Tatort-Kritik

Kommissarin Lena und der Drohnenkrieg – ein politischer Krimi in Ludwigshafen

Ermittlerin Lena Odenthal (l.) soll einen Mord aufklären und einen Anschlag verhindern.

Ermittlerin Lena Odenthal (l.) soll einen Mord aufklären und einen Anschlag verhindern.

In Ludwigshafen sehen sich die Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) mit dem Fall eines erschlagenen Psychiaters konfrontiert, der traumatisierte Kriegsopfer wie auch traumatisierte Militärs der US Air Base in Ramstein in Behandlung hatte.

Wer kommt als Täter infrage? Der Kurde Mirhat Rojan, dessen Kinder bei einem Drohnenangriff im Irak ihr Leben verloren, oder die schwersttraumatisierte US-Offizierin, die von sich sagt, eine Massenmörderin zu sein: «Männer, Frauen, Kinder, etwa 300 insgesamt.» Die Frage rückt zwischenzeitlich in den Hintergrund, angesichts der Gefahr eines Attentats auf einen US-Staatssekretär, und weil es in diesem Politthriller generell um Krieg und Schuld geht. «Der Krieg ist der grösste Feind der menschlichen Seele», ist Drehbuchautor und Regisseur Tom Bohn überzeugt.

Man möchte Bohn und der gesamten Crew zu diesem herausragenden «Tatort» gratulieren. Bis auf den viel zu legeren Titel «Vom Himmel hoch» ist dieses politische Stück Krimi schlicht packend. Das Drehbuch widmet sich deutsch-amerikanischen Realitäten: Gut zwei Jahre ist es her, dass die USA die zentrale Rolle der rheinland-pfälzischen US-Militärbasis Ramstein im internationalen Drohnenkrieg erstmals bestätigten. Umgesetzt wird das klug ausgefeilte Drehbuch von faszinierend guten Darstellern.

Schliesslich könnte nichts besser das Elend menschlicher Schuld besser unterstreichen als der massgebliche Sound dieses Krimis – der Song «Strong» der britischen Indie-Band London Grammar: «I might seem so strong, I might speak so long, I’ve never been so wrong.» 

Tatort aus Ludwigshafen. «Vom Himmel hoch», Sonntag, 20.05 Uhr, SRF 2. ★★★★☆

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