Interview

Oscar-Gewinnerin: «Alzheimer-Patienten driften nicht einfach ab»

Julianne Moore betrieb akribische Feldforschung für ihre Rolle als demente Linguistik-Professorin im Film «Still Alice».

Julianne Moore betrieb akribische Feldforschung für ihre Rolle als demente Linguistik-Professorin im Film «Still Alice».

Für ihre Rolle im Film «Still Alice» gewann Juianne Moore einen Oscar. Im Interview sagt die 54-Jährige, wie sie sich dem Thema Alzheimer angenommen hat, wie gut ihr Gedächtnis ist und wie sie selbst mit dem Älterwerden umgeht.

Frau Moore, wie gut ist Ihr Gedächtnis?

Julianne Moore: Es war als Kind sicher besser als jetzt mit 54: Damals wusste ich immer, wo die Schlüssel waren. Ich habe während des Films «Still Alice» einen Gedächtnistest gemacht. Ich fand ihn sehr schwierig. Ich musste zwei Wochen auf die Resultate warten, aber zum Glück waren sie normal.

In «Still Alice» spielen Sie eine Professorin mit Alzheimer. Wie haben Sie sich in das Thema eingearbeitet?

Intensiv. Ich fing mit der Präsidentin der Alzheimer-Vereinigung an, habe mit ihr über ihre Erfahrungen gesprochen sowie mit drei Frauen, die Früh-Alzheimer haben. Zudem habe ich mit einer Forscherin gesprochen und Heime und Support-Gruppen besucht. Ich wollte wissen, was sie repräsentiert sehen möchten.

Was ist für Sie zurückgeblieben?

Bei Alzheimer geht es nicht nur um Vergesslichkeit, sondern um das eigene Wesen. Die Beziehung zu Raum, Zeit, Vergangenheit und Zukunft verändert sich total. Ich kann etwa die Tür zur Dusche nicht mehr öffnen, weil ich nicht mehr weiss, wozu sie da ist und wo ich bin. Dass Alzheimer-Patienten einfach abdriften, stimmt für mich nicht: Ich habe viele Patienten gesehen, die hart daran arbeiten, im hier zu sein und zu kommunizieren. Geblieben ist mir auch die Freundschaft mit Sandy Oltz, einer ehemaligen Operationsschwester. Die Krankheit wurde mit 45 diagnostiziert und sie sieht ein wenig aus wie ich. Sie ist eine bewundernswerte Frau, die ihren 50. Geburtstag auf dem Set feierte.

Einer Ihrer beiden Regisseure lebt mit ALS, einer Erkrankung des motorischen Nervensystems. Welche Auswirken hatte das auf die Arbeit?

Richard Glatzer und Wash Westmoreland sind seit 18 Jahren ein Paar. Bei unserem ersten Treffen hatte Richard Probleme mit der Zunge. Sie dachten, es sei ein Virus. Schliesslich war es ALS. Richard wollte sein Leben weiterführen. Als wir mit dem Drehen begannen, konnte er nicht mehr sprechen und kommunizierte via iPad. Für mich war er deswegen nicht weniger Richard. Er war da, führte Regie, lebte sein Leben – einfach anders. Und es ist hart. In «Still Alice» stellte man mir die Frage, ob ich noch hier sein will. Ich finde, solange jemand präsent sein will, sollte man das auch unterstützen.

Sorgen Sie sich um das Älterwerden?

Natürlich frage ich mich, wie viel Zeit ich noch habe. Besonders nach einem Film wie «Still Alice», der einem mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert. Man überlegt sich, was einem wirklich wichtig ist. Mir gehts ja gut: Ich habe Arbeit und ein harmonisches Familienleben. Dafür bin ich dankbar und schätze, was ich habe, mehr als früher.

Vom Golden Globe bis zu den Oscars haben Sie für «Still Alice» so ziemlich alle Preise gewonnen, die man gewinnen kann. Was bedeuten Ihnen das?

Einen Preis zu gewinnen, ist immer etwas Schönes. Jeder hört gerne, dass er etwas gut gemacht hat. Wir alle versuchen uns immer zu verbessern. Wenn das wahrgenommen wird, ist das inspirierend und man strengt sich nachher noch mehr an. Mein Herz machte einen Sprung, als ich kürzlich ein lobendes Mail für meine Arbeit bekam. Ich mache, was ich mache, weil ich offenbar sehr lobesbedürftig bin.

(Quelle: Youtube / KinoCheck)

STILL ALICE Trailer German Deutsch (2015)

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