Schweizer Film
Premieren, Podien und ein Publikum zu Hause: Die wichtigsten Antworten zu den Solothurner Filmtagen

Nun ist klar, wie das wichtigste Festival des Schweizer Films stattfinden will: komplett online. Was Sie über die Solothurner Filmtage 2021 wissen sollten.

Daniel Fuchs
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Gelb dominiert auch heuer während der Solothurner Filmtage. Nur das Publikum wird fehlen (Archiv).

Gelb dominiert auch heuer während der Solothurner Filmtage. Nur das Publikum wird fehlen (Archiv).

Hanspeter Bärtschi / SZ

1. Wann und in welcher Form findet die 56. Ausgabe der Solothurner Filmtage statt?

Eigentlich komplett im Netz. An der Medienkonferenz vom Mittwoch stellte Filmtage-Direktorin Anita Hugi das Programm vor und nannte Details. Vom 20. bis 27. Januar gibt es via eine eigens aufgeschaltete Filmplattform 170 Filme für die Stube zu Hause.

Nur einzelne Veranstaltungen finden physisch in Solothurn statt, nicht aber vor Publikum. Auch sie werden online übertragen. Dazu gehören die Eröffnungsfeier, die «Nacht der Nominationen», an der die Kandidaten für den Schweizer Filmpreis bekannt werden, oder etwa die Preisverleihungen am zweitletzten Tag des Festivals. Anlässlich der Eröffnung am 20. Januar spaziert Direktorin Hugi mit Bundespräsident Guy Parmelin durch die Solothurner Altstadt. Feier und Eröffnungsfilm werden von den Landessendern der SRG übertragen.

Erst im zweiten Jahr an der Spitze der Filmtage: Direktorin Anita Hugi.

Erst im zweiten Jahr an der Spitze der Filmtage: Direktorin Anita Hugi.

Hanspeter Bärtschi / SZ

2. Was sind die Highlights?

Etliche Weltpremieren, Schweizer Premieren und Filme, die im Kinojahr 2020 wegen Corona komplett untergingen. Sie gibt es online, in begrenzter Zahl. Gespannt darf man auf die Verfilmung des Evangeliums für das 21. Jahrhundert mit Flüchtlingen im Mittelmeer sein, «Das neue Evangelium» von Theaterautor und Filmregisseur Milo Rau. Endlich gibt es ihn auch in der Schweiz zu sehen. In Deutschland kann er bereits seit Advent gestreamt werden. Er ist für den Hauptpreis «Prix de Soleure» nominiert.

Die Passion Christi aus der Sicht von Milo Rau: «Das neue Evangelium» gibt es anlässlich der Solothurner Filmtage online.

Die Passion Christi aus der Sicht von Milo Rau: «Das neue Evangelium» gibt es anlässlich der Solothurner Filmtage online.

Armin Smailovic

Mitbewerber sind unter anderen «Nachbarn» von Mano Khalil («Unser Garten Eden»), ein Spielfilm über zunehmenden Nationalismus im Nahen Osten aus der Sicht eines Schuljungen oder «Burning Memories», eine dokumentarische Auseinandersetzung der Luzerner Filmemacherin Alice Schmid mit ihrer eigenen Missbrauchsgeschichte.

Auch im Publikumswettbewerb stehen Filme, auf die man sich freuen kann. Einer ist der Spielfilm «Atlas» von Niccolò Castelli, der Eröffnungsfilm. Er dreht sich um die schwierige Rückkehr eines Opfers eines Bombenanschlags ins Leben.

Vielversprechend klingt die Sektion «Opera Prima», in der ausschliesslich Erstlings-Langfilme gezeigt werden.

3. Wer kann an diesem Online-Festival teilnehmen und wie?

Alle, die Lust dazu haben und sich frühzeitig Online-Zutritt zu den Filmen auf der Plattform verschaffen. Pro Film oder Kurzfilmblock gibt es üblicherweise 1000 «Eintritte». Einer kostet zehn Franken. Festivalpässe gibt es keine. Am Mittwoch schalteten die Solothurner Filmtage eine neue Website auf, inklusive Programm. Nächste Woche geht die dazugehörende Filmplattform online.

Tickets gibt es ab dem 15. Januar. Die Filme starten jeweils um 12 Uhr des Festivaltages, an dem sie programmiert sind, und bleiben danach während dreier Tage verfügbar. Einmal angefangen, muss man sie innert 36 Stunden zu Ende schauen. Was aber wäre Solothurn ohne Rahmenprogramm? Podien und Workshops – einen von der Filmemacherin Petra Volpe – gibt es via Website.

4. Was sind die technischen Voraussetzungen?

Eine genügend schnelle Internetverbindung. Und etwas Kenntnisse, wie man die Filme vom Smartphone, Tablet oder Computer auf den Smart-TV oder an die Leinwand im eigenen Wohnzimmer bekommt.

5. Das Beispiel Play Suisse der SRG zeigt: Streaming-­Plattformen bergen Tücken, gerade bei der Einführung. Was wird unternommen, damit die Filmtage nicht zum Online-­Ärger werden?

Ausgerechnet die Online-Medienkonferenz am Mittwoch gab einen Vorgeschmack auf die Tücken der Technik. Bei der Abfolge der Filmbilder entstand ein solches Durcheinander, dass Filmtage-Direktorin Hugi ins Stocken geriet. Auch erschien sie zeitweise gleich dreifach auf dem Bildschirm. Hugi selbst nahm die Pannen mit Humor und sprach von einer Konferenz mit «dadaistischen Zügen» und verglich sie mit «Rock’n’Roll».

Das Festival selbst soll freilich weniger Rock’n’Roll werden. Auf Nachfrage dieser Zeitung betonte Hugi, kein Experiment einzugehen. Die Streamingplattform sei von Profis entwickelt worden und anderswo bereits erprobt. Hugi versprach:

Das wird nicht zum Ärger.

6. In Schweden isoliert das Festival Göteborg einzelne Filmfans in Kinosälen und sogar auf einer Insel im Meer. Welche Alternativen standen in Solothurn zur Disposition?

Es sind vier Modelle, die kon­zipiert, sogar organisiert und zum Teil wieder verworfen ­wurden. So war erst ein physisches ­Festival geplant, flankiert von einer Online-Edition. Weil sich aber abzeichnete, dass das ­wegen der Pandemie nicht ­möglich sein wird, wurde die Online-­Version zum «Haupt­standbein». Das berge auch Chancen. So ­erhoffen sich die Filmtage, Leute anzusprechen, denen der Weg nach Solothurn zu weit ist.