Film

Siebzehn, kompliziert und käuflich

Sie ist der neue Liebling des deutschen Feuilletons, und ihre Schönheit ist hymnische Huldigungen wert. Die Rede ist von Martine Vacth, einem französischen Model, das gerade in einem Film Furore als französische Lolita macht.

Es schient, als habe der französische Regisseur François Ozon ein neues Talent entdeckt hat. Seit den Filmfestspielen 2013 in Cannes durch die Filmwelt, wo Ozon seinen jüngstes Film «Jung & Schön» präsentierte. Hauptperson im 95 Minuten-Film: Martine Vacth (23) getragen. Sie spielt eine 17-jährige Schülerin aus gutbürgerlichem Haus, die sich in ihrer Freizeit mit älteren Männern trifft, um sich das Taschengeld aufzubessern. Die zweite Identität fliegt natürlich auf, der Ärger, die Wut und Enttäuschung seitens der Mutter ist gross.

Marine Vacth wurde in 1990 in Lyon, Frankreich geboren. Ihr Schmollmund und der verklärte Blick liessen sie bald als Model arbeiten - nicht ganz ohne Widerstand ihrer Familie. Der Legende nach soll ihr Vater ausgeflippt sein, als er die ersten Modelfotos seiner jungen Tochter sah. Er verklagte das Magazin und schenkte Martine vom Erlös einen ersten Computer.

Das hinderte Martine nicht, dennoch eines der gut gebuchtesten Models der Welt zu werden. Sie löste 2011 Kate Moss als Gesicht der Kampagne für das Parfum «Parisienne» von YSL ab. Danach spielte sie in kleineren Filmen mit.

Gemeinsamkeit des käuflichen Körpers

Model und Schauspielerin: Martine Vacth sagt in Interviews, die Gemeinsamkeit beider Beruf liege darin, dass man seinen Körper als Werkzeug benutzt: «Eine Gemeinsamkeit ist, dass man seinen Körper in einer gewissen Weise verkauft, wobei das ja letztlich für viele Berufe gilt, dass wir unseren Körper einsetzen und damit verkaufen. Aber ob man vor einem Fotoapparat oder vor einer Filmkamera steht, stellt einen vor unterschiedliche Aufgaben, man nutzt den Körper auf unterschiedliche Weise, um andere Dinge zu erzählen. Als Model verkauft man Kleider, als Schauspielerin eine Geschichte, und das erfordert wesentlich mehr Einsatz. Und man hat im Film auch nicht nur den Körper zur Verfügung, sondern auch die eigene Stimme, das ist vielleicht der wichtigste Unterschied.»

Im Film von Ozon nun spielt sie eine sehr freizügige Rolle. Sie kommt nicht von selbst auf die Idee, sich zu prostituieren, sie wird vor der Schule von einem fremden Mann angesprochen, ob sie für Geld mit ihm schlafen würde. Auf die Frage, ob Vacths filmisches Alter ego die Frage nicht als Übergriff, liefert Martine eine erstaunliche Antwort: «Ich weiss nicht genau, vielleicht ist so etwas in mediterranen Ländern wie Frankreich oder Italien tatsächlich noch akzeptierter, und kommt daher auch im französischen Kino eher vor. Ich muss gestehen, mich hat diese Szene nicht speziell überrascht, vielleicht, weil ich Französin bin. Mir sind solche Situationen schon passiert, und ich höre so etwas immer wieder von Freundinnen. Es ist nichts Aussergewöhnliches, dass ein Mann ein junges Mädchen auf der Strasse nach Sex fragt. Klar, gutes Benehmen ist das nicht. Leider ist das immer noch so sehr Teil der französischen Kultur: Ja, er betrachtet sie potenziell als käuflich. Aber solche Unverschämtheiten sind völlig normal in Paris», sagt sie in den Salzburger Nachrichten. Die nachdenklichen Antworten Vacths zeugen von hintergründiger Kultur, die nur besitzt, wer Nabokovs Roman «Lolita» eben nicht gelesen hat. (cls)

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