Drama

«The Broken Circle» spielt zwischen Countrybühne und Krebsklinik

Didier und Elise liegen zusammen mit ihrer 6-jährigen Tochter Maybelle im Bett, doch der glückliche Schein trügt: Maybelle leidet unheilbar an Krebs.HO

Didier und Elise liegen zusammen mit ihrer 6-jährigen Tochter Maybelle im Bett, doch der glückliche Schein trügt: Maybelle leidet unheilbar an Krebs.HO

«The Broken Circle» erzählt von einer grossen, aussergewöhnlichen Liebe, die am Tod des gemeinsamen Kindes zerbricht.

Didier (Johan Heldenbergh) ist ein zotteliger Bluegrass-Musiker mit Tom-Waits-Anmutung. Er hat ein renovierungsbedürftiges Landgut und einen Campinganhänger auf dem Hof, in dem er lebt. Elise (Veerle Baetens) ist Tattoo-Künstlerin mit eigenem Studio, wunderschön und dabei stark und unglaublich verletzlich zugleich. Die beiden ungleichen Menschen verlieben sich auf den ersten Blick und erleben eine Zeit voller Glück und grosser Leidenschaft.

(Quelle: youtube/FILMFRAGE)

Trailer zu «The Broken Circle»

Als Elise schwanger wird, bekommt dieses Glück die ersten Risse. Denn Didier ist zwar ein hoffnungsloser Romantiker, zugleich aber auch erbarmungsloser Realist. «Ich will nicht über das Leben anderer entscheiden», ist seine erste Reaktion, als Elise ihm von der Schwangerschaft erzählt. Und dann müssen Elise und Didier plötzlich über das Leben ihrer 6-jährigen Tochter Maybelle (Nell Cattrysse) entscheiden. Denn Maybelle hat Krebs, weder Chemotherapie noch Stammzellenbehandlung können etwas dagegen ausrichten.

Didier kanalisiert seinen Schmerz in den Hass gegen Religion und die konservative Politik von George Bush, die die embryonale Stammzellenforschung blockiert. Elise flüchtet sich in eine diffuse Religiosität, bei der sie glauben will, Maybelle sei ein Stern am Himmel oder der Rabe vor ihrem Fenster. Gemeinsam schaffen Didier und Elise es nicht, ihre Trauer zu bewältigen. Stattdessen zieht sich jeder in sich zurück, macht dem anderen Vorwürfe.

Musik spielt eine zentrale Rolle

Der Belgier Felix Van Groeningen («Die Beschissenheit der Dinge») wählt nicht eine chronologische Erzählstruktur, sondern Rückblicke, Erinnerungen, Auslassungen – und den Bluegrass, die amerikanische Countrymusik. Didier und Elise spielen beide in der Band, die ihnen Halt gibt. Sie begleitet sie in ihrem Leben, und jedes Mal, wenn sie zusammen auf der Bühne stehen, ist die Musik Ausdruck ihrer Gefühle. Auch das macht den Film so intensiv, manche mögen es sentimental nennen.

Doch Van Groeningen schafft stets eine souveräne Balance zwischen den grossen Gefühlen, Alltagskomik und den bedeutungsschweren Bildern für Liebe, Verlust und Trauer. Anders liesse sich diese Emotionalität auch gar nicht ertragen.

Der Regisseur lässt seine liebenswerten Charaktere sehr lebendig werden, ihr Glück erfahren, ihre Verzweiflung schmerzlich spüren. «Es war zu schön, aber das Leben ist nicht so grosszügig», sagt Elise, als das desaströse Ende schon unausweichlich ist. Ein Satz, der für den ganzen Film steht und das Wechselspiel zwischen unglaublichem Glück und grösstem Schmerz beschreibt, ein Wechselspiel, dessen emotionale Kraft für den Zuschauer kaum zu ertragen ist.

Und dennoch gelingt es Van Groeningen, dem zerstörerischen Schluss etwas Tröstliches zu verleihen. Ein Film, der lange nachwirkt – und der an der diesjährigen Berlinale bereits mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

The Broken Circle Belgien 2012, 100 Min. Regie: Felix Van Groeningen

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