eindeckten.

Die amerikanische Polizistin Kathryn Bolkovac, gespielt von Oscar- Gewinnerin Rachel Weisz, nimmt einen gut bezahlten Job bei einer privaten Sicherheitsfirma an, die im Auftrag der USA Friedenstruppen für Bosnien stellt. Ihre Aufgabe ist es, lokalen Polizisten demokratische Grundregeln beizubringen.

Doch auch Jahre nach Ende des Kriegs und dem Beginn der UNO-Mission herrschen noch menschenverachtende Zustände. Häusliche Gewalt etwa wird nicht geahndet, «sie ist eine Muslimin, sie hat es verdient», meint der zuständige Polizist nur. Doch Kathryn erwirkt die allererste Verurteilung eines prügelnden Gatten und erwirbt sich damit den Respekt der UNO-Frauenbeauftragten Madeleine Rees (Vanessa Redgrave, Oscar-Preisträgerin auch sie) – fortan ihre beste Vertraute in einem Umfeld voller vertrauensunwürdiger Männer.

Lawine losgetreten

Dass Kollegen aus dem Friedenscorps lokale Bordelle besuchen und dort Minderjährige missbrauchen, scheint schon schlimm genug. Aber bald zeigt sich, dass einige von ihnen aktiv den Mädchen-Import aus dem benachbarten Osten unterstützen, um sich selber mit Frischfleisch zu versorgen. Beispielsweise Mädchen wie Raya, deren Schicksal die Regisseurin Larysa Kondracki parallel zu Kathryns Geschichte erzählt: Der blutjungen Ukrainerin war eine Model-Karriere im Westen versprochen worden, doch sie landete – mit Folter und Vergewaltigung gefügig gemacht – in einem bosnischen Bordell.

Trailer zu «The Whistleblower»

Kathryn nimmt sich ihrer und anderer Opfer der Zwangsprostitution an und sammelt Beweise. Damit bringt sie aber nicht nur sich, sondern auch die Mädchen in Gefahr; die Mädchenhändler und die internationalen Kunden, die sie decken, schrecken nicht einmal vor Entführungen, Folterungen und Exekution zurück.

Die fehlbaren Friedenssoldaten geniessen Immunität und die UNO-Vorgesetzten sind an einer Enthüllung aus naheliegenden Gründen nicht interessiert. Kathryn wird entlassen und hat nur eine Wahl: Sie muss ihre eigenen Akten stehlen.

«The Whistleblower» ist – trotz der hochkarätigen Besetzung – kein Traumfabrik-Produkt, und das ist gut so. Die Zerstörung von Städten und Menschen ist allgegenwärtig, die Bilder düster, die Interieurs – wie die Verbrecher darin – schäbig und roh.

Rachel Weisz, obwohl sie zunächst zu schön und zu zierlich wirkt für das Ein-Frau-Cop-Kommando, das sie spielt, wirkt durch und durch glaubwürdig: Sie vereint Durchsetzungsvermögen mit Verletzlichkeit und Beharrlichkeit mit Anflügen von Zweifel – keine einfache Aufgabe.

The Whistleblower (CA/D 2011) 112Min. Regie: Larysa Kondracki. Mit: Rachel Weisz, Vanessa Redgrave, Monica Bellucci u.a. HHHHI

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