Bessere Sendezeiten! «Das bekommen wir mit dem ‹Kulturplatz›, der nach der Sommerpause im Anschluss an ‹10 vor 10› ausgestrahlt wird.» SF-Kulturchefin Natalie Wappler macht ernst - und das ist gut. So darf der geneigte SF-Konsument die Sendung «Kulturplatz» auch getrost als sehr solides Format bezeichnen, das wenig Überraschendes, dafür umso mehr Qualität und Reflexion bietet.

Dergestalt führt Nicole Salathé wie gewohnt kompetent und wohltuend distanziert durch die Sendung, deren Höhepunkt in einer allzu mädchenhaften Laudatio über Deutschlands Evergreen Herbert Grönemeyer mündet. Die Journalistin führt den etwas peinlich berührten Betrachter in ihrem persönlichen Beitrag durch die turbulente Laufbahn des Pop-Barden. Das ist nett, zu nett. Aber wie will man Grönemeyer heute noch beikommen, denn mit einem Tagebucheintrag? Eben.

Um einiges ergiebiger und von hoher Aktualität ist der Beitrag über den «streitbaren» Essener Soziologieprofessor Harald Welzer. Für ihn ist der atomare Gau nichts weniger als «das Ende einer zukunftsfeindlichen Kultur, die alles dem Fortschrittswahn opfert». Ein relevantes Thema schlau und ansprechend umgesetzt. Darob fallen der zwar lustige und kecke Sprachprofiler Raimund H. Drommel und das sperrige Interview mit Theaterautorin Gisela Widmer etwas ab. Das macht jedoch gar nichts, denn das letzte Wort haben 60 Kinder, die in einem Workshop am Zürcher Theater der Künste eine Fantasiestadt aus Papier und Holz basteln.

Fazit: «Kulturplatz» ist relevant und gut produziert; etwas mehr gehobener Trash wäre wünschenswert und manchmal sehnt man sich das alte, kühle Studio zurück. Denn: Skihütten-Atmosphäre begünstigt die Inszenierung von Kultur und Kunst nicht sonderlich. (sza)