Filmfestival Locarno

«Missen Massaker» führt die Schönheit zur Schlachtbank

Die Missen kreischten bei der Präsentation in Locarno, Michael Steiner (M.) wars eindeutig zu laut.

Die Missen kreischten bei der Präsentation in Locarno, Michael Steiner (M.) wars eindeutig zu laut.

Michael Steiners «Missen Massaker» wurde auf der Piazza Grande uraufgeführt. Die trashige Grusel-Komödie ist technisch gelungen und bedenkenlos vulgär. Ob sie sich gegen Steiners frühere Werke wie «Mein Name ist Eugen» und «Grounding» behaupten kann?

Eigentlich ist es ja eine Schnapsidee, wie sie im Buch steht: Als Michael Steiner vor fünf Jahren zum ersten Mal von seiner Lust erzählte, in einer Komödie eine Miss Schweiz nach der anderen einem grausamen Serienkiller zum Frass vorzuwerfen, stand sein Projekt «Sennentuntschi» samt problematischer Finanzierung erst noch bevor. Wollte sich der aktuell erfolgreichste Schweizer Regisseur («Mein Name ist Eugen», «Grounding») tatsächlich mit einem derart trivialen Konzept herumschlagen und damit womöglich seine Karriere riskieren?

Regisseur Michael Steiner: «Missen sind vom Aussterben bedroht»

Regisseur Michael Steiner: «Missen sind vom Aussterben bedroht»

Makabrer Klamauk

Trashige Komödien sind in der Schweiz bekanntlich alles andere als ein Erfolgsgarant: Die Filmschaffenden Carla Lia Monti («Räuberinnen») und Mike Eschmann («Tell») können ein Lied davon singen. Den Beweis, dass es zumindest im Horrorbereich klappen kann, hat Steiner mit seinem «Sennentuntschi» zwar gleich selbst erbracht, aber dennoch bleibt bis heute ungewiss, ob er sich mit einer so gewollt unseriösen Prämisse wie dem Abmurksen von Schönheitsköniginnen vor thailändischer Kulisse beim grossen Publikum wird behaupten können. «Das Wagnis ist uns bewusst, aber jeder Film beginnt zuerst einmal mit null Zuschauern», meinte Steiner dazu an der Pressekonferenz. «Wir sind allerdings sehr zuversichtlich.» Dass der Film mit ganzen 60 Kopien in der deutschen Schweiz starten wird, zeugt von dieser Zuversicht.

Der Film selbst – diesbezüglich bestanden wenig Zweifel – ist technisch gelungen, ausgesprochen kurzweilig und bedenkenlos vulgär, eine leicht konsumierbare Mischung aus biederen Schenkelklopfern und Schauermomenten. Steiner und sein Drehbuchautor Michael Sauter variieren die Codes des Horrorgenres noch nicht einmal, sie spulen vielmehr das traditionelle Slasher-Programm auf lustvolle Weise ab, zitieren sämtliche Modelle von «Halloween» bis «Scream» und verzichten auf schockierende Momente zugunsten von unblutiger Slapstickgewalt. «Das war ein ganz bewusster Entscheid», kommentiert Steiner dieses Vorgehen. «Explizitere Hinrichtungen hätten dem Witz des Films geschadet.»

Trailer zu Michael Steiners Film «Das Missen Massaker»

Trailer zu Michael Steiners Film «Das Missen Massaker»

Was dem Film allerdings durchaus nicht geschadet hätte, wäre eine etwas komplexere Auflösung des Geschehens gewesen, denn das Rätselraten rund um die Identität der mordenden Person kommt in der makabren Nummernrevue entschieden zu kurz. Auf den ersten Blick hätte man sich das Ganze auch durchaus eine Spur irritierender und zynischer wünschen können.

Denn wider Erwarten ist «Das Missen Massaker» keine bitterböse Satire auf den Schönheitswahn, sondern vielmehr ein übermütiges Hasch-mich-Spiel, bei dem alle Beteiligten am gleichen Strick ziehen: Steiner ist unübersehbar fasziniert von seinen Darstellerinnen, und denen wiederum macht es eindeutig Spass, sich vor der Kamera als todgeweihte Comicfiguren am Rande der Selbstironie herumzutollen. Dabei ist es nur hilfreich, dass viele der Schauspielerinnen – Nadine Vinzenz und die Newcomerin Lisa Maria Bärenbold etwa – ein perfektes komödiantisches Timing an den Tag legen.

Verschworene Geschlechter

Diese Verschworenheit unter den männlichen Machern und den weiblichen Protagonistinnen generiert schliesslich den ganzen Zauber von «Das Missen Massaker»: Hier machen sich zahlreiche Frauen mutwillig zum Affen, wohlwissend, dass sie dabei stets ins richtige Licht gerückt werden. Man könnte diesem Schabernack glatt eine postfeministische Note andichten – was nicht einfacher und nicht schwieriger wäre, als ihn mit Adjektiven wie dämlich, kindisch, hysterisch, plump oder stumpfsinnig einzudecken. Aber wie es ein deutscher Journalist an der Pressekonferenz auf den Punkt brachte: «Das ist nun wirklich kein Film, den man mit Worten zerreden sollte. Wir haben uns doch einfach nur kaputtgelacht!»

«Das Missen Massaker» startet am 23.8.2011 in den Schweizer Kinos.

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