Es ist ein typischer Harry-Potter-Tag: ich renne von einem Set zum anderen», schmunzelt Regisseur David Yates, dem man keine Spur von Stress ansieht, obwohl gerade diverse Szenen gleichzeitig laufen. «Auf dem einen Set vergrössern wir den Schauspieler Robbie Coltrane von seiner Naturgrösse von 1,70m auf 2,60m, die er als Hagrid misst. Zudem nehmen wir die Leiche von Bathilda Bagshot auf und auf einer dritten Soundstage filmen wir die Opfer der Schlacht um Hogwarts.» Yates hat im Latex-Atelier gerade Totenmasken begutachtet und legt nun eine Tee-Pause in der Ministry of Magic ein, einem der grössten Sets in den Leavesden Studios, die eine Stunde ausserhalb Londons liegen und seit zehn Jahren Harry Potter und seine Welt beherbergen.

«Harry Potter und die Heiligtümer des Todes» - Der Trailer zum Film

«Harry Potter und die Heiligtümer des Todes» - Der -Trailer zum Film

Der Showdown mit Voldemort naht mit «Harry Potter und die Heiligtümer des Todes» dem unausweichlichen Ende: Die Leichen häufen sich. Der Tag ist insofern untypisch, als dass neben all den Teilelementen keine grosse Szene gedreht wird. Daniel Radcliffe alias Harry Potter, der für eine Unterwasserszene hier sein sollte, ist krank. Er habe einen Brech-Virus. «Es war wirklich für alle besser, dass ich zu Hause blieb», versichert Radcliffe, voll genesen, nach Abschluss der Dreharbeiten.

«Ich war aufgewühlt und heulte»

Das 736 Seiten starke, siebte und letzte Buch in der Potter-Serie von J.K. Rowling wurde an einem Stück in 260 Tagen verfilmt, aber kommt in zwei Teilen in die Kinos. Das wäre dann der dritte und vierte Potter-Film des Engländers David Yates, der vor «Harry Potter und der Orden des Phönix» (2007) keine Erfahrung mit Hollywood-Grossproduktionen und Spezialeffekten hatte. «Mein erster Film hatte eine gewisse Angespanntheit, aber inzwischen habe ich alles etwas lockerer im Griff», evaluiert Yates seinen Potter-Werdegang nach «Halbblutprinz» (2009) bis zum Finale, das im Sommer 2011 in die Kinos kommt. Teil1 spielt ausserhalb der Zauberwelt von Hogwarts. Der zweite Teil beinhaltet dann die grossen Schlachten und wird die Sage von Harry, Hermione und Ron wie eine grosse Oper zu Ende bringen. «Der letzte Drehtag war emotional», sagte Daniel Radcliffe, nachdem die allerletzte Potter-Klappe gefallen war. «Ich war aufgewühlt und heulte. Wir heulten alle – sogar Rupert Grint («Ron»), den ich nun wirklich noch nie in Tränen gesehen habe!»

Als Erinnerung an seine Jugend auf dem Potter-Set hat der mittlerweile 21-jährige Radcliffe die Potter-Brille und die Armprothese aus «Kammer des Schreckens» sowie eine Menge Berufserfahrung mit nach Hause genommen. Die will er 2011 am Broadway im Musical «How to Succeed in Business Without Really Trying» unter Beweis stellen. «Entweder lass ich mich nun von dem Ungewissen, das nun kommt, einschüchtern, oder ich freue mich darauf. Ich habe mich entschlossen, mich darauf zu freuen.»

Stuntman an Rollstuhl gefesselt

Rückblende zum Set. Robbie Coltrane ist in Hagrid-Montur bereit für seinen Motion-Capture-Auftritt: «Theoretisch bin ich mit sieben Leuten im Raum, die verzaubert wurden und nun alle aussehen wie Harry, und ich muss auf sie reagieren», erklärt Coltrane. Statt sieben Harrys steht er einem Computerteam gegenüber, das die Bewegungen der Einzelaufnahmen choreografiert. «Manchmal ist die Technik ein Fluch», sagt Coltrane. «Ich arbeite einen ganzen Monat vor dem Green Screen ohne einen wirklichen Co-Star.»

Die Schattenseiten des Traumjobs, bei «Harry Potter» mitzuwirken – es gibt sie. Zu Beginn der Dreharbeiten 2009 verletzte sich Radcliffes Stuntman David Holmes so unglücklich, dass er nun an den Rollstuhl gefesselt ist. «Das war ein tragischer Unfall», bedauert Produzent David Barron. «Es war ein Stunt, den er schon fünfhundertmal gemacht hat. Niemand weiss, warum er dieses eine Mal schiefging.»

Teil 1 von «Harry Potter und die Heiligtümer des Todes» kommt am 18. November in die Schweizer Kinos.