Was fällt einem heute noch zu Charlie Chaplin ein? Mir jedenfalls jede Menge. Was fällt mir zuerst ein? (Erstaunlicherweise der Umstand, dass Chaplins Grab geschändet und sein Leichnam entführt worden war. – Aber das kann nur in Klammern erwähnt werden.) Natürlich sein Duo-Auftritt mit Buster Keaton in «Limelight».

Die beiden Stummfilmikonen zerstören da zwar zwei Instrumente, das muss jedem Zuschauer auch körperlich wehtun, aber es ist jetzt nicht mehr zu ändern. Buster Keaton, auch nicht mehr der Jüngste, kämpft am Piano mit seinem Notenpapier, Charlie Chaplin gehorchen die Beine nicht mehr. In der weiten Hose zieht es zuerst sein rechtes, dann auch noch sein linkes Bein dauernd in die Höhe. Er muss wieder Boden gewinnen für sein Bein. Der Gag ist vermutlich uralt, aber die Szene ist – und bleibt – grandios.

Chaplins Kinder erinnern sich an Weihnachten

[25.12.]Chaplins Kinder erinnern sich an Weihnachten

An Weihnachten vor 40 Jahren verstarb Filmstar Charlie Chaplin in Corsier-sur-Vevey im Waadtland. Im Haus der Chaplins, heute ein Museum, erinnern sich Géraldine und Eugène Chaplin an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit: Weihnachten sei immer ein grosses Fest gewesen bei den Chaplins, sagen sie. Ihr Vater habe Weihnachten aber überhaupt nicht gemocht.

Der Film selbst dürfte heute recht antiquiert wirken – und war es wahrscheinlich damals schon, als Chaplin ihn machte. Aber es ist die Auseinandersetzung mit seiner Herkunft, mit seiner Familie, mit sich selbst – für ihn zweifellos neben all der Professionalität eine Herzensangelegenheit. Und deshalb für den Zuschauer «freudianisch» überladen. Sei’s drum.

Als Jude beschimpft

Wer war Charlie Chaplin? Als die Bilder laufen lernten, war er der Star. Slapstick nennt man das Genre, die Helden, denen meist übel mitgespielt wird, sind allesamt etwas tollpatschig. Die Idee seiner Filme, sagte Chaplin einmal, beruhe darauf, dass er in Schwierigkeiten gerate und verzweifelt versuche, wieder herauszukommen.

Deshalb muss der Hut gelüpft, die Krawatte gerückt und der zu kleine Kittel zurechtgezupft werden: Es geht um die Würde, die es zu bewahren gilt. Die Figur des «Tramp» ist angelegt als «Möchtegernbürger», «le petit bourgeois», der aus der Gesellschaft geflogen oder geflohen ist, aber das nicht wahrhaben will.

Chaplin, geboren in London, blieb des Films wegen in den USA und wollte nicht US-Bürger werden. Das nahm man ihm in der McCarthy-Ära übel. Und so kam er am Schluss in die Schweiz. In Vevey starb er am 25. Dezember 1977, vor 40 Jahren.

Doch hatte er Europa immer im Blick. Und im Gegensatz zu Karl Kraus, dem zu Hitler bekanntlich nichts einfallen wollte, machte er in den USA Front. Den Film «The Great Dictator» sah man nicht überall gern in den USA. Mit Hitler hatte Chaplin nicht nur den Jahrgang (Chaplin geb. 15. oder 16. April 1889, Hitler 20. April 1889) und den Schnurrbart gemeinsam.

Beide waren aus ärmlichen Verhältnissen aufgestiegen und schafften es, die Massen zu beeinflussen. Chaplins Filme waren in Nazi-Deutschland verboten. Man beschimpfte ihn als Juden, Chaplin tat bezeichnenderweise nichts dagegen, obwohl es nicht zutraf.

Chaplin lebte in einer Zeit, die schneller ablief als ein menschliches Leben. Aus dem Klamauk-Stummfilm wurde der anspruchsvolle Film, allerdings bewältigte er diesen Epochenwechsel besser als andere, aber auch nicht ohne Schaden. Er liess nicht locker. Dies belegt «A Countess from Hong Kong» mit Sophia Loren und Marlon Brando – ein eindrucksvolles Dokument mit erwartungsgemäss gemischten Kritiken.