«Ocean’s 8»

Sandra Bullock: «Mir ist ganz recht, wenn ich ignoriert werde»

Sandra Bullock: «Wer die gleiche Arbeit macht, muss gleich viel Geld verdienen.»Dukas

Sandra Bullock: «Wer die gleiche Arbeit macht, muss gleich viel Geld verdienen.»Dukas

Sandra Bullock geht in ihrem neuen Film auf Diebestour. Mit sieben Frauen plant sie in der Kriminalkomödie «Ocean’s 8» einen Diamantenraub. Sie erklärt, wie es dazu kam und warum sie lieber Baseball spielt als Schmuck trägt.

Wenn acht Frauen zusammen einen Diebstahl begehen, nennt man das in Hollywood Fortschritt: Nach Frank Sinatra und George Clooney, die ihr Rat Pack in der Langfinger-Komödie «Ocean’s 11» 1960 beziehungsweise 2001 angeführt haben, übernimmt nun Sandra Bullock (53) die Planung eines komplexen Raubüberfalls. Sie heuert dazu ausschliesslich Frauen an. Konzipiert bevor die #MeToo- und #Times-Up-Bewegung Hollywood erfasste, ist «Ocean’s 8» der Test 2018 für frauenzentrische Sommer-Blockbuster. Von diesem Druck lässt sich Sandra Bullock, die mindestens so gern Häuser renoviert wie Filme dreht, im Gespräch jedoch nichts anmerken. Zumindest anfänglich.

Sandra Bullock, Sie führen in «Ocean’s 8» eine Gruppe von Frauen bei einem ausgeklügelten Juwelen-Diebstahl an. Sind Sie eine gute Team-Leaderin?

Sandra Bullock: Ich denke schon. Und auch fair. Ich stelle beim Produzieren wie beim Renovieren meiner Immobilien eine Gruppe von Spezialisten zusammen und trete dann in den Hintergrund. Wie Debbie Ocean im Film. So bekomme ich zwar weniger Szenen mit Lachern, aber deswegen fällt mir kein Zacken aus der Krone.

Nicht eine Krone, sondern ein 150-Millionen-Dollar-Diamant-Collier wird im Film gestohlen. Würden Sie sich gerne auch mal mit so was schmücken?

Klar ziehen mich Klunker an, wenn sie so durch einen Raum glitzern, aber ich trage nicht viel Schmuck, denn ich würde ihn sicher verlieren. Bei gekrönten Häuptern machen Diamanten mehr Sinn. Ich habe zwei Kinder, und wir sind viel draussen. Wer trägt beim Baseballspielen schon Diamanten? Ich lege mein Geld lieber in Immobilien an.

Sie spielen Debbie Ocean, die Schwester von Danny Ocean, der in der Männer-Version von George Clooney verkörpert wurde. Haben Sie sich über die Ocean-Familie ausgetauscht?

Er hat mich nur an einer Party gefragt, ob ich den Film mache, und fand es gut, als ich bejahte. Da lebte der Produzent Jerry Weintraub noch. Jerry konnte einen ja zu allem überreden – er konnte den Leuten sogar ihr eigenes Auto verkaufen. Georges Rat-Pack-Drehspass-Atmosphäre ist uns weniger geglückt: Wir hatten keine Bar am Set und waren auch nicht in Las Vegas. Aber mir war wichtiger, dass wir Frauen uns wirklich unterstützen, dass man den weiblichen Teamgeist spürt, denn das sieht man in Filmen eher selten.

Vor zwei Jahren kam «Ghostbusters» als Reboot mit Frauen-Besetzung ins Kino. Mit wenig Erfolg. Macht Sie das für «Ocean’s 8» ein bisschen nervös?

Man ist bei jedem Film nervös, aber insbesondere Frauen spüren den Druck. Wenn ein Film mit Frauen die Erwartungen nicht erfüllt, ist es schwierig, sich wieder nach oben zu kämpfen – oder überhaupt einen Job zu bekommen. Floppen Filme mit Männern, machen sie noch ein Sequel obendrauf. Frauen gesteht man das nicht zu. «Ghostbusters» hatte fünf der besten Komikerinnen, die es zurzeit gibt. Aber sie machen allein noch keinen Film. Sie hatten offenbar die Kontrolle nicht über den Film.

Da Frauen in der Regel in der Gesellschaft unsichtbar seien und ignoriert würden, seien sie besonders für einen Überfall geeignet, wird in «Ocean’s 8» argumentiert . . .

Ich habe den Drehbuchautor und Regisseur Gary Ross lange genervt, er soll dieses Sentiment irgendwo reinschreiben, und schliesslich tat er es. Als Frau ist es mir persönlich eigentlich ganz recht, wenn ich ignoriert werde. Ich falle nicht gern auf, und wenn ich rausgehe, möchte ich, dass man mich in Ruhe lässt. Aber beruflich ignoriert zu werden, ist schon sehr entmutigend. Fast alle Frauen in «Ocean’s 8» können diesbezüglich eine Geschichte erzählen. Ich habe sehr spät in meiner Karriere gemerkt, dass gewisse Dinge einfach passierten, weil ich eine Frau bin. Vielleicht fiel mir das nicht auf, weil ich etwas anders aufgewachsen bin.

Inwiefern?

Meine deutsche Mutter hat mich erzogen, als gäbe es keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Sie sagte, ich müsse nicht heiraten, um mich abzusichern, ich könne mein eigenes Geld verdienen. Zudem war ich ein jungenhaftes Mädchen, das vieles mit Humor abschmetterte. Ich realisierte gar nicht, wie viel nicht okay war.

Das soll sich jetzt mit der #TimesUp-Bewegung ändern. Welche Erwartungen haben Sie?

Ich hoffe auf Beschleunigung und dass wir in ein, zwei Jahren eine Basis haben, dass alle gleich behandelt werden. Nicht nur in Hollywood. Man redet über Hollywood, weil sich das in den Medien verkauft. Aber im Restaurant- und im Hotel-Business, im Silicon Valley ist es nicht anders. Dabei sind wir alle Menschen: ob Frauen oder Männer, weiss oder schwarz, behindert oder etwas anderes als heterosexuell – wer die gleiche Arbeit macht, muss gleich viel Geld verdienen. Dass wir noch darüber diskutieren müssen, schockiert mich.

Hollywood macht derzeit eine Reinigungswelle durch. Glauben Sie, dass auch Vergebung und Comebacks von Missbrauch-Tätern möglich sein werden?

Ich weiss es nicht. Wir werden sehen.

Themenwechsel: Sie sprechen in «Ocean’s 8» Deutsch, die Sprache Ihrer verstorbenen Mutter. Werden Sie die Fussball-WM als Deutschland-Fan verfolgen?

Haha, klar. Go Germany! Mein Schwager ist ein grosser Fussball-Fan. Ich glaube, da werde ich schon etwas vom einen oder andere Spiel mitbekommen.

Würde es Sie reizen, mal einen deutschen Film zu drehen?

Wenn das Material stimmt, wieso nicht? Ich wäre gern in «Lola rennt» gewesen. Das war ein Super-Film. Man hat mich auch schon angefragt, aber es passte nicht. Aber ich suche nicht wirklich Arbeit. Ich habe schon öfters gedacht, ich hätte meinen letzten Film gedreht. Aber dann passiert immer etwas Besonderes, Unerwartetes. Jetzt will ich jedoch zuerst den Sommer mit den Kindern geniessen und Erinnerungen kreieren. Was dann im Herbst ist, sehen wir noch.

Sie haben zwei Kinder adoptiert. Wie haben Sie sich als Mutter neu kennen gelernt?

Ich habe gemerkt, wie ungeduldig ich eigentlich bin. Und wie gut ich im Nein-Sagen geworden bin. Aber ich versuche nun, das etwas loszulassen und etwas mehr die Fun-Mom zu sein als die alles verbietende Mutter. Ich weiss ja, dass ich anständige Kinder habe und mir nicht so viele Sorgen um alles und jedes machen muss. Das Leben ist dafür doch zu kurz.

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