Solothurner Filmtage 2011

«Was läuft in einem ab, wenn man am Galgen hängt?»

Der Schauspieler Joel Basman über seine Rolle im Film «Picco»

Der Schauspieler Joel Basman über seine Rolle im Film «Picco»

Der Schweizer Jungstar Joel Basman spielt im Film «Picco» einen jugendlichen Gefängnisinsassen, der von seinen Mithäftlingen erhängt wird. Für Basman war die Rolle eine Grenzerfahrung. Am Dienstag Abend feierte der Film in Solothurn Premiere.

Joel Basman, Sie spielen im Film «Picco» ein Opfer im Jugendgefängnis, das am Schluss erhängt wird. Wie geht man mit einer solchen Rolle um?

Joel Basman: Man muss wissen, dass die Szenen chronologisch gedreht wurden. Zuerst die Gefängnisszenen, am Schluss die Folterszenen. Es war für mich sehr wichtig, dass ich mich Schritt für Schritt annähern konnte. Die Mitspieler haben mir dabei sehr geholfen, auch weil sie mich in meine Rolle gedrückt haben. Man stösst bei solchen Rollen aber an Grenzen. Das war auch körperlich sehr intensiv.

Können Sie nach solchen Szenen noch ruhig schlafen?

Ja. Das Schlafen ging gut. Es ist klar, dass man solche Szenen auch verarbeiten muss. Man macht sich Gedanken, wie das jetzt eben war. Ohne Familie, Freunde und Verwandte hätte ich die Drehzeit nicht überstanden. Man braucht einen Austausch.

Sie reden mit Ihnen über ihre Rollen?

Zum Teil. Es ist einfach schön, wenn man am Abend schnell miteinander telefoniert und fragt: Wie geht es, was macht ihr? So bleibt eine Prise Normalität im Leben.

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Wir bekamen Tonaufnahmen von Gesprächen mit Häftlingen, es gab Bücher und Texte. Wir konnten uns so gut in den Gefängnisalltag einfühlen. Dazu kam, dass wir in einem stillgelegten Gefängnis drehten, das Gebäude also einen Monat lang für uns hatten. Man befindet sich in einer Art Seifenblase und schenkt allen anderen Dingen rundherum kaum Beachtung.

Was läuft in einem ab, wenn man am Galgen hängt? 

Man wehrt sich, da läuft vieles ganz instinktiv. Vieles wird einem erst bewusst, wenn man später darüber nachdenkt oder die Szene im Film sieht.

Wenn Sie sich nun im Film siehst: Wen siehst Du? Dich oder den Schauspieler?

In jeder Rolle ist immer etwas von einem selber drin. Ich sehe mich aber mit einem gesunden Abstand. Das hat im konkreten Fall wohl auch damit zu tun, dass die Rolle so extrem ist.

Sie spielen in «Picco» erneut einen Randständigen, wie in fast allen bisherigen Filmen. Würden Sie nicht gerne mal etwas anderes spielen, zum Beispiel einen Liebhaber?

Ja sicher würde mich das reizen. Das Gesamtprodukt muss aber stimmen. Diese Borderline-Rollen haben auch etwas Spannendes. Und ich bin letztendlich froh, dass ich an etwas arbeiten kann.

Haben Sie denn Angebote für den Liebhaber?

Nein. Eine Rolle aussuchen können, das ist sowieso eine Luxus. Sicher: Es gibt 1000 von Rollen, die ich extrem gern spielen würden.

Zum Beispiel?

Eine Rolle in einem Film von Gaspard Noé oder Lars van Trier; Regisseuren also, denen man sich erbarmungslos zu Verfügung stellt in der Gewissheit, dass es funktionieren wird.

«Picco»: Ein Film über die brutale Gewalt in deutschen Jugendgefängnissen

Trailer zu «Picco»



Sie haben letztes Jahr mit Cate Blanchett. Wie ist es, mit einem Weltstar zu drehen.

Es war eine sehr interessante Erfahrung. Ich hatte eine Szene mit Blanchett. Da merkt man schnell, dass Highclass am Werk ist.

Sprechen Sie Englisch im Film? Oder werden Sie synchronisiert?

Ich spiele einen deutschen Neonazi - ich rede also deutsch.

(Interview: rsn)

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