Gepriesen sei der Mann, der das Ende einen Anfang nennen kann. Der sich den Tod als Übergang in ein neues, womöglich besseres Leben vorstellt. Gepriesen sei Bruno Ganz, hier in der Rolle des italienischen Journalisten Tiziano Terzani. In einem postum erschienenen Bestseller, auf dem dieser Film beruht, berichtete der Starreporter von seinem gelassenen Umgang mit dem tödlichen Krebs.

Ganz, bald 70 und nach seiner bitteren Abrechnung mit dem Regietheater permanent im Kino präsent, kennt sich mit dieser Krankheit inzwischen richtig gut aus. Gerade erst spielte er in «Satte Farben vor Schwarz» einen Manager, der sein Leben freiwillig beendet, als ihn die entsprechende Diagnose erreicht.

Den Tod genüsslich auskosten

Jetzt kostet er das Siechtum geradezu genüsslich aus. Vor den Augen seiner Familie windet Terzani sich in starken Bauchkrämpfen, liegt dann matt lächelnd und erschöpft da. Bekommt urplötzlich einen gewaltigen Wutanfall, der ebenso schnell wieder verraucht. Schon zu gesunden Zeiten waren seine Gemütsschwankungen legendär. Ein Charakterzug, den Ganz merklich mag.

Ebenso legendär waren die Reportagen des italienischen Fachmanns für Fernost. Er berichtete für den «Spiegel» über den Vietnamkrieg, er war Ende der 70er-Jahre einer der ersten Ausländer im sich öffnenden China. Über das Land gibt es ein oder zwei interessante Bemerkungen, wenn Terzani im Angesicht des Todes ein langes Gespräch mit seinem Sohn Folco (Elio Germano) führt.

Protokoll einer Versöhnung

Doch geht es dem deutschen Regisseur Jo Baier nicht um die Bilanz eines Berufslebens. Sein Film handelt von der Kunst des Sterbens, die Terzani dank dem intensiven Studium asiatischer Spiritualität so meisterhaft beherrscht. Er ist zudem das Protokoll einer Versöhnung zwischen Vater und Sohn, der es im Schatten des dominanten, aufbrausenden Terzani alles andere als einfach hatte.

So entsteht ein Kammerspiel unter toskanischem Himmel, dessen relative Handlungsarmut der Regisseur gut kaschiert. Er weiss das Gespräch zu rhythmisieren, er sorgt für Abwechslung: ein Ausflug ins Dorf (der in einem gewaltigen Krach endet), eine gemeinsame Wanderung auf den Hausberg, von wo aus Terzani sich von der Welt verabschiedet. Den letzten Gang geht er dann allein. Man solle lachen, wenn er tot sei, lautet sein Wunsch. Der Film ist oft bemerkenswert heiter, aber das ist dann doch vielleicht ein bisschen zu viel verlangt, schneuz!

Das Ende ist mein Anfang (D/I 2010) 98 Min. Regie: Jo Baier. Mit: Bruno Ganz, Elio Germano u.a.