Eigentlich erstaunlich, dass es bislang noch keinen Film über schwule Fussballer gegeben hat. Das Thema ist brisant wie nie. Denken wir nur an die nächsten beiden Fussballweltmeisterschaften: Diesen Sommer in Russland, wo Homosexuelle offen diskriminiert werden, 2022 in Katar, wo dafür Gefängnisstrafen und Peitschenhiebe anstehen. Der deutsche Thomas Hitzelsperger ist bislang der einzige bekannte Fussballprofi, der sich geoutet hat.

Vor fünf Jahren lancierte er damit zwar eine Diskussion, doch kein anderer Spieler folgte seinem Beispiel. Homosexualität ist beim Fussball nach wie vor ein Tabuthema. Warum das wohl so ist, zeigt nun der Schweizer Spielfilm «Mario». Er handelt von den beiden Fussballtalenten Mario (Max Hubacher) und Leon (Aaron Altaras), die in der Nachwuchsmannschaft der Berner Young Boys kicken. Sie verlieben sich ineinander, doch als das auffliegt, verschlechtern sich ihre Aussichten auf den Sprung in die Profimannschaft drastisch.

Regisseur und Drehbuchautor Marcel Gisler («F. est un salaud», «Electroboy») gilt als Spezialist für Schwulenfilme. In «Mario» offenbart er einerseits die homophobe Machokultur, die in den Garderoben herrscht. So dulden die Mitspieler von Mario und Leon männlichen Körperkontakt nur beim Zweikampf oder beim Torjubel auf dem Spielfeld.

Andererseits blickt Gisler hinter die Fassade des Fussballgeschäfts, wo er die grossen Geldsummen, die darin stecken, als Teil des Problems entlarvt. Sponsoren drohen abzuspringen, denn fällt ein Fussballer aus der Norm, ist er nicht mehr vermarktbar – ungeachtet seines Talents. Die Leidtragenden sind Mario und Leon. Sie müssen sich entscheiden zwischen Liebe und Karriere.

Gislers Darstellerduo überzeugt, vor allem Max Hubacher besticht mit gewohnter Intensität. Dass «Mario» trotzdem kein Volltreffer ist, hat zwei Gründe: Zwischen der ersten Annäherung und dem Larger-than-life-Schluss fehlen die überraschenden Momente; und in den Liebesszenen zwischen Mario und Leon fehlt das Feuer. «Mario» ist ein engagierter Film, zweifellos. Was am Ende aber in Erinnerung bleibt, sind nicht die Szenen, sondern das Thema.

Mario (CH 2018) 119 Min. Regie: Marcel Gisler. Ab heute im Kino. HHHII