Der Westschweizer Autor Jean-Stéphane Bron («Cleveland versus Wall Street») wurde für Hollywood-Verhältnisse ungewöhnlich schlecht bezahlt, wie er sagte. Lange Zeit war zudem offen, ob das US-Remake je produziert werden würde. Nun ist der Streifen da – und geizt nicht mit Vulgaritäten und sexuellen Verrenkungen.

Zu viel des Unlustigen

Das witzig-berührende Drehbuch für die Oldie-Komödie «The Bucket List» (mit Jack Nicholson und Morgan Freeman verfilmt) geht auf Zackhams Konto. Auch die Geschichte hinter «The Big Wedding» wäre gar nicht mal schlecht: Der von Ellie Griffin (Diane Keaton) und Don (Robert De Niro) aus Kolumbien adoptierte Sohn Alejandro (Ben Barnes) will heiraten. Dessen leibliche, streng katholische Mutter Madonna (Patricia Rae) fliegt zu der Feier ein. Sie darf nicht erfahren, dass die Adoptiveltern schon lange geschieden sind. Rons Freundin Bebe wird ausquartiert, die Ex-Eheleute müssen eine heile Welt vorgaukeln.

(Quelle: youtube/vipmagazin)

Der Trailer zum Film «The Big Wedding»

Das ist nur der Anfang vom unlustigen Ende. Zum Griffin-Clan gehören auch noch die schwangere Lyla (Katherine Heigl) und ihr prüder, jungfräulicher Bruder Jared (Topher Grace). Erst als die aus Kolumbien mitgereiste Schwester seines Adoptivbruders Alejandro heimlich unter der Tischdecke Hand anlegt, lodert bei ihm die Lust auf.

Doch da hat man als Zuschauer längst genug. Auch Braut Missy (Amanda Seyfried) hat wenig zu lachen. Wenn das Chaos am Höhepunkt angelangt ist, setzt «The Big Wedding» immer noch eine Peinlichkeit drauf.

Kein Vergleich mit Konsorten

Hochzeiten mit Katastrophen und einem Kulturclash können geistreicher Stoff sein. Das bewies Oscar-Preisträger Ang Lee vor 20 Jahren mit «The Wedding Banquet». Darin geht ein in Amerika lebender Schwuler aus Taiwan eine Scheinehe ein, um seinen Eltern eine Hetero-Existenz vorzuspielen.

Nia Vardalos landete mit ihrem Film «My Big Fat Greek Wedding» um eine griechisch-amerikanische Hochzeit einen Kinoerfolg. Auch «Bride Wars « mit Anne Hathaway und Kate Hudson rechnet mit dem angeblich schönsten Tag im Leben witzig ab.

Regisseur Justin Zackham kann man lediglich die Verpflichtung von Top-Schauspielern zugutehalten. Zwar hat auch «The Big Wedding» lustige Momente, mit Robin Williams als Pater im Beichtstuhl, wenn Sarandon und Keaton über Männer herziehen und der ergraute De Niro sich als Schürzenjäger ins Zeug legt.

Doch die Anstrengungen der Hollywood-Oldies können die belanglose Klamotte mit ihren faden Dialogen und abgedroschenen Witzen nicht retten. Zeitlich hält sich die Hochzeit zum Glück im Rahmen: Nach eineinhalb Stunden dürfen die «Big Wedding»-Gäste gehen.

The Big Wedding USA 2013, 89 Min. Regie: Justin Zackham. Mit Robert De Niro, Amanda Seyfried, Katherine Heigl, Robin Williams, Topher Grace, Susan Sarandon, Diane Keaton u.a.MMIII