«Tatort»

Milos: «Die jetzige Kritik scheint mir zweifelhaft»

«Tatort» Hauptdarstellerin Sofia Milos soll eine Fehlbesetzung sein. Nun meldet sie sich zu Wort: Warum sie die Kritik nicht verstehen kann und sie glaubt, dass das Publikum den Film und auch die Sexszene darin mögen wird.

Sofia Milos, sind Sie überrascht, dass die Qualität Ihres «Tatorts» bemängelt und dieser vorderhand nicht ausgestrahlt wird?

Sofia Milos:Ja, denn bis vor ein paar Tagen war man aufseiten der Produktion und des Schweizer Fernsehens noch ganz begeistert von A bis Z, inklusive aller schauspielerischen Leistungen, und man freute sich auf die Premiere und die Ausstrahlung. Ich weiss, dass auch Stefan Gubser, SF-Spielfilm-Chef Peter Studhalter und Produzent Hans Syz traurig und schockiert über die Angriffe sind.

Was halten Sie von der Kritik an Ihrer schauspielerischen Leistung?

Milos: Meine Ausdrucksweise vor der Kamera lehnte sich nicht an einen «CSI:Miami»-Stil an, sondern an die Anweisungen des Regisseurs Markus Imboden. Er ist ein erfahrener Regisseur und hatte eine klare Vorstellung, was er wollte. Ich fand es erfrischend, mal nicht in High Heels herumrennen zu müssen und die Haare in einem einfachen Rossschwanz zu tragen. Wir haben alle unser Bestes unter den gegebenen Voraussetzungen geleistet und es schienen auch alle genug zufrieden zu sein, um den Film wie geplant zu drehen. Darüber, wie er dann zusammengeschnitten wurde oder welche Takes verwendet wurden, habe ich keine Kontrolle.

Fanden Sie das Drehbuch überarbeitungsbedürftig?

Milos: Es wurde ja überarbeitet! Mehrmals, und unter der Aufsicht des Schweizer Fernsehens. Ob das Drehbuch in Sachen Witz und Lokalkolorit einem typischen «Tatort» entspricht, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich nahm es an. Wie klischeehaft die Schweiz in «Wunschdenken» dargestellt wird, kann ich auch nicht beurteilen. Dafür bin ich schon zu lange weg. Es ist schon erstaunlich: Nicht einmal als James Bond aufgefrischt wurde, wurde so viel Aufhebens gemacht.

Beim Sender stösst man sich an einer Sexszene. Sind Sie zu heiss fürs Schweizer Fernsehen?

Milos: Es ist eine heisse Szene und man sieht vielleicht etwas mehr von den Protagonisten, als man es gewohnt ist. Aber man sieht natürlich keine nackten Geschlechtsteile. Dem Publikum wirds sicher gefallen. Jeder mag doch ein bisschen Würze zwischen zwei Schauspielern, die man gut findet. Aber es steht dem Sender natürlich frei zu entscheiden, was sie dem Publikum zeigen wollen und was nicht.

Sie können es also nicht nachvollziehen, dass das Schweizer Fernsehen «Wunschdenken» fürs Publikum unzumutbar hält?

Milos: Wie und wer soll denn das entscheiden, wenn kaum jemand den Film gesehen hat? In meiner Karriere basiert der Erfolg auf der Zustimmung der Fans. Die jetzige Kritik scheint mir zweifelhaft, da weder Kritiker noch Publikum den Film gesehen haben. Ich hoffe, da steckt keine Politik dahinter. Aber unterschätzen wir doch das Pu-blikum nicht. Die Zuschauer sollen sich doch ihre eigene Meinung bilden. Ich bin sicher, viele Fans sind stolz und gespannt auf einen Schweizer Fernsehfilm mit ihren Lieblingsschauspielern – egal, was die Klatschpresse sagt.

Damit spielen Sie auf die «Bild»-Zeitung an, die Ihre Mitgliedschaft bei Scientology thematisierte...

Milos: Ich bin eine Künstlerin und diese Welt wird nicht von Rasse oder religiöser Diskriminierung diktiert. Und ich bin sicher, auch in der Schweiz wird nicht so diskriminiert.

Wie blicken Sie jetzt im Nachhinein auf Ihre Zeit während des Drehs in der Schweiz zurück?

Milos: Ich hatte eine wunderbare Zeit in der Schweiz. Luzern und die Pilatusregion sind wunderschön. Aber ich hätte nie im Leben gedacht, dass meine Rückkehr ins Land meiner Geburt eine solche Kontroverse entfachen würde.

Im nächsten Schweizer «Tatort» wird die Zürcherin Delia Mayer die weibliche Hauptrolle spielen. Wurden Sie rausgeworfen?

Milos: Man hat mich für drei Filme angefragt, aber ich wollte nur mal einen machen. Ich will nicht zu lange weg von Hollywood bleiben, sonst ist man hier schnell weg vom Fenster.

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