«Das Leben, das Sie verschonen, könnte meins sein», sagte James Dean im Werbespot für vorsichtiges Fahren. 14 Tage später tat er genau das Gegenteil – und schuf eine Legende. Morgen jährt sich sein Tod zum 60. Mal.

Legenden müssen früh sterben. Sonst würde Marilyn Monroe vielleicht heute übergewichtig die Öffentlichkeit mit Details ihrer neunten Ehe nerven, Che Guevara wäre ein glatzköpfiger Hardliner in der Parteiführung in Havanna, John F. Kennedy hätte als Rentner schon wieder eine Sexklage am Hals und Kurt Cobain wäre womöglich belächeltes Jurymitglied einer Castingshow. Und James Dean? Auch er wird aufgrund seines frühen Todes immer jung, rebellisch, attraktiv sein.

Der Junge von der Farm wollte immer Schauspieler werden. Doch die meiste Zeit seines Darstellerlebens war er nicht Star, sondern Statist. Seine erste Rolle hatte er mit 19, in einem Pepsi-Werbespot. Text: keiner. In Western und Kriegsfilmen lief er durchs Bild, doch er wurde zumeist nicht einmal im Abspann erwähnt.

Zweifelnd und verzweifelt

Erst Elia Kazans Film «East of Eden» änderte alles. Dean sah nicht nur gut aus, er war auch der zweifelnde, verzweifelte junge Mann, der nach Sinn suchte und mit der Umwelt, die er vorfand, nicht klar kam. Der Junge hatte doch alles – und war trotzdem nicht glücklich. Genau damit traf er den Nerv der Jugend in der Zeit nach dem Krieg und vor John F. Kennedy.

«Er ist eine Ikone des 20. Jahrhunderts», sagt sein Nachlassverwalter Mark Roesler. «Dean hat seiner Generation aus der Seele gesprochen und mit einem Blick mehr gesagt als andere in ganzen Filmen.» Roesler räumt ein, dass nichts Zufall war. Dean habe sein Image sorgfältig choreografiert. «Und damit ist er bis heute erfolgreich.»

Ständiges Auf und Ab

James Deans Leben war ein ständiges Auf und Ab. Nach Erfolgen kamen Niederlagen, nach Exzessen Depressionen, nach Freudentaumeln Schlägereien. Im Film « . . . denn sie wissen nicht, was sie tun» (Rebel Without a Cause) von Nicholas Ray war er wieder ein Aussenseiter. Die Mutprobe, in der er und sein Kontrahent in gestohlenen Autos auf eine Klippe zurasen, schrieb Filmgeschichte.

Ach ja, Autos. Dean liebte PS, seit er zum 16. Geburtstag ein Motorrad geschenkt bekommen hatte. Er fuhr Autorennen und kaufte einen Sportwagen nach dem anderen. Als er seinen Porsche 550 Spyder – drei Tage alt, aufgesprayt der Name «Little Bastard» – dem Schauspieler Alec Guinness zeigte, sagte der nach eigenen Angaben: «Fahren Sie den nicht! Ansonsten sind Sie innerhalb einer Woche tot.»

Zwei Filme erschienen postum

Genau sieben Tage später war Dean mit einem Automechaniker, dem Deutschen Rolf Wütherich, in Kalifornien in seinem Porsche auf einer als «Raserallee» bekannten Strasse unterwegs. Gerade hatte er wegen zu schnellen Fahrens einen Strafzettel bekommen, doch das bremste den 24-Jährigen nicht. Als ihm ein Ford die Vorfahrt nahm, konnte er bei fast 140 Kilometern in der Stunde nicht mehr ausweichen und bretterte in das andere Auto.

Wütherich wurde aus dem Wagen geschleudert und lag schwer verletzt neben dem Wrack des Porsche. Dean sass noch drin. Er lebte noch. Beide Männer wurden ins Spital gebracht, bei der Ankunft wurde Dean für tot erklärt. Wütherich überlebte irgendwie. Er starb 1981 in Baden-Württemberg – bei einem Autounfall.

«Dean ist so lebendig wie eh und je», versichert Roesler. «Es gibt kein College, in dem nicht mindestens ein Poster von ihm hängt, und er lässt sich nach wie vor prächtig vermarkten. Er ist Hollywood! Und so lange sich die Menschen an Hollywood erinnern, werden sie sich an James Dean erinnern.»

Dabei sind zwei seiner drei Filme, in denen er die Hauptrolle spielte, erst nach seinem Tod auf den Markt gekommen: «Rebel Without a Cause» und «Giant» von George Stevens. Und der Fernsehspot, den James Dean zwei Wochen vor dem Unfall aufgenommen hatte. Darin mahnt er zu vorsichtigem Fahren. (sda)