«Fifty Shades Darker»
Lendenlahme Langeweile: Der eigentliche Sadist ist der Regisseur

In «Fifty Shades Darker» hangeln sich Dakota Johnson und Jamie Dornan von einer Kürzest-Sexszene zur nächsten.

Reto Baer
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Masken sind noch fast das Gefährlichste an «Fifty Shades Darker» – Jamie Dornan als Christian Grey und Dakota Johnson als Anastasia Steele. Universal Pictures

Masken sind noch fast das Gefährlichste an «Fifty Shades Darker» – Jamie Dornan als Christian Grey und Dakota Johnson als Anastasia Steele. Universal Pictures

KEYSTONE

Es ist schwer vorstellbar, dass nach dem unterirdischen «Fifty Shades of Grey» erneut Millionen von Frauen in die Kinos strömen werden, um die noch langweiligere Fortsetzung «Fifty Shades Darker» zu sehen. Aber genau dies wird passieren. Warum? Weil der Film niemandem wehtut. Die Nippelklemmen kommen zwar vor, aber nicht zum Einsatz. Die Filme nach den Romanen von E.L. James gehen mit dem Thema Sadomasochismus etwa so um wie die «Twilight»-Serie mit Vampiren: Sie verharmlosen das Ganze dermassen, dass jegliche Bedrohlichkeit verschwindet. Kuschel-Sadomaso (gab es vorher so etwas überhaupt?) wäre noch übertrieben für «Fifty Shades Darker». Aber beginnen wir doch von vorne.

Die allererste Szene zeigt einen Albtraum von Christian Grey (Jamie Dornan). Darin versteckt er sich als kleiner Junge vor dem gewalttätigen Zuhälter seiner leiblichen Mutter. Die starb laut Grey an einer Überdosis, als er vier Jahre alt war. Der Mann, der dank seiner Adoptiveltern stinkreich wurde, hat also ein Kindheitstrauma. Natürlich soll das seinen Sadismus rechtfertigen. Denn dass jemand grundlos sadistische Neigungen hat, wäre dann doch zu beunruhigend für ein Mainstream-Publikum.

Vanille-Sex und Literatur

Ausserdem muss Grey Anastasia Steele (Dakota Johnson) irgendwie zurückerobern. Den Betroffenheitsknopf zu drücken, funktioniert nun mal gut. Anastasias Herz wird wie erwartet schwach, als sie die Details von Greys trauriger Kindheit erfährt.

Einen Strauss weisser (!) Rosen später steht Grey vor Anastasia und bietet ihr an, die Bedingungen für eine Fortführung ihrer Beziehung neu auszuhandeln. Sie sagt: «Keine Regeln, keine Strafen, keine Geheimnisse.» Als er sich einverstanden erklärt, wundert sie sich: «Du willst also wirklich Vanille-Sex?» Was ironisch gemeint war, entpuppt sich bald als Tatsache. Beim ersten Mal im zweiten Film folgen nach 15 Sekunden Oralsex etwa gleich viele Sekunden Geschlechtsverkehr. Schnitt: Statt der Zigarette danach (Rauchen ist böse!) reden die beiden im Bett über englische Literatur. Schliesslich arbeitet Anastasia als Lektorin in einem Verlag. Das ist nicht die einzige Filmstelle, die unfreiwillig komisch wirkt. Als ob das nicht schon genug wäre, entwickelt sich der Film selbst für Nichtkenner der Bücher so vorhersehbar, dass sich Langeweile ausbreitet. Zwei Stunden lang. Das geht dann etwa so: In einer Szene kommt ein Coiffeur vor. Er ist schwul. Richtig. Christian Grey macht Anastasia Steele einen Heiratsantrag. Richtig. Es kommt etwas dazwischen. Richtig. Aber dann wird wieder alles gut. Richtig. Der Schluss ist ein Cliffhanger. Richtig. Überraschungen gibt es also keine.

Sind wenigstens die Sexszenen heiss? Nicht wirklich. Sie sind ultrakurz und enden alle in der Missionarsstellung. Greys Sadomaso-Vorliebe beschränkt sich auf Fesselspiele, verbundene Augen und drei Klapse auf den Hintern. Doch das muss so sein, sonst wäre der Film nicht massentauglich und ab 16 Jahren freigegeben. Um das breite Publikum anzusprechen, laufen auch zu allen Sexszenen Pop-Songs, die jedes Marktforschungsinstitut für Liftfahrten in Kaufhäusern empfehlen würde.

Mit anderen Worten: Der eigentliche Sadist ist James Foley, der Regisseur dieses Streifens, und die eigentliche Masochistin ist die Zuschauerin, die freiwillig ein Kinobillett für «Fifty Shades Darker» kauft. Männer, die hingehen, sind entweder Filmkritiker (wie Ihr Autor) oder sie wollen Streit mit der Partnerin, die unbedingt zu zweit ins Kino will, vermeiden. Willkommen im Land der lendenlahmen Langeweile!

Fifty Shades Darker (USA 2017) 118 min. Regie: James Foley. Ab Donnerstag im Kino.

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