Kino

Marco Rima: «Die Ehe ist Komödie und Tragödie»

«Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne.»

Marco Rima

«Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne.»

Ein Gespräch mit Marco Rima über seinen neuen Film «Liebling, lass uns scheiden», über die Komik von Scheidungen und das Alter 50.

Das Treffen mit Marco Rima findet im «Board-Room» eines Hotels in Zürich statt. Einige Leute von Disney Studios Schweiz, der Produktionsgesellschaft seines Films, befinden sich ebenfalls im Raum, hören, was wir reden, fotografieren, wie unser Fotograf fotografiert. Am gleichen Tag konnte man Roger Federer bei Lindt&Sprüngli befragen – nicht aber über die Zwillinge, hiess dort die Bedingung. Rima macht keine Auflagen; man könne ihn über alles befragen. Auch das Überziehen des Gesprächs ist kein Problem. Wir zeigen auf sein Embonpoint.

Herr Rima, wir sehen, dass das Leben am Bauch langsam gut anschlägt. Nächstes Jahr werden Sie 50. Ist das eine Wegscheide?

Marco Rima: Als wir an den Dreharbeiten waren zu «Liebling, lass uns scheiden» wurde eine Kollegin 40 und schob die totale Krise. Später merkte ich: Halt mal, ich werde 50. Jahre früher, als ein Freund zu seinem 50. eine Party schmiss, dachte ich: Der geht jetzt dem Tod entgegen. Mittlerweile habe ich mich damit angefreundet, freuen aber tue ich mich nicht.

Liebling, lass uns scheiden ... Der neue Film mit Marco Rima

Liebling, lass uns scheiden ... Der neue Film mit Marco Rima

Und generell: Denken Sie nicht daran, sich neu zu orientieren?

Unfreiwillig – aber positiv – hat sich tatsächlich so etwas ergeben. Meine letzten Programme waren «Time-out» und «Die Patienten». Und jetzt, da dieser Film rauskommt, kann ich mir erstmals ein Time-out nehmen. Ich bin seit 30 Jahren auf der Bühne und kann nun ein Dreivierteljahr lang nachdenken: Wie gehts weiter? Auch diesbezüglich (Rima zeigt auf seinen Bauch). Ich sage stets, ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne. Man fühlt sich wohl, aber eigentlich willst du doch noch ein paar Kilo runterhauen.

Hatten Sie nicht mal ein Burnout?

Burnout nach dem üblicherweise verwendeten Begriff nicht. Was mir wiederfahren war, war aufgrund des vegetativen Nervensystems ein Zusammenbruch. Ich war erschöpft, fertig. Damals drehte ich die «Wochenshow», flog zwischen Deutschland und der Schweiz hin und her und spielte in meiner Comedy-Show «Hank Hoover». Da hatte ich mich übernommen. Wenn mich jemand fragte, ob ich einen Kaffee oder einen Tee wolle, hat mich das völlig überfordert. Nach sieben Wochen stand ich wieder auf den Füssen.

Wollen Sie noch lange Comedian sein, Grimassen schneiden?

Meine Hoffnung war immer, dass nicht auf Faxen reduziert wird, was ich mache. Emil hat mal gesagt, ich gebe meinen Figuren ein Gesicht. Vielleicht hilft da gewissermassen ein historischer Blick: Ich gehörte nie in eine bestimmte Schublade der Komödie oder des Kabaretts. Als ich anfing, war das politische Kabarett sehr en vogue. Dann, als wir – ich meine das damalige Duo Marcocello – zum ersten Mal den Prix Walo holten, schrieb die «NZZ», jetzt habe endlich auch der Sauglattismus Einzug gehalten. Heute kann ich dar-über lachen, damals noch nicht. Als wir dann «Keep Cool» machten, war das noch eine ziemlich eigenständige Musical-Form. Heute gibts mehrere davon. Ich war stets mehr oder weniger ein Einmannbetrieb mit einem Gespür für gute Leute.

Es lief gut. Ihre Produktionen setzten zwischen 50 und 60 Millionen um. Machte Sie das reich?

Reich an Erfahrung. Die Leute haben gemeinhin eine falsche Vorstellung, wenn sie glauben, Menschen im Rampenlicht seien deshalb auch reich. Die Schweiz ist ein kleiner Markt. Verglichen werden wir hingegen mit amerikanischen Komödien, die ein Vielfaches kosten. Wenn ausserdem nichts Skandalöses und kein Sex stattfinden, hat man nicht die gleiche Durchschlagskraft. Trotz Förderungsgeldern vom Bund und vom Fernsehen, die diesmal problemlos flossen, muss man eine bis anderthalb Millionen noch selber finanzieren. Dafür brauchts viel Geduld, aber eben auch eine grosse Liebe zu dem, was man macht. Man muss irgendwo Spinner sein in diesem Metier.

Kommen wir auf Ihren neuen Film zu sprechen, deswegen sind wir ja hier: Auch da nutzten Sie Erfahrung, sagten Sie. Nämlich die Erfahrung einer eigenen Scheidung.

Die Initialzündung war ein Zeitungsartikel, in dem von einer Scheidungsrate von 47 Prozent berichtet wurde. Darin bin ich enthalten.

Es gibt keine Comedy ohne Ehestreit, ein Goldgräberfeld für Komiker. Ist die Ehe selbst Komödie?

Komödie und Tragödie – wie das ganze Leben. Es ist ja auffällig, wie es Dinge gibt, über die wir heulten, wegen deren wir abnahmen, bis wir beinahe starben daran – und zehn Jahre später lacht der ganze Tisch drüber, wenn du das in drei Sätzen zusammenfasst – und du lachst mit.

Liegt darin die komische Note: Mann, Hausmann, Plüschbär?

Ich fand es reizvoll, das mal umzudrehen, sagen wir: das Modell der 50er-Jahre zu wenden. Natürlich arbeitet man da zunächst mal plakativ. Dann aber arbeitet man all seine Erfahrungen hinein. Ich gehe von mir aus. Ich würde nie eine Umfrage starten bei den Leuten, um zu wissen, was ihnen gefallen könnte.

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