SRF-Erfolgsserie
Mike Müller über das Bestatter-Business: «Luc Conrad ist halt unorthodox»

Am 8. Januar startet im Schweizer Fernsehen die letzte Staffel des «Bestatters». Der Kabarettist, Autor und Schauspieler Mike Müller hielt während sechs Staffeln die Hauptrolle des SRF-Bestatters Luc Conrad inne.

Chiara Zgraggen
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«Der Bestatter»: Das sind die Bilder zur finalen Staffel, Folge 1.
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Ein Pferdenarr: Kommissar Reto Doerig (Samuel Streiff).
Der Beginn einer bizarren Mordserie: Barbara Terpoorten als Anna-Maria Giovanoli.
Business as usual: Reto Stalder als Fabio Testi und Suly Röthlisberger als Erika Bürgisser.
Sieht Entsetzliches: Mike Müller als Luc Conrad.
Haben einen Auftrag auf der Aarauer Pferderennbahn: Luc Conrad und Fabio Testi (Mike Müller und Reto Stalder).
Hat Caviezels Frau ein Alibi? Andrea Stockhausen-Bürgin als Gisela Caviezel, Barbara Terpoorten als Anna-Maria Giovanoli.
Besorgter Vater: Andrei Tacu als Sebastian Menzi, Martin Hug als Renato Menzi, Mike Müller als Luc Conrad.
Das chancenlose zweites Opfer - Wolf (anonym), Bär (anonym) und Thomas Hess als Wim van Morsel.
Missglückte Flucht: Andrei Tacu als Sebastian Menzi (liegend) und Samuel Streiff als Reto Doerig.
Mordopfer in der Pferdebox: Samuel Streiff als Reto Doerig, Mike Müller als Luc Conrad, Martin Ostermeier als Dr. Alois Semmelweis.

«Der Bestatter»: Das sind die Bilder zur finalen Staffel, Folge 1.

SRF/Sava Hlavacek

Mike Müller, welche Frage von Journalisten können Sie nicht mehr hören?

Mike Müller: Es gibt manchmal Interviews, die einander sehr ähnlich sind. Wenn man dann drei gleiche Interviews hintereinander hat, kommt einem nichts Neues mehr in den Sinn. Immer wieder taucht die Frage auf, was ich eigentlich gegen die SVP hätte. Sie ist halt die grösste Partei, ich kann auch nichts dafür. Private Fragen beantworte ich auch nicht sehr gerne.

Wie viel Mike Müller steckt eigentlich in Luc Conrad?

Grundsätzlich füllt man die Rolle immer damit aus, was einem zur Verfügung steht. Insofern steckt sehr viel von mir in dieser Figur, aber wiederum auch nicht. Ich war ja nie Polizist oder Bestatter.

Wie qualifiziert man sich eigentlich für die Rolle des Bestatters? Braucht man hierzu wie in Ihrem Fall 27 Semester Philosophiestudium?

Nein, die braucht es nicht. Sie müssten diese Frage den Verantwortlichen stellen. Ich weiss, dass auch zwei, drei andere Schauspieler im Gespräch waren. Ich weiss aber nicht wer. Letztlich war es ein künstlerischer Entscheid, der mit Vertrauen und der Einschätzung eines Potenzials zu tun hat. Der Produzent Markus Fischer sagte von Beginn weg, dass er mich gerne hätte.

Laut dem echten Bestatter Rolf Arnold sind viele Situationen in der Serie realitätsfremd. So etwa der Assistent, der durch dunkle Kleidung und schwarz geschminkte Augen auffällt.

Einerseits gibt es zu Bestattungsangelegenheiten verschiedene Haltungen. Es gibt beispielsweise Bestatter, die sich bei uns beschweren, dass wir ohne Handschuhe arbeiten. Ich weiss aber, dass einige Bestatter auch ohne Handschuhe arbeiten. Klar, dass man den Pullman (Bestatter-Wagen, Anm. d. Redaktion) nimmt, um Leute zu transportieren, ist eher ungewöhnlich. Auch ein Goth als Bestattungsassistent und späterer Partner ist eher heikel bei einem Bestattungsunternehmen, das sehr auf Diskretion und Seriosität schaut. Aber auch auf Polizeiebene birgt die Serie massive Fehler. Wir sind uns dessen bewusst, das ist bei jeder Serie so.

Können Sie das etwas ausführen?

Beispielsweise sieht man kaum einen Staatsanwalt, obwohl dieser in echt eine entscheidende Rolle spielt. So zum Beispiel wenn es darum geht, überhaupt Ermittlungen aufzunehmen. Auch die Verhörsituation machen sehr oft Staatsanwälte und sowieso werden Befragungen nie im Alleingang gemacht. Da sind immer mehrere Leute beteiligt. Es ist auch so, dass je höher die Anzahl Ermittler ist, desto eher wird ein Fall aufgeklärt. Deshalb gibt es auch eine grosse Diskrepanz zwischen der Aufklärungsrate auf dem Land und in der Stadt.

Welche Fehler sind denn ärgerlich?

Wenn Schreiber beispielsweise nicht wissen, was eine Totenstarre ist und wann diese eintritt. Man muss aber auch sagen, dass gewisse Handlungen zu Gunsten der Fiktion getätigt werden. Letztlich sind wir ein Unterhaltungsmedium. In der Realität ist der Tod alles andere als ein Unterhaltungselement, sondern es ist das ultimative Schiefgehen des Lebens. Ich finde, gewisse Dinge sollte man sich als Produktionsteam da einfach rausnehmen. Essen im Bestattungswagen finde ich da noch nicht so schlimm. Luc Conrad ist halt ein unorthodoxer Bestatter. Er hat ja auch schon Lebendige transportiert in den Särgen. So lange man die Glaubwürdigkeit nicht total verletzt, kann man solche Dinge schon machen.

Wie der Bestatter Arnold berichtet, hat die Serie das Image der Branche erheblich verbessert. Freut Sie das als Schauspieler?

Das freut natürlich sehr, wir haben auch vielfach ähnliche Rückmeldungen erhalten. Das Bestattungswesen ist eine Dienstleistung, die sorgfältig ausgeführt werden soll und Leuten in schwierigen Lebenssituationen helfen kann. Ein Bestatter betritt stets eine Situation, die schwer ist. Fälle wie wenn Kinder versterben, sind natürlich das schlimmste für Bestatter oder auch Notärzte. Wenn also diese Berufsgattung durch die Serie mehr Wertschätzung erhält, freut mich das natürlich sehr.

«Der Bestatter» – die schönsten Momente aus den ersten sechs Staffeln: Ömer Akyüz (81) und sein Imbisswagen waren schon lange vor dem «Bestatter» eine Aarauer Institution. Aber dank dem «Bestatter» wurde «Gömmer zum Ömer» zum Kultspruch. Für die Dreharbeiten der siebten Staffel kehrten der seit 2016 pensionierte Ömer und sein Imbisswagen sogar noch einmal zurück.
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Die Dreharbeiten im Restaurant Frohsinn, wie die Dorfbeiz «Weisser Wind» in der Serie hiess, brachte dem beschaulichen Freienwil nie gekannte Aufmerksamkeit.
Seit 2014 bietet das Tourismusbüro aarau info die «Bestatter»-Führung. 229 Mal zogen Fans aus der ganzen Schweiz seither auf Luc Conrads Spuren durch Aarau. Die Führung wird nun an die siebte Staffel angepasst.
Der «Bestatter» kannte das Freiamt bis zum 1. Juli 2016 nicht wirklich. Aber danach ein bisschen besser: Schauspieler Mike Müller zeigt sich beeindruckt von der Klosteranlage Muri.«Für diese Aargauer Serie kann man natürlich entsprechende Szenen nicht im Kloster Einsiedeln drehen und es dann als Kloster Muri verkaufen», sagte er.
Dank dem internationaler Ausstrahlen des «Bestatters» bekommen Zuschauer in Kanada, Deutschland, den USA oder Japan nicht nur Aarau, sondern beispielsweise auch das Wasserschloss Hallwyl zu sehen. Bessere Werbung geht nicht.
In Küttigen liess die «Bestatter»-Crew in Staffel 2 das Rebhüsli der Weinbaufamilie Wehrli explodieren – der Durchbruch für deren Pinot Noir Stierebluet Barrique. Es versteht sich von selbst: Ein echter «Bestatter»-Fan trinkt seither am Serienabend standesgemäss ein Gläschen «Stierebluet».
In Staffel 3 führten die Ermittlungen den «Bestatter» ins Fricktal – auf die archäologische Grabungsstätte Gänsacker in Frick. Es waren dort nicht die einzigen Dreharbeiten: SRF «my school» produzierte einen Beitrag über die 2000 Jahre alten Römerfunde.
«Bestatter»: Die schönsten Momente
Jolanda Urech, Aarauer Stadtpräsidentin und glühender «Bestatter»-Fan, tauchte gleich zwei Mal als Statistin in der Serie auf: auf dem Friedhof und im Lesesaal der Kantonsbibliothek (in der Bildmitte).
Der «Bestatter» am Maienzug – da ging den Aarauern in Staffel 2 das Herz auf. Die Szene war nicht gestellt, sondern echt. Luc Conrad alias Mike Müller hatte sich tatsächlich am Maienzug 2013 unter die Umzugsteilnehmer gemischt.

«Der Bestatter» – die schönsten Momente aus den ersten sechs Staffeln: Ömer Akyüz (81) und sein Imbisswagen waren schon lange vor dem «Bestatter» eine Aarauer Institution. Aber dank dem «Bestatter» wurde «Gömmer zum Ömer» zum Kultspruch. Für die Dreharbeiten der siebten Staffel kehrten der seit 2016 pensionierte Ömer und sein Imbisswagen sogar noch einmal zurück.

Fotos: Bütschi, Jaussi, Schumacher, Meier, Honegger, Schambron, Srf, Ho

Ab dem kommenden Frühjahr gehen Sie mit Viktor Giacobbo und dem Zirkus Knie auf Tournee. Haben Sie Ihren ehemaligen Partner derart vermisst?

Nein, wir sind ja befreundet und waren immer wieder zusammen auf der Bühne und auch privat in Kontakt. Das Zirkusprojekt ist nun ein spannendes und grosses Projekt.

Sie waren bereits zwei Mal in der Sendung von Roger Schawinski, zuletzt im März 2015. Dort sagten Sie, «Der Bestatter» werde nicht mehr ewig weitergehen. Gab es damals insgeheim bereits Gespräche zum Ende?

Mit Sicherheit. Aber ich weiss nicht mehr, auf welchem Stand wir waren. Ich fand immer, eine moderne Serie hat eine Halbwertszeit und die Geschichte ist irgendwann erzählt. Wenn ich so etwas am Horizont schimmern sehe, muss definitiv übers Ende gesprochen werden. Man sollte dann aufhören, wenn alles noch in Ordnung ist.

Bei der No-Billag-Initiative wurde immer damit geworben, dass es den Bestatter bei einer Abschaffung der Gebühren nicht mehr gäbe. Kurz darauf wurde dennoch das Ende der Serie bekannt gegeben. Das ist doch unfair.

Ja, das hat man mir ein wenig zu recht vorgeworfen. Das Ende des Bestatters war aber schon klar, als das Abstimmungsdatum noch nicht einmal bekannt war. Ich fand einfach, das Ende oder Nicht-Ende lassen wir uns sicher nicht von libertären Jungfreisinnigen, die wenig Ahnung vom Fernsehgeschäft haben, vorschreiben.