Im Film «Love and Other Drugs» geht es um alles, was das Leben schöner machen soll: Prozac, Zoloft und Viagra. Ein bisschen geht es auch um Parkinson, die so genannte Schüttellähmung. Sie trifft hier für einmal nicht jemand Älteren, sondern eine umwerfende junge Frau. Das lässt den anfangs satirischen Film in Richtung Schmonzette abdriften.

Hauptfigur ist der Pharmavertreter Jamie, der in den 90er-Jahren Arztpraxen abklappert und mit allerlei Tricks seine Medikamente- Proben unterbringen will. Der skrupellose Sonnyboy bezirzt Sprechstundenhilfen und verschafft sich Zutritt zu einem Star-Mediziner. Dessen unkonventionelle Patientin Maggie erregt sogleich Jamies Interesse. Maggie lässt erst recht nichts anbrennen und schliesst mit Jamie ein sexuelles Zweckbündnis mit hitzigen Quickies. Als Jamie durch den Vertrieb von Viagra zum Verkaufsass aufsteigt, scheint ihn nichts mehr zu bremsen – bis ihm die Liebe in die Quere kommt.

Läuterung eines Pharmavertreters

So viel nackte Haut gab es in einem US-Film lange nicht mehr zu sehen. Anne Hathaway und Jake Gyllenhaal ziehen unentwegt blank. Die beiden bildeten bereits in «Brokeback Mountain» ein (unglückliches) Paar. Diesmal gibt Gyllenhaal einen eindeutig heterosexuellen Mann, dessen amouröse Umtriebigkeit ihn ständig in die Bredouille bringt. Und Anne Hathaway, die ihre Karriere mit Disneymärchen à la «Plötzlich Prinzessin» begann, spielt eine scheinbar abgebrühte Künstlerin, die ihr Sexleben nicht durch Gefühle behindern will.

Regie-Handwerker Edward Zwick («Blood Diamond») gelingt es dank dem attraktiven Duo und frechen Dialogen wunderbar, die schönste Nebensache der Welt anschaulich zu demonstrieren. Die unbeschwerte Affäre entwickelt sich so sicher wie das Amen in der Kirche zu einer «Love Story» mit moralisch erbaulichem Herzschmerz. Besonders Anne Hathaway als kulleräugige Maggie, deren verzweifelte Lebenslust ihrer Krankheit – sie hat Parkinson im Frühstadium – geschuldet ist, gibt eine anrührende Vorstellung.

Notgeile Nebenfiguren

Doch als Instrument zur Läuterung des Helden führt ihre Leidensgeschichte direkt in die Kitschzone. Dabei diente als eigentliche Filmvorlage der Bestseller «Hard Sell: The Evolution of a Viagra Salesman», in dem ein Insider die von neu entwickelten Psychopharmaka angetriebene Goldgräberstimmung der Branche in den 90ern schilderte.

Trailer zum Film «Love and Other Drugs» mit Anne Hathaway

Trailer zum Film «Love and Other Drugs» mit Anne Hathaway und Jake Gyllenhaal

Zwick pfropft auf die Medizinsatire zielgruppengerecht eine rührende Liebesgeschichte. Damit nicht genug; Jamies notgeiler Bruder und Orgien mit lustigen Nebenwirkungen scheinen direkt aus pubertären Sexklamotten ausgeliehen. Zugleich schildert der Regisseur die irren Details des US-Gesundheitssystems, die bereits Dokumentarfilmer Michael Moore in «Sicko» aufzeigte. Da fahren Busladungen armer Rentner nach Kanada, um billige Medikamente zu kaufen – und Pharmavertreter prügeln sich um die Gunst von Ärzten, die mit teuren Geschenken dazu geködert werden, Glückspillen zu verschreiben.

Der dissonante Tonartwechsel, die Sexfixierung und das abgeschmackte Happy End verleihen dieser Moral-Romanze einen so manischen Rhythmus, als ob sich jedermann mit einer Überdosis Prozac aufgeputscht hätte.

Love and Other Drugs (USA 2010)
112 Min. Regie: Edward Zwick. Mit: Anne Hathaway, Jake Gyllenhaal, Judy Greer, Hank Azaria u.a.