Krimiserie

Reto Stalder über «Bestatter»-Erfolg: «Mike Müller ist das Zugpferd»

«Nicht nur Trauerort»: Reto Stalder spaziert gerne auf Friedhöfen.

«Nicht nur Trauerort»: Reto Stalder spaziert gerne auf Friedhöfen.

Am Berchtoldstag geht «Der Bestatter» wieder auf Verbrecherjagd. Mit dabei ist auch Reto Stalder als Fabio Testi. Wir haben ihn auf dem Berner Bremgartenfriedhof zum Gespräch getroffen.

Vom Praktikanten zum Geschäftsteilhaber: Fabio Testi hat beim «Bestatter» einen steilen Aufstieg hinter sich. Das gilt auch für den 31-jährigen Berner Schauspieler Reto Stalder, der Fabio Testi seit dem Start der SRF-Krimiserie spielt. Wir haben ihn auf dem Berner Bremgartenfriedhof zum Gespräch getroffen.

Herr Stalder, Sie gehen gern auf Friedhöfen spazieren. Warum?

Reto Stalder: Es macht etwas mit mir. Ich werde ruhiger, ich spaziere bewusster als sonst wo. Es ist entschleunigend, ja. Und hier auf dem Berner Bremgartenfriedhof ist es vor allem landschaftlich grossartig.

Kamen Sie auch schon vor Ihrer Zeit beim «Bestatter» hierher?

Nein. Die Rolle hängt schon damit zusammen. Als ich beim «Bestatter» anfing, beschäftigte ich mich intensiv mit dem Thema. Ich kam her und merkte, dass ein Friedhof nicht nur ein Trauerort ist, sondern auch parkähnlichen Charakter hat. Nur ist es ruhiger.

Nächste Woche startet die sechste Staffel. Aufgeregt?

Da ist ein Kribbeln, immer noch. Ich weiss ja, dass ich nichts mehr an meinen Auftritten ändern kann. Umso gespannter bin ich auf die Reaktionen.

Was zeichnet die neue Staffel aus?

Es geht um Ängste, beim durchgehenden wie in den einzelnen Fällen. Und dann lernt Fabio Testi da jemanden kennen ...

... eine gewisse Lilly Berghoff. Im SRF-Pressetext steht: «Es knistert heftig zwischen den beiden.»

So kann man es sagen. Lilly ist eine Figur, die ab der zweiten Folge dabeibleibt und für Fabio sehr wichtig wird. Das ist etwas, das ich mir schon lange gewünscht habe.

Fabio hat sich vom unbedarften Praktikanten zum geschätzten Teilhaber der Bestattungsfirma entwickelt. Deckt sich die Entwicklung Ihrer Figur mit Ihrer Reputation auf dem Set?

Das ist vergleichbar, ja. Ich kam zum «Bestatter» mit ganz wenig TV-Erfahrung, jetzt bin ich in der sechsten Staffel hintereinander dabei. Am Anfang hiess es in der Serie immer, Fabio sei ein Suchender. Jetzt hat er gefunden. Das ist bei Reto ähnlich.

Hat sich auch der Umgang mit den Kollegen gewandelt?

Es kann Hackordnungen auf einem Filmset geben. Beim «Bestatter» ist das nicht der Fall. Es gab nie jemanden, der kam und mir das Gefühl gab, jetzt zeigen wir dem Jungen mal, wie es läuft.

Sie haben die «Bestatter»-Drehs einmal als «Sommerferien mit der Familie» bezeichnet.

Ferien sind es nicht, die Arbeit ist anstrengend. Aber das mit der Familie stimmt. Wir sehen uns im Sommer über längere Zeit sehr oft. Da lernt man sich näher kennen. Die Dreharbeiten haben etwas von einem Lager.

Haben sich Freundschaften entwickelt, die über diese Lager hinausgehen?

Freundschaften vielleicht nicht gerade, aber man verfolgt schon, was die anderen machen. Und ein paarmal im Jahr treffen wir uns zu einem Essen. Gerade haben Suly Röthlisberger, die Erika Bürgisser spielt, und Barbara Terpoorten, die Anna-Maria Giovanoli verkörpert, zu einem Wildessen geladen.

Gibt es ein Erlebnis aus Ihrer Zeit beim «Bestatter», das Sie geprägt hat?

Ein einzelnes Erlebnis nicht. Ich merke aber, dass ich mit dem «Bestatter» gewachsen bin. Ich weiss heute, wie es läuft.

Routine kann träge und uninspiriert machen.

Wir machen sechs Folgen im Jahr, keine Daily Soap! Und eine Sache ist sehr wichtig: Beim «Bestatter» sind immer wieder neue Drehbuchautoren, Regisseure und Episodendarsteller am Werk. Das hält die Serie frisch. Und uns Schauspieler auch.

Als Seriendarsteller läuft man Gefahr, auf eine Rolle reduziert zu werden.

Bei mir ist das momentan so. Ich weiss, dass das so lange bleibt, wie ich Fabio spiele. Dann geht es ein, zwei Jahre. Und dann ist es vorbei.

«Der Bestatter» ist ein Riesenerfolg. Seit dem Start sind die Zuschauerzahlen stabil sehr hoch. Woran liegt das?

Ein Grund ist Mike Müller. Man weiss, was man bekommt bei ihm. Er ist das Zugpferd. Und dann ist das Thema der Serie gut. Es ist eines, mit dem niemand etwas zu tun haben will. Aber alle haben einmal etwas damit zu tun.

Sie arbeiten neben Ihrer Schauspieltätigkeit auch als technischer Zeichner. Weshalb?

Der Job als Zeichner nimmt mir den Druck, alles machen zu müssen. Ich kann an ein Casting gehen und weiss, dass es toll wäre, die Rolle zu bekommen. Aber ich weiss auch, dass es nicht überlebenswichtig ist. Das gibt Ruhe.

Sie sind in der Berner Gemeinde Jegenstorf aufgewachsen, haben heute je ein WG-Zimmer in Bern und in Zürich. Wo fühlen Sie sich stärker zu Hause?

Das Zimmer in Zürich ist wohnlicher eingerichtet. Vom Gefühl her ist es aber klar in Bern. Meine Mutter lebt noch in Jegenstorf. Wenn ich sie besuche, fühlt sich das nach Heimat an.

Über Ihr Privatleben ist ansonsten nichts bekannt.

Es fragen alle danach. Aber ich rede nicht darüber.

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