Kino
Und die Geisterjägerinnen scheitern doch

Die vielen Nörgler liegen im Unrecht – doch der neue «Ghostbusters» enttäuscht trotzdem.

Lory Roebuck
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Vier Frauen auf Geisterjagd: Witzig, smart und mit dem Herz auf dem richtigen Fleck.

Vier Frauen auf Geisterjagd: Witzig, smart und mit dem Herz auf dem richtigen Fleck.

Hopper Stone, SMPSP

Eigentlich möchte man die Filmemacher in den Arm nehmen. Regisseur Paul Feig und seine Hauptdarstellerinnen können einem nämlich richtig leidtun. Schon Monate vor seiner Premiere wurde ihre «Ghostbusters»-Neuverfilmung im Internet mit Hasstiraden eingedeckt. Und zwar nicht nur von vereinzelten Netzbeschmutzern. Über 900 000 Nutzer klickten beim Trailer auf das Daumen-nach-unten-Symbol – kein anderer Film hat auf Youtube je so viele Dislikes gesammelt.

Dahinter steckt eine gigantische Front an erbosten «Ghostbusters»-Fans. Der Originalfilm von 1984 und seine Fortsetzung 1989 zeigten vier aberwitzige Kerle, die in New York Gespenster jagten. Fans hofften jahrzehntelang auf einen dritten Teil mit der Originalbesetzung um Bill Murray und Dan Aykroyd. Stattdessen müssen sie jetzt mit einem Remake vorliebnehmen, in dem ausgerechnet vier Frauen die Hauptrollen spielen. In den Augen vieler Fans ist das ein Sakrileg. «Ghostbusters», finden sie, sei reine Männersache. Also bombardierten sie das neue «Ghostbusters»-Quartett Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Leslie Jones und Kate McKinnon im Netz wochenlang mit sexistischen Unkenrufen der übelsten Sorte.

«Verrückte Menschen»

Eine Sauerei, die nun sogar im Film aufgegriffen wird. In einer Szene filmen die Geisterjägerinnen ihre erste gespenstische Begegnung. Doch im Internet machen sich alle über das Video lustig. «Ihr Schlampen könnt niemals Geister jagen», kommentiert da einer. «Wir sollten nicht lesen, was verrückte Menschen mitten in der Nacht online schreiben», flachst Wiigs Filmfigur. Eine smarte Szene, die spontan in den Film eingefügt wurde. Regisseur Paul Feig gilt in Hollywood als Spezialist für starke Frauenrollen. Seine Hit-Komödien «Bridesmaids», «The Heat» und «Spy» handeln von Frauen, die voller Makel sind, aber das Herz am richtigen Fleck haben. Feigs Heldinnen sind witzig, smart und befreit vom hollywoodschen Zwang zur Dauer-Sexyness. Genau wie nun seine vier Geisterjägerinnen. Das ist vorbildlich.

Die bittere Ironie: Nach dem Kinostart von «Ghostbusters» werden sich die zahlreichen Internet-Trolle trotzdem bestätigt fühlen. Denn Feigs Film ist eine Enttäuschung. Das liegt nicht daran, dass er vier Frauen gecastet hat. Sondern daran, dass er ihr beträchtliches komödiantisches Talent ins Leere laufen lässt. Feigs Humor – improvisiert, befreit, übertrieben, und gerade deshalb sonst so lustig – wirkt in diesem Film einfach nur müde. Die gelungenen Gags sind genau so rar wie die Fleischklösschen in McCarthys Nudelsuppe, über die sich ihre Filmfigur immer wieder beklagt. Wirklich lustig ist – ausgerechnet – einzig ein Mann, nämlich Superstar Chris Hemsworth. Der muskulöse «Thor»-Darsteller mimt den Sekretär der Geisterjägerinnen als dummes Blondchen in einer wunderbar subversiven Umkehrung von Geschlechterklischees.

Besänftigungsversuch

Aber die Girls? Bis die im Film mal was zu tun bekommen, dauert es ewig. Von Einfallsreichtum ist dann auch keine Spur. Das trifft vor allem auf den Oberschurken zu, der mit überdimensionierten Geistern New York City zerstören will – bloss, weil er keine Freunde hat. Natürlich läuft das am Schluss auf eine gigantische Special-Effects-Schlacht hinaus. Macht es dabei mehr Spass, für einmal Frauen zuzuschauen? Durchaus. Aber den Bilderteppich dazu kennen wir schon aus jedem anderen Sommer-Blockbuster, er ist verstaubt und ausgefranst. Schlimmer noch: Der filmische Balanceakt zwischen Neulancierung und Hommage misslingt. Der Film will nicht nur neue Fans gewinnen, sondern auch jene von gestern besänftigen. Doch nichts schadet dem Filmfluss mehr, als wenn alle paar Minuten ein Darsteller aus dem Original für einen Gastauftritt hinsteht. Es wirkt irgendwie verzweifelt, so als wollten Feig und Co. den Nörglern sagen: Schaut mal, sogar Bill Murray und Dan Aykroyd stehen voll hinter unserem Film.

All diese alten, vertrauten Gesichter machen es für den neuen «Ghostbusters» umso schwieriger, auf eigenen Füssen zu stehen. Und verleiten die Zuschauer eher dazu, den Originalfilm aus dem DVD-Regal zu holen. Der ist zwar schamlos frauenfeindlich. Erzählt aber immerhin eine spassige Story mit Darstellern auf der Höhe ihres Könnens.

Ghostbusters (USA 2016), 116 Min. Regie: Paul Feig. Ab 4. August im Kino.

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