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«Nutze deinen eigenen Kopf»: Ein Filmfeuerwerk auf die Kreativität

«The Lego Movie» ist ein genial rasanter Spass für Jung und Alt – und überraschend kritisch gegenüber Kommerz und Konformismus. Wie in den USA dürfte der Streifen auch in Europa zum Kinohit werden.

Lory Roebuck
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Der Film macht genauso Freude, wie mit Lego zu spielen.Warner Bros.

Der Film macht genauso Freude, wie mit Lego zu spielen.Warner Bros.

Courtesy of Warner Bros. Picture

Farbige Plastikklötzchen, aus denen sich alles Erdenkliche zusammenbauen lässt. Mit diesem simplen Prinzip beflügelt Lego seit seiner Einführung 1949 die Fantasiewelt von Kindern überall. Es gibt kein anderes Spielzeug, das generationen- und kulturübergreifend derart populär ist. Das gleichnamige dänische Unternehmen hat die Marke inzwischen um Videospielreihen, Fernsehserien und Themenparks erweitert. Seine jährlichen Gewinne liegen im zweistelligen Millionenbereich.

Logisch, dass der König der Spielzeuge jetzt auch ins Kino kommt. Eine plumpe Spielzeugwerbung in Spielfilmlänge à la «Transformers»? Von wegen! «The Lego Movie» ist ein genialer 3-D-Animationsspass für Jung und Alt. Nur hier kann sich Batman mit Han Solo anlegen und Professor Dumbledore mit Gandalf verwechselt werden, ohne dass es Lizenz-Zoff gibt. Lego besitzt die Adaptionsrechte grosser Kinoserien wie «Star Wars» und «Der Herr der Ringe» - und schafft ihnen eine gemeinsame Filmwelt.

Hauptfigur in «The Lego Movie» ist aber ein ganz Unscheinbarer: Emmet, ein Bauarbeiter, der den ganzen Tag lang strikt nach Anleitung Bauklötze stapelt. Den völlig überteuerten Kaffee kauft er mit einem Lächeln, denn ein Popsong im Radio beschallt ihn ununterbrochen mit dem Mantra «Alles ist super». Und daheim vergnügt sich Emmet mit einem hirnrissigen TV-Sketch, der in Dauerrotation läuft.

Bissige Kommerzsatire

«The Lego Movie» entpuppt sich als bissige Kommerzsatire. Genial, wie das Autoren- und Regieduo Phil Lord und Christopher Miller («Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen») subversiv den Markenwahn ironisiert. Die Botschaft: Nutze deinen eigenen Kopf!

Emmet findet einen mysteriösen Legostein und wird zum Auserwählten einer Widerstandsgruppe um Batman und andere Helden. Um den kontrollsüchtigen Tyrann Lord Business aufzuhalten, muss er erstmals Eigeninitiative zeigen: Anleitungen weglegen, selber kreativ werden.

Der Film zapft die erfinderische Kraft an, mit der Kinder aus Legos die wildesten Sachen kreieren. Und er besticht mit Liebe zum Detail: Die Animation wurde komplett am Computer entworfen, aber bewusst im Stop-Motion-Look inszeniert; damit es so aussieht, als würde wirklich mit Lego gespielt. Nicht nur die Figuren und Umgebungen sind aus Lego - auch alle Spezialeffekte (Laser, Explosionen, Wellen) haben die charakteristische Noppenstruktur.

Insgesamt 15 Millionen Lego-Einzelteile wurden detailgetreu animiert.

Bei uns nur auf Deutsch

In den USA avancierte «The Lego Movie» zum Megahit. Drei Wochen stand er an der Spitze der Kinocharts. Kritiker und Zuschauer waren begeistert. Weltweit hat der Film seit seiner Premiere im Februar 410 Millionen eingespielt, das Vierfache seiner Herstellungskosten. Die Gewinnmarge wird weiter anwachsen, denn in grossen Kinomärkten wie Australien und Deutschland läuft «The Lego Movie» erst jetzt an.

Zweifellos wird der Film auch in der Schweiz ein Publikumsrenner. Einziger Wermutstropfen: «The Lego Movie» läuft bei uns fast ausschliesslich in der deutschsprachigen Synchronfassung. Einzige Ausnahme ist die Arena Sihlcity. Nur dort kommt man ab Gründonnerstag (um eine Woche verspätet) in den Genuss der Originalstimmen von Hollywoodstars wie Morgan Freeman, Liam Neeson, Channing Tatum und Will Ferrel.

Sehenswert ist der Film aber trotzdem. Als Plädoyer für Kreativität ist «The Lego Movie» eine wunderbare Kino-Hommage an dieses kreativste aller Spielzeuge.