Fall Franz W.

Kettensäge: die Waffe von Horrorfilm-Schurken

«The Texas Chain Saw Massacre» (1974) - der Trailer

«The Texas Chain Saw Massacre» (1974) - der Trailer

Filme wie «The Texas Chain Saw Massacre» lehren uns: Wer eine Kettensäge mit böser Absicht benutzt, sägt sich am Ende bloss ins eigene Bein.

Eigentlich ist die Motorsäge die bescheuertste aller Waffen. Sie ist schwer, unhandlich, in ihrer Reichweite extrem limitiert und erst noch auf externe Energieversorgung (Benzin) angewiesen. Nun, eine Motorsäge ist ja primär dazu da, Bäume zu fällen. Erst das Kino stellte es sich auch als Mordinstrument vor. In den Händen etwa von Leatherface, dem Schurken aus dem Horrorfilm «The Texas Chain Saw Massacre» (1974), wurde die Motorsäge zur Nahkampfwaffe, zu einem automatisierten Schwert mit Zähnen, das in seiner gewalttätigen Absicht kaum aufzuhalten ist.

Franz W. hat in Schaffhausen Mitarbeiter der CSS-Versicherung mit einer Kettensäge attackiert. Am Dienstagabend nahm ihn die Polizei in Thalwil ZH fest.

«The Texas Chain Saw Massacre» gilt heute als einer der furchteinflössendsten Filme aller Zeiten. Alleine das Motorengeräusch der Säge fährt beim Zuschauer durch Mark und Bein. Regisseur Tobe Hooper erklärte damals, ihm sei die Idee in einem Heimwerkerladen gekommen, als er in einer langen Schlange vor der Kasse anstehen musste.

Aus Kino und TV verbannt

Schon damals stand die Frage im Raum, ob solche Gewaltszenen Zuschauer zu Nachahmungstaten inspirierten. In England lief «The Texas Chain Saw Massacre» ein Jahr lang im Kino, danach wurde der Film aus sämtlichen Lichtspielhäusern und aus dem Fernsehen verbannt (bis 1999). Sogar das Wort «chainsaw» durfte in keinem Filmtitel mehr vorkommen.

Doch Hoopers Film, dessen Herstellung gerade mal 300'000 Dollar gekostet hatte, wurde zum Kinohit und spielte das Tausendfache seines Budgets ein. Dieser Erfolg begünstigte nicht nur sieben Fortsetzungen, sondern auch etliche weitere Nachahmer. So tauchen Kettensäge-Killer auch in späteren Slasherfilmen wie «The Evil Dead», «Hostel» und den «Saw»-Filmen auf, und auch Videospiele wie «Manhunt» und die «Resident Evil»-Reihe bedienen sich dieses Motivs.

Haben Slasherfilme Franz Wrousis zu seiner Tat inspiriert? Ist das Kino schuld an seinem Amoklauf? Eine Langzeitstudie, die 2014 im «Journal of Communication» veröffentlicht wurde, kam zum Schluss, dass zwischen Gewaltdarstellungen in Filmen und Videospielen und realen Gewaltakten kein direkter Zusammenhang besteht.

Und sowieso: Hätte Wrousis all diese Filme gesehen, dann hätte er es eigentlich besser wissen müssen. Die Popkultur hat die Motorsäge zweifellos zu einer Kultwaffe stilisiert – macht aus ihren eklatanten Schwachstellen aber kein Geheimnis. Als etwa Mel Gibson in «Mad Max: Thunderdome» zu einer greift, ist das Benzin schon alle, bevor er die Säge überhaupt in Richtung seines Widersachers schwingen kann. Auch Bruce Willis plagen in «Pulp Fiction» Zweifel: Als er eine Wand voller potenzieller Waffen begutachtet, greift er zunächst nach einem Hammer, dann nach einer Motorsäge – am Schluss wählt er aber ein Samurai-Schwert.

Filmische Gerechtigkeit

Dass die Motorsäge die bescheuertste aller Waffen ist, erfahren die Filmschurken oft am eigenen Leib. Am Schluss von «The Texas Chain Saw Massacre» kann die Filmheldin Sally Hardesty entkommen, weil sich Leatherface während ihrer Auseinandersetzung mit seiner Waffe selbst verletzt. Auch in «Hostel» und «Saw III» fallen die Bösewichte ihrer eigenen Motorsäge zum Opfer. Filmische Gerechtigkeit. Das Kino lehrt uns: Wer eine Motorsäge mit böser Absicht benutzt, sägt sich am Ende bloss ins eigene Bein.

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