Ein Rollschuhfahrer in einem weissen Hasenkostüm tanzt auf einem asphaltierten Parkplatz einer hässlichen Industriezone zur reduzierter Musik der Zürcher Band Blanket. Dieser Music-Clip «Hailey Fought The Law» des Filmers Piet Baumgartner hat den Wettbewerb an den Solothurner Filmtagen gewonnen.

«Eine Choreografie von kunstvoller Eleganz, hoch musikalisch und genau auf den sphärischen Song ausgerichtet. In einer Industriekulisse erreicht der Regisseur das, was im Hollywood-Musical unendlich aufwändiger hergestellt worden wäre: Eine Poetisierung des Wirklichen, einen Traum, scheinbar flüchtig und doch unvergesslich», begründet die Jury mit Rapper Gimma, dem Direktor der Suisa-Stiftung für Musik Urs Schnell sowie dem deutschen Clip-Spezialisten Daniel Klothenschulte ihren Entscheid.

«Die Krise der Music-Clips ist längst vorbei»

Der Sieg von «Hailey Fought The Law» ist verdient, aber nicht eindeutig. Die Jury nennt «Nauticus» (Lena Fenell) von Simon Ramseier, «Handmade Cloaks» (Honey For Petzi) von Julien Mercier und Jeremy Ayer sowie «Trolls» (Oy) von Ariane Natale. Alles hochkarätige Beiträge, die dem Sieger-Clip nahe kamen.

Urs Schnell rühmtdie «hohe Qualität» der 18 Wettbewerbs-Clips und Kothenschulte ist sogar «verblüfft über das Niveau» einer Szene, die er viel besser als jene in Deutschland einschätzt. «Die deutsche Videoszene sei «eingeschlafen».

Dabei sei der Music-Clip im Zeitalter von Youtube und iPhone wichtiger denn je. «Die Krise der Music-Clips ist längst vorbei», sagt Kothenschulte. Wer im Netz als Band auf sich aufmerksam machen will, tut dies über einen Clip. Die Schweizer Musiker haben das offenbar bemerkt und arbeiten «Hand in Hand» mit dem Potenzial der Filmbranche. Wenn die zwei Welten zueinanderfinden, kann gemäss Schnell ein Format von höherem künstlerischem Wert entstehen. Wie im Sieger-Clip.