Film

Kämpfende Lolitas in einer Fantasywelt

«Sucker Punch» - der neue Film von Zack Snyder

«Sucker Punch» - der neue Film von Zack Snyder

Action- und Gewaltfilme mit Frauen in den Hauptrollen machen oft mehr Spass als solche mit Männern. Beispiele gefällig? «Faster, Pussycat! Kill! Kill» (1966), die «Resident Evil»-Serie sowie die Tarantino-Streifen «Death Proof» und «Kill Bill».

Sei es, weil man den Frauen nicht so viel Action zutraut, weil ihre Figuren oft interessanter angelegt sind als die ihrer männlichen Gegenspieler, oder schlicht weil man ihnen lieber zuschaut.

Flucht vor der Realität

Zack Snyder wählte für seinen neuen Film «Sucker Punch» Opfer männlicher Macht als Hauptfiguren: eine Gruppe von Frauen in einer Nervenheilanstalt. Aus der Psychoklinik mit schmierigen Wärtern und bösen Ärzten wird jedoch in der Fantasie von Baby Doll (Emily Browning) bald ein Cabaret mit einem geldgierigen Zuhälter. Baby Doll wagt die Flucht; zuerst in Traumwelten, wo sie und ihre Freundinnen als starke Heldinnen über finstere Zombies triumphieren, schliesslich auch die reale Flucht aus dem Cabaret/Irrenhaus.

Wie in «300», Snyders genialem, vor Testosteron und Kitsch triefendem Actionstreifen von 2007, ist alles an «Sucker Punch» masslos überzeichnet. Snyder liess sich für die virtuellen Schlachten von Computergames und Animés inspirieren, offensichtlich aber auch von Filmen wie «House of Flying Daggers», «Star Wars» und «Herr der Ringe». Die Lolita-Amazonen kämpfen in Schützengräben gegen die mit Mechanik ausgestatteten Leichen deutscher Soldaten, dringen in Festungen ein, um fürchterliche Drachen zu erledigen und müssen in einer Science-Fiction-Szenerie eine Bombe entschärfen. Sie tun dies in sexy Fantasy-Uniformen und sie sind (fast) unverwundbar.

«Sucker Punch» ist ein Feuerwerk an Action, Special Effects und Fantasie – optisch ein voller Genuss. Doch mit dem Plot vergeigt Snyder so ziemlich alles: Der Film zerfranst wegen der vielen Szenenwechsel, es gibt Wiederholungen, keine Ironie bricht die Klischees. Den Frauen gelingt es nicht, sich aus ihrer Opferrolle und von der Überlegenheit der Männer zu befreien – sie bleiben schöne Opfer, würdelose Marionetten der Geschichte.

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