Eröffnungsfilm

«Manipulation»: Spione, unschuldige Verdächtige und kalte Bürokraten

Trailer zu «Manipulation»

Trailer zu «Manipulation»

«Manipulation» vom Pascal Verdosci wird dieses Jahr als Eröffnungsfilm an den Solothurner Filmtagen gezeigt.

Jahrgangsglück für Micheline Calmy-Rey an den Solothurner Filmtagen: Mit «Manipulation» von Pascal Verdosci und Alex Martin hat die aktuelle Bundespräsidentin am Donnerstagabend den stärksten Eröffnungsfilm seit 2006 (»Nachbeben») zu sehen bekommen.

Erzählt wird in dem Streifen, der am 3. Februar in die Kinos kommt, eine Geschichte aus der Schweiz der 50er Jahre, als an Hysterie grenzende Angst vor dem Kommunismus herrschte. Es geht um mutmassliche Spione, unschuldig Verdächtigte und kalte Bürokraten.

Zur Uraufführung von «Manipulation» reisten auch die renommierten Hauptdarsteller Klaus Maria Brandauer und Sebastian Koch an. Das Drehbuch basiert auf dem Roman «Das Verhör des Harry Wind» (1962) von Walter Matthias Diggelmann (1927-1979).

Ethisch fragwürdige Tricks

Im Zentrum des Films, der in Solothurn für den «Prix du Public» nominiert ist, steht der Bundespolizist Urs Rappold (Brandauer). Der erfahrene Beamte schreckt vor ethisch fragwürdigen Tricks bei Verhören nicht zurück, aber er dient aufrichtig, unbestechlich und ohne Furcht vor hohen Tieren dem Lande.

Als er von der Bundesanwaltschaft recht eindeutige Hinweise erhält, dass der PR-Berater Harry Wind (Koch) den Sowjets geheime Rüstungspläne der Schweizer Armee überreicht haben könnte, nimmt er den angesehenen Unternehmer ohne Federlesen in U-Haft.

Ebendieser Wind hatte ihm ein Jahr zuvor Unterlagen zugespielt, die zur Verhaftung des Radiojournalisten Werner Eiselin (Markus Merz) geführt hatten. Der Fall ist für Rappold mit belastenden Erinnerungen verknüpft, denn nach zermürbenden Verhören erschoss sich Eiselin vor seinen Augen.

Hochrangige Filzokraten

Die Sache lässt dem Bundespolizisten, der einst Nazis ebenso verfolgte wie nun Kommunisten, keine Ruhe, zumal Wind ziemlich bald andeutet, dass Eiselin unschuldig war. Der PR-Berater erweist sich in den Verhören überhaupt als harte Nuss.

«Wahrheit ergibt sich aus Geschichten», sagt Wind und erzählt dem Polizisten etwa in aller Ausführlichkeit über Episoden aus seiner Jugend. Rappold aber lässt nicht locker und kommt - dies sei noch verraten - Umtrieben auf die Schliche, die bis in die höchsten Ebenen der helvetischen Filzokratie reichen.

Es ist kein schönes Bild der Schweiz, das hier gezeichnet wird. Selbst in den wenigen Aussenaufnahmen wirkt das Land karg und abweisend. Immerhin steht mit Rappold ein aufrechter Bürger im Zentrum, der sich seinen Fehlern stellt.

Starker Start ins Kinojahr

«Manipulation» wird wegen des geheimdienstlichen Milieus und des Hauptdarstellers Koch unweigerlich mit dem Oscar-Streifen «Das Leben der Anderen» von Florian Henckel von Donnersmarck verglichen werden. Im Gegensatz zu Berlin, wo «Das Leben der Anderen» spielt, war die Schweiz im Kalten Krieg natürlich ein Nebenschauplatz.

Doch auch der Film von Regisseur Pascal Verdosci und Produzent Alex Marti erzählt eindrücklich von Themen - Mut und Feigheit vor der Macht, Intrigen und Verrat -, die losgelöst von den historischen Umständen auf Interesse stossen dürften.

Zu bemängeln sind Details: Warum ein Gewitter die Trutzburg der Bundespolizei erschüttert, als wäre es eine Berghütte, bleibt ein Geheimnis der Macher. Entschieden für den Film sprechen natürlich die Darsteller, wobei die internationalen Stars Brandauer und Koch zum ersten Mal überhaupt gemeinsam vor der Kamera standen.

Auch die Nebendarsteller fallen nicht ab. Mit «Manipulation» hat das Schweizer Kinojahr 2011 bereits einen ersten potentiellen Hit.

Meistgesehen

Artboard 1