Spring Breakers

Spring Break ist, wenn brave Mädchen böse werden

Trailer zum Film «Spring Breakers» mit Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benson und James Franco

Trailer zum Film «Spring Breakers» mit Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benson und James Franco

Die Semesterferien im Frühling (Spring Break) sind für US-Studierende traditionell ein grosser Party-Exzess. Die Protagonistinnen in Harmony Korines «Spring Breakers» geraten in Florida allerdings in einen Strudel aus Gewalt und Verzweiflung.

Korine, der 1995 durch das Drehbuch zum radikalen Kultfilm «Kids» auf sich aufmerksam machte, hat dieses Mal Darstellerinnen wie Selena Gomez – die Ex-Freundin von Popstar Justin Bieber – und Vanessa Hudgens entgegen ihrem bisherigen, braven Image besetzt und schickt sie auf einen rauschhaften Trip. In einer tragenden Rolle zu sehen ist zudem Hollywood-Star James Franco.

Partys, Alkohol und Drogen

Bevor sich die College-Girls Faith (Gomez), Candy (Hudgens), Brit (Ashley Benson) und Cotty (Korines Ehefrau Rachel) auf nach Florida machen, müssen sie an Geld kommen. In einer von Korine beeindruckend inszenierten Bilderfolge rauben sie daher ein Schnellrestaurant aus. Nun steht dem Spass nichts mehr im Wege. In St. Petersburg, Florida, tauchen die Studentinnen in einen farbprächtigen Wahnsinn ein aus Partys, Alkohol und Drogen – um sich recht schnell in einer Gefängniszelle wiederzufinden.

Gerade scheint sie vorbei, die grosse Sause, da werden sie von Alien (Franco) aus dem Knast geholt, einem zwielichtigen, dabei höchst charismatischen Gangster, der sich zudem als Rapper verdingt. Alien, der ein gleichsam erotisches Verhältnis zu Waffen pflegt, zieht die unbedarften Studentinnen in seinen Bann.

Erschreckende Todeslust

Schon in der ersten, unglaublich grellen, von peitschender Musik vorangetriebenen Sequenz zeigt uns Korine entblösste und enthemmte Körper an Floridas Stränden. Wenn die Kamera den Frauen direkt in den Schritt filmt, liegt der Sexismus-Verdacht nicht fern.

«Spring Breakers» aber ist vielmehr ein überzeichnetes, klug inszeniertes Spiel mit dem Voyeurismus des Kinozuschauers. Korines offensichtliche Freude an Farbfiltern und Unschärfen, Licht und Stimmungen, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass «Spring Breakers» mehr ist als eine Feier der Oberflächen.

Ähnlich wie unlängst Steven Soderbergh mit «Magic Mike» blickt Korine auch in die Abgründe des Party-Staates Florida – der hier wohl auch stellvertretend steht für ein von Geld und Waffen ebenso wie von Sex besessenes Amerika.

«Hier geht es um mehr als die Semesterferien», lässt Korine gleich zu Beginn eine der vier Hauptdarstellerinnen sagen: Faith, Brit, Candy und Cotty suchen in Florida nicht nur nach Freiheit und Spass; der grössere Teil des Quartetts scheint auch von einer erschreckenden Todeslust erfüllt.

Zwischen Kunst und Mainstream

Der von James Franco als Karikatur eines Gangsters angelegte Alien wiederum ist rührend in seiner zuweilen erkennbaren Anlehnungsbedürftigkeit. «Spring Breakers» ist ein surrealer, traumgleicher Trip. Vor parodistischen, höchst skurrilen Augenblicken schreckt Regisseur Korine nicht zurück. Etwa, wenn er Franco, an einem weissen Flügel sitzend, einen Song von Britney Spears singen lässt, während die Protagonistinnen mit rosa Skimasken um ihn herumtänzeln.

So fragwürdig und schreiend bunt Korines Mittel bisweilen auch sind, der 40-Jährige versteht sich auf ein rauschhaft radikales Kino zwischen Kunst und Mainstream. Mit einfachen Kategorisierungen jedenfalls ist seinen «Spring Breakers» nicht beizukommen.

Spring Breakers USA 2012, 92 Min. Regie: Harmony Korine MMMII

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