Vier Jahre nachdem die Ärzte-Serie «Tag und Nacht» wegen zu geringem Publikumsinteresse eingestellt wurde, startete das Schweizer Fernsehen (SRF) am Dienstag mit einer neuen Eigenproduktion. In der Krimi-Serie «Der Bestatter» spielt Mike Müller (49) die Hauptrolle als Bestatter Luc Conrad.

Conrad hat das Bestattungsinstitut in Aarau von seinem verstorbenen Vater übernommen, nachdem er die Polizei verlassen musste. Doch Conrad kann das Schnüffeln nicht lassen. Sein kriminalistischer Spürsinn führt ihn immer wieder zusammen mit der Kriminalbeamtin Anna-Maria Giovanoli (Barbara Terpoorten-Maurer). Brisant ist, dass die beiden bis vor einem Jahr zusammen bei der Kantonspolizei Aargau arbeiteten. Conrad war der Chef und sie waren auch privat ein Paar.

Trailer von «Der Bestatter»

In der ersten Folge «Schweres Erbe» muss das ungewöhnliche, inoffizielle Paar einen Mord auf dem Geflügelhof Suter in Aarau lösen. Die Geschichte: Die schöne Celia Suter liegt tot im Hühnerstall. Die starke Asthmatikerin ist erstickt. Ein unglücklicher Unfall? Der Bestatter glaubt nicht an die Version des Arztes. Die Indizien lassen für ihn auf Mord schliessen. Die Spur führt zu einer politischen Aktivistin und fanatischen Tierschützerin sowie zu einem Hühnerhof-Konkurrenten im Wynental. Conrad mischt sich immer wieder in die Untersuchungen der Kapo ein. Zum Missfallen von Kriminalbeamtin Anna-Maria Giovanoli. Am Schluss wird sich herausstellen: Der schöne Angestellte Vasilje hatte ein Verhältnis mit der Toten. Doch umgebracht hat diese die Schwiegermutter, der es die junge Frau von Anfang an nicht Recht machen konnte.

Ein Jahr herrschte zwischen Conrad und Giovanoli Funkstille. Der Fall weckt alte Gefühle zwischen den beiden. Obwohl es der Kriminalbeamtin unangenehm ist, dass sich Conrad immer einmischt, sucht sie seine Nähe und seinen Rat. Dabei wird auch die traumatische Geschichte aufgewärmt, die zum erzwungenen Abgang von Conrad bei der Kapo geführt hat: Der damalige Kommissar Conrad war von seinem besten Freund Bernhard Mäder in der Nacht zu einem Pontonier-Club am Ufer der Aare bestellt worden und hatte ihn dort mit einer tödlichen Schussverletzung vorgefunden. Conrad geriet in Verdacht, Mäder umgebracht zu haben. Der Mörder von Mäder wurde nie gefasst und die interne Untersuchung sprach Conrad vom Verdacht frei. Doch Zweifel blieben, Conrad war untragbar geworden, musste gehen.

Parallelfall schafft Bindung

Die undurchsichtige «Akte Mäder» ist im «Bestatter» so etwas wie der durchgehende Parallelfall zu den einzelnen Kriminalfällen. Damals scheint bei der Staatsanwaltschaft nicht alles mit rechten Dingen abgelaufen zu sein. Auch hier will Conrad Licht ins Dunkel bringen und sich rehabilitieren. Dieser Parallelfall ist ein raffinierter Kniff, der den Fortsetzungs-Charakter stärkt und zusätzliche Bindung zum Krimi-Zuschauer schafft. In der vorerst letzten Folge 4 werden also gleich zwei Fälle aufgelöst.

Durch seine kriminalistischen Eskapaden vernachlässigt Conrad die Arbeit in seinem Institut. Davon ist Erika Bürgisser (Suly Röthlisberger) gar nicht begeistert. Sie ist die treue Seele des Betriebs und erinnert Conrad immer wieder daran, wie vorbildlich sein Vater das Institut geführt hatte. Ein Dorn im Auge ist Bürgisser auch der junge Bestattungsassistent Fabio (Reto Stalder), der mit seinem «Gothic-Style» so gar nicht ins seriöse Bestattungswesen passen will.

In der ersten Folge werden die wichtigsten Personen der Serie eingeführt. Es wird deshalb relativ viel erklärt, worunter der Drive der Geschichte etwas leidet. Doch das Potenzial der Krimi-Serie wird schon in «Schweres Erbe» deutlich. Man kann in den weiteren Serien deshalb etwas mehr Tempo erwarten.

Fortsetzung nur bei Erfolg

Es sind zunächst vier Folgen der Krimi-Serie geplant. Wenn die Publikumsquoten besser sind als die eingekauften deutschen Krimiserien «Der Alte», «Ein Fall für zwei» (läuft noch bis 26. März 2013), «Der Staatsanwalt», «Der Kriminalist» und «Die Chefin», wird «Der Bestatter» fortgesetzt. Die Aussichten sind gut, dass dem Schweizer Fernsehen mit der Krimi-Serie wieder einmal eine erfolgreiche Eigenproduktion gelingen könnte. «Der Bestatter» lebt von den Beziehungsdelikten und überzeugt durch seine dramaturgische Anlage, die vom deutschen «Tatort»-Autor Hartmut Block stammt.

Die Umsetzung und Übersetzung auf Schweizer Verhältnisse ist den beiden Regisseuren Markus Fischer (Folge 1 und 4) und Markus Welter (Folge 2 und 3) sehr gut gelungen. Dabei wird das Helvetische nicht überstrapaziert. Sie haben das richtige Mass an helvetischer Bodenhaftung gefunden, das eine Identifikation mit dem «Bestatter» erleichtert. Im Vergleich mit den verunglückten jüngsten Schweizer «Tatort»-Produktionen ist «Der Bestatter» ein Lichtblick.