Schauspiel

Mit Erika Bürgisser durch dick und dünn

Die Schauspielerin und Sängerin Suly Röthlisberger mit Umlaut ist momentan als Erika Bürgisser in der SRF-Erfolgsserie«Der Bestatter» zu sehen. Fotografiert in der Stadt Baden, wo sie lebt.

Die Schauspielerin und Sängerin Suly Röthlisberger mit Umlaut ist momentan als Erika Bürgisser in der SRF-Erfolgsserie«Der Bestatter» zu sehen. Fotografiert in der Stadt Baden, wo sie lebt.

Wie die 66-jährige Schauspielerin Suly Röthlisberger zum Theater und zu ihrer Rolle in «Der Bestatter»kam.

«Man muss brennen.» Drei einfache Worte bringen auf den Punkt, was Suly Röthlisberger einem jungen Menschen, den es zum Theater zieht, auf den Weg geben würde. Dazu gesellen sich aber auch «Selbstsicherheit, ohne überheblich zu sein, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, mit Enttäuschungen und Misserfolgen umgehen zu können.»

Suly Röthlisberger weiss, wovon sie redet. «Ich hatte im Grossen und Ganzen viel Glück – aber nicht immer.» Sie erzählt unkompliziert und offen aus ihrem Leben, dass sie leidenschaftlich gerne kocht, liest, der Limmat entlang spaziert und «ich bin ein totaler Familienmensch».

«Bestatter»-Vorpremiere in Aarau: Suly Röthlisberger alias Erika Bürgisser im Interview

«Bestatter»-Vorpremiere in Aarau: Suly Röthlisberger alias Erika Bürgisser im Interview

Seit über 40 Jahren steht Röthlisberger auf der Bühne und vor der Kamera. Sie hat in dieser Zeit viele Aufs und Abs durchlebt – Karrieren-Sprünge und Karrieren-Einbrüche. Aber sie musste den Weg gehen, denn «von Kindsbeinen an war klar für mich, dass ich zum Theater will, etwas anderes kam für mich nie infrage». Schon sehr früh war aus dem auf den Namen Ursula getauften Kind Suly geworden und schon als Kind verbrachte sie Stunden um Stunden im Theater. Dorthin hatte ihr Vater, der Bühnen- und Kostümbildner Max Röthlisberger (1914–2003) seine jüngste Tochter so oft es ging mitgenommen. «Er arbeitete damals am Stadttheater Zürich, dem heutigen Opernhaus, und eine Opernaufführung besuchen zu dürfen war für mich das Grösste.» Gibt es eine Lieblingsoper? «Figaros Hochzeit», kommt wie aus der Kanone geschossen und wenig später folgt «Jenufa» von Leoš Janácek».

Schauspiel statt Oper

In Zürich geboren und aufgewachsen, begann Suly nach der obligaten Schulzeit und einem fast zweijährigen Englandaufenthalt, ein Gesangsstudium am Konservatorium Zürich. «Ich habe sehr gerne gesungen. Aber in jener Zeit des 68er-Aufbruchs erschien mir die Oper plötzlich zu museal, während im Sprechtheater viel passierte. Am Schauspielhaus sorgte ja damals unter der Intendanz von Peter Löffler der junge Regisseur Peter Stein für Skandale.» Motiviert durch ihre Sprechtechniklehrerin Ellen Wiedmann bewarb sich Röthlisberger an der Schauspielschule in Hamburg und – «ich hatte wahnsinniges Glück» – wurde auf Anhieb aufgenommen. Engagements unter anderem an die Bühnen von Krefeld, Lübeck, Mönchengladbach, Wuppertal, Düsseldorf folgten. In Aachen heiratete Röthlisberger den Schauspielerkollegen Bert Hoffmann und 1979 wurde dort Tochter Eva geboren.

38 wechselvolle Jahre in Deutschlang lagen hinter ihr, als sie mit ihrem Mann 2008 ganz in die Schweiz zurückkehrte: «Das Schweizer Fernsehen hatte mich für die Ärzte-Soap ‹Tag und Nacht› engagiert.» Das Paar landete in Baden. In der unteren Altstadt lebt die Schauspielerin in einer geschmackvoll eingerichteten, gemütlichen Wohnung direkt an der Limmat, seit dem Tod ihres Mannes vor sechs Jahren alleine. Ab und zu aber toben die vierjährige Abigail und die zweieinhalbjährige Zoey durch die Räume. «Ich liebe meine beiden Enkelinnen über alles. Da sie mit ihren Eltern in England leben, fliege ich, so oft ich kann, nach London.»

Gastspiel in Buenos Aires

Sehr häufig ist das allerdings nicht möglich, steht Röthlisberger doch nach wie vor mit Leidenschaft auf der Bühne und seit 2011 regelmässig vor der Fernseh-Kamera. Zum einen als Kommissariatssekretärin Elsa Giger an der Seite von Stefan Gubser im Schweizer «Tatort». Zum andern seit 2013 als Erika Bürgisser, guter Geist im Institut Conrad. «Ich hatte einfach Glück: das Fernsehen hatte mich einen Tag lang zu einem Casting aufgeboten und ich hatte die Rolle.» Röthlisberger ist begeistert von der sehr guten Atmosphäre bei den Dreharbeiten zu «Der Bestatter». «Wir haben viel Spass und meine Rolle gefällt mir sehr gut.»

Auch die Bühne lässt Röthlisberger nicht los. «Seit gut zwei Jahren spiele ich regelmässig im Musiktheater-Projekt von Thom Luz ‹When I die›, mit dem wir unter anderem in München, Strassburg, Reykjavík, Marseille gastiert haben und dies im Herbst in Buenos Aires tun werden.» Neben drei Musikern steht darin auch Samuel Streiff – im «Bestatter» Kommissar Doerig – auf der Bühne. «Im Sommer werde ich in einer Freilichtinszenierung vom Theater für den Kanton Zürich in Molières ‹Tartuffe› die Madamme Pernelle spielen. Und mit Barbara Terpoorten – der ‹Bestatter›-Kommissarin – werde ich ebenfalls dieses Jahr ein Projekt im Wallis realisieren, über das ich aber noch nichts Näheres verraten will.»

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