Des Rätsels Lösung: Es handelte sich um eine Wiederholung der Sendung «Kulturplatz» des Schweizer Fernsehens. Moderatorin Nina Mavis Brunner führte Zuschauer in das «Reich der Sexualität», weil Sexualität das Leben und folglich auch die Kultur präge. Brunner sitzt in einem Sexkino in Zürich, im Hintergrund wird gestöhnt, während sie den ersten Beitrag zum Kurzfilmdebüt «Traumfrau» des Schweizer Regisseurs Oliver Schwarz ankündigt. Der Beitrag endet mit dem Satz, ob andere Filme zum Thema Sexualität an der Berlinale auch so «befriedigend» ausfallen, wie das Schweizer Werk. Die Sprache ist also dem Thema der Sendung angepasst. Beim Schweizer «Pornokönig» Edi Stöckli bedankt sich Moderatorin Brunner für den «Gesprächs-Quicki.»

Die Sendung thematisierte also die Geschichte und Entwicklung des Sexfilms- und Kinos in der Schweiz, warf einen Blick auf aktuelle Filme zum Thema Sexualität und widmete einen Beitrag dem Sex in der islamischen Welt aufgrund eines neuen Buchs. Doch was am Mittwoch Abend um 22.20 Uhr für ein kulturinteressiertes Publikum durchaus interessant ist, wirkt morgens um zehn eher befremdlich. Nicht so für das Schweizer Fernsehen. Es hält fest, dass SRF Info von einem Publikum genutzt werde, das sich Sendungen gezielt abhole. Die Sendung Kulturplatz erreiche den überwiegenden Teil ihres Publikums bei der Erstausstrahlung, so die Medienstelle. Die Redaktion Kulturplatz hält überdies fest, «dass nackte Haut nur in sehr kurz geschnittenen Bildern mit viel Unschärfe vorkam und keine Geschlechtsakte zu sehen waren.»

Als «oversexed und underfucked» bezeichnete Moderatorin Brunner unsere Gesellschaft in der Sendung. Sie hatte offensichtlich recht: Beim Schweizer Fernsehen gingen keinerlei Reaktionen ein. (nch)