Diese Augen: Wenn Bäuerin Marie den Banker Philipp damit ansieht, durchdringen sie gleichzeitig den Zuschauer vor dem Bildschirm. Gross und strahlend blau, können sie Sehnsucht und Wut gleichermassen ausdrücken, können sorgenvoll, aber auch gelassen blicken. Ihre Augen sind das Erste, was einem an Lea Hadorn auffällt. Bei unserem Besuch strahlen sie, denn die Zürcher Schauspielerin hat erfahren, dass sie an den Solothurner Filmtagen mit dem Schweizer Fernsehfilmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wird. Und zwar für ihre Rolle in «Liebe und andere Unfälle» – wo sie als Bäuerin Marie einem an Amnesie leidenden Banker (Beat Marti) weismacht, er sei ihr Mann, um zu verhindern, dass er ihren Hof verpfändet.

Die charmante Liebeskomödie trägt zwar dick auf, vermag aber zu verzaubern. Zwischen Lea Hadorn und Beat Marti funkt es – ein perfektes Filmpaar. Privat ist die Schauspielerin seit sechzehn Jahren mit einem Journalisten liiert. Mit den zwei Söhnen Luis (10) und Antonio (7) wohnt das Paar in einem selbst renovierten Haus in Zürich. Wie spielt man Liebe, wenn man eine glückliche Familie hat? «Das ist gar nicht so schwer», sagt Lea Hadorn, «Beat Marti ist sympathisch, ein sehr guter Schauspieler, und über die Kussszenen haben wir vorher gesprochen und gewitzelt. Ganz viel macht für den Zuschauer übrigens auch die Filmmusik aus.»

Traumberuf Schauspielerin

Schwieriger an der Rolle war für sie ein ganz anderer Punkt, nämlich die tierischen Filmpartner: «Ich hatte grossen Respekt vor den Kühen ...» Zur Vorbereitung machte Lea Hadorn eine Art Praktikum auf einer Alp, lernte melken, misten, Traktor fahren... Schon früh war für die heute 40-Jährige klar, dass sie Schauspielerin werden würde. «Mein Traumberuf», sagt sie. Ihre Ausbildung machte sie an der Comart, Schule für Tanz und Theater. Zusammen mit Dominik Flaschka, heute Leiter des Theaters am Hechtplatz, gründete sie die Shake Musical Company. Die Komödie ist Lea Hadorns Fach – mit der «Haushaltsrevue», die sie gemeinsam mit Domenico Blass produzierte, stand sie 1996 auch schon solo als Kabarettistin auf der Bühne.

Augenzwinkernd präsentierte Hadorn Tipps, die die Arbeit am Herd zum täglichen Abenteuer machen. «Momentan fehlt mir neben den Kindern aber die Ruhe, um kreative Ideen für ein Programm aufzuschreiben. Deswegen ist keine Fortsetzung der ‹Haushaltsrevue› geplant.» An Arbeit mangelt es ihr trotzdem nicht: 250-mal sang sie 2010/11 in der «Kleinen Niederdorfoper», und nächstes Jahr wird sie in «Fabrikk» von Karl’s Kühne Gassenschau mitspielen.

Zu gross für die Schweiz

«Ich mag Charaktere, die immer ein bisschen ‹im Seich› sind – so wie ich selbst», sagt sie, und lacht herzlich. «Am Tag des Castings für die Rolle in ‹Liebe und andere Unfälle› zum Beispiel hatte ich alles organisiert, die Kinder waren bei den Grosseltern, ich selbst schön zurechtgemacht», erzählt sie. «Als ich bei Corinna Glaus ankam, fragte sie mich, was ich denn wolle – ich hatte mich im Tag geirrt.» Zum Glück war sie nicht zu spät, sondern einen Tag zu früh, und bekam die Rolle. «Die Hauptrolle in einem Film, immer auf dem Set und den ganzen Tag in einer Rolle, das ist das liebste, was ich mache», sagt die Schauspielerin.

Mit Filmen wie «Millionenschwer verliebt», «Tell» oder «Das Geheimnis von Murk» hat sich Lea Hadorn in der Schweizer Filmszene einen Namen gemacht. Jedoch sei die Schweiz, «was Film angeht», eigentlich zu klein für eine Schauspielerin: «Es werden relativ wenig Filme gefördert und produziert», sagt sie. Am Anfang ihrer Karriere verbrachte sie deshalb einige Zeit in Deutschland, vermisste Familie und Freunde aber so sehr, dass sie nach einem Jahr zurückkam. «Jetzt bin ich voll und ganz hier.»

«Liebe und andere Unfälle». 20.1., 21 Uhr, Reithalle; 25.1., 12 Uhr, Kino Canva. CH-Fernsehfilmpreis So, 22.1., 17 Uhr, Reithalle.