Dokumentarfilm

Visions du Réel feiert Jubiläum mit Carte Blanche für Ehemalige

Sein neuster Film "Passion - Zwischen Revolte und Resignation" feiert am 50. Visions du Réel in Nyon Premiere: der Schweizer Regisseur Christian Labhart. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Sein neuster Film "Passion - Zwischen Revolte und Resignation" feiert am 50. Visions du Réel in Nyon Premiere: der Schweizer Regisseur Christian Labhart. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Das Dokfilmfestival Visions du Réel begeht im April (5.-13.4.) seine 50. Ausgabe - und feiert den runden Geburtstag mit einer Retrospektive, die von den vier ehemaligen Direktoren kuratiert wird.

Es sei ihr "natürlich und angemessen" erschienen, diejenigen einzuladen, die die Festivalgeschichte geschrieben hätten, lässt sich die künstlerische Direktorin Emilie Bujès in einer Medienmitteilung zitieren. Die gebürtige Französin und Wahlgenferin präsentierte am Montag in Nyon das Programm der Jubiläumsausgabe.

Für die Retrospektive, der Sektion "Cinquante", haben Moritz de Hadeln (1969 bis 1980), Erika de Hadeln (1980 bis 1993), Jean Perret (1995 bis 2010) sowie Luciano Barisone (2011 bis 2017) eine Carte Blanche erhalten. Programmiert wurden beispielsweise "The Present" von Robert Frank (1996) oder "The Times of Harvey Milk" von Rob Epstein aus dem Jahr 1994. Auch Folgen der Histoire(s) du cinéma von Jean-Luc Godard werden zu sehen sein.

Labhart im internationalen Wettbewerb

Für die 50. Ausgabe das Festivals hat Bujès, die das Vision du Réel im letzten Jahr erstmals leitete, 169 Film aus 58 Ländern ausgewählt, davon stammen 36 Werke aus der Schweiz oder sind von der Schweiz mitproduziert worden. Stolz ist das Festival auf eine weitere Zahl; 44 Prozent aller Filme wurden von Frauen gedreht.

Im Hauptwettbewerb, dem Rennen um den besten internationalen Langfilm, stehen 15 Werke. Christian Labhart ist mit "Passion - Zwischen Revolte und Resignation" der einzige Schweizer Kandidat. Um den Dokfilm war im Rahmen der 54. Solothurner Filmtage ein Disput entbrannt. Die Auswahlkommission der Filmtage hatte das Werk ablehnt, wogegen sich renommierte Filmkollegen Labharts wehrten.

Nun feiert "Passion", ein Film über die Widersprüche des heutigen Kapitalismus, in Nyon Premiere und darf sich erst noch Hoffnungen machen auf den mit 20'000 Franken dotierten Hauptpreis.

Weitere Kandidaten im internationalen Wettbewerb sind "Aether" der Filmemacherin Rûken Tekes über eine antike Stadt in der Türkei, die vom Bau eines Staudamm bedroht ist, oder die Reflexion über Identität, Raum und Erinnerung "Heimat is a Space in Time" von Thomas Heise.

Weitere Schweizer Filme in Nyon sind etwa "Le pays" von Lucien Monot über zwei junge Gastarbeiter in Genf, die sich entwurzelt fühlen, "Loulou" von Nathan Hofstetter, ein intimer Film über die psychische Erkrankung des Regisseurs selbst, oder Barbara Millers Erfolgsfilm "#Female Pleasure" über fünf Protagonistinnen, die für die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen kämpfen.

Eröffnung mit Bundesrat Berset

Traditionsgemäss wirft das Festival mit seinen Filmen Blicke in die entlegensten Ecken der Welt; das 50-jährige Bestehen werde "im Zeichen von Freiheit und Weltoffenheit, die das Festival seit seiner Gründung auszeichnen", gefeiert, schreibt die Direktorin weiter.

Einer, der seit Jahren mit seinen Filmen weit über den Tellerrand hinaus blickt, ist der deutsche Regie-Altmeister Werner Herzog. Der 76-Jährige erhält den Ehrenpreis und weilt drei Tage am Festival. Eröffnet wird die Jubiläumsausgabe am 5. April von Bundesrat Alain Berset.

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