Braxit oder Farewell Angelina? «Der Himmel steht in Flammen, und ich muss gehen», singt Bob Dylan im gleichnamigen Lied. Steht der Himmel in Flammen, sorgte meist eine Jüngere für den zündenden Blitz. Könnte das Netz donnern, es wetterte drum tüchtig her über Brad Pitt. Er soll eine kesse Französin freien, Marion Cotillard. Also wieder eine Filmrolle überinterpretiert haben mit Realität.

Hatte Madre Angelina ihm einen Detektiv als Schatten zur Seite gestellt und zog darum einen Strich? Hauptsache sei jetzt, sagte sie, «die Gesundheit der Familie» zu schützen. Sie hat die Scheidung eingereicht.

Der kiffende und trinkende Schönling ist klar der böse Bube auf Twitter und Facebook. Okay – das Netz kennt nur Entladungen, die es, statt zu reinigen, sofort verstopfen. Gleichwohl entsteigt Angelina als Heroine dem Bradsturm, wird tapferer nur und engelsrein durch des Gatten schmutzigen Fall. Die Sumpffiebrigkeit ihrer Jugend ist wie fortgewischt. Ganz nach dem Wort von Groucho Marx (seiner Zeit gemünzt auf Doris Day): «Damals, als die Gute noch keine Jungfrau war.»

Der Trailer: Mr. and Mrs Smith

Der Trailer: Mr. and Mrs Smith

Hier lernten sich Angelina Jolie und Brad Pitt kennen und lieben: Auf dem Set zum Film Mr. and Mrs Smith.

Hollywood und die Grundsteine allen Theaters

Also bestes Hollywood-Kino ... dem Anschein nach, muss man sofort ergänzen. Hollywood macht keinen Unterschied zwischen Leben und Film, anders als wir, fies genötigt, das Leben «wichtig zu nehmen». Hollywood unterscheidet nur zwischen 2-D und 3-D. Brangelina jetzt ist reales 3-D. «Toppt» also noch, was einem an sich längst zum Hals raushängt. Aber das sind nun mal die Basics allen Theaters.

Entfernt man nämlich alle Paparazzi von der Bildfläche, säubert die Bühne endlich auch mal vom Rudel schmatzender Celebrity-Fledderer, dann wird das graue Muster im Gleisslicht sofort erkennbar. Welch klamaukhafte Rollen: Alter verliert Hosen, Alte kehrt mit Besen. Klassischer Dorfschwank! Seit zehntausend Jahren.

Und wir? Was bleibt uns denn noch?

Ich meine: Neben Kim Kardashian und Kanye West. Wer soll die perfekte Ehe in Glanz und Gloria noch schaffen, wo wir Gewöhnlichen, selbst als Clowns, nur den Blues verbreiten?

Die Kardashians, eher Clan als Family, haben Glamour, unbestreitbar. Tolles Entertainment – wie Kim im offenen Oldtimer für ein Selfie WLAN-Anschluss suchte in Havanna, ist unbezahlbar. Was aber gerade zu beweisen war: «Karwest» wirken mässig intelligent. Sie parodieren Ehe eher mit Ghetto-Sex, statt aus sich makellose Lebendstatuen dafür zu formen wie Angelina Jolie und Brad Pitt. Deren Hollywood-Biedermeier war bei Karl Lagerfeld genauso chic wie beim Italiener in Schanghai oder im Safari-Look für die UNO im Südsudan.

Dass Brad unter Angelinas arrondiertem und adoptiertem United-Colours-Kindergarten (Maddox, Zahara, Shiloh, Vivienne, Pax und Knox) gutmütig den adoptierten Gemahl gab, verstärkte die beispielhafte Gender-Equilibristik des Paares. Und als Angelina wegen ihrer Furcht vor Krebs die Brüste amputieren liess, stand ihr Brad im Blitzgewitter zur Seite, als wäre er Onkel Doktor, grosser Bruder und Careteam in Personalunion.

So war es auch dem Hipster auf dem Bike und der Urban-Gärtnerin gestattet, ohne Kulturscham etwas Rosamunde Pilcher zu schlürfen dank diesem Ehetrailer in Endlosschlaufe.

Im Genre «Traumpaar» taugen keine Amateure als Trostpreis

Im Fach «Dream Couple» waren Jolie/Pitt die Überflieger. Zeitweise ging ihre Kunst so weit, dass man nicht mehr glauben mochte, dass die beiden vor dem Product-Placement ihres Glücks je eine mäandernde Geschichte, ein Vorleben gehabt hätten. Jetzt steigen wohl die Kardashians aufs verwaiste Podest, an dessen Fuss – ewig hoffnungslos – die Geissens und Irina Beller schmachten.

Im Genre «Traumpaar» taugen Amateure nun mal nicht als Trostpreise. Im Grunde waren indes auch Jolie/Pitt keinesfalls die Grössten ihres Fachs. Gute Schauspieler sind sie beide, den Bogen ihres Ruhms werden beide kaum allzu weit spannen.

Also Ehre, wem Ehre gebührt – als Eheleute: im Krach, im Suff, bei Reue, im Verspotten, Lügen und Betrügen, in Gier, Hingerissenheit, Leidenschaft, in grandioser Jämmerlichkeit – vor allem aber: Ehre, wem Ehre gebührt im Schauspielfach. Da sind zwei ohne Beispiel und bleiben unerreicht: Elizabeth Taylor (1932–2011) und Richard Burton (1925–1984).

Die Ehekrach-Genies: Elizabeth Taylor und Richard Burton.

Die Ehekrach-Genies: Elizabeth Taylor und Richard Burton.

Letzte Woche ist Edward Albee gestorben, der Autor des Stücks «Wer hat Angst vor Virginia Woolf». Niemand kann je wieder ans Wagnis gehen, in einer Neuverfilmung des Dramas das Ehepaar zu spielen. Das haben Taylor/Burton ein für alle Mal getan – ganz Film und ganz Leben.