TV-Kritik

Japan-Berichterstattung: Überzeugendes Gesamtpaket

«Tagesschau»-Moderatorin Catherine Mettler während einer Spezial-Sendung

«Tagesschau»-Moderatorin Catherine Mettler während einer Spezial-Sendung

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

Ein unvorhersehbares Grossereignis wie das Erdbeben in Japan stellt einen TV-Sender vor die entscheidende Frage, zu welchem Zeitpunkt das laufende Programm mit Sondersendungen unterbrochen werden soll. Einerseits will man ja nicht als Letzter über die Katastrophe berichten, andererseits aber auch nicht unbestätigte Gerüchte ungeprüft verbreiten.

Das Schweizer Fernsehen hat am vergangenen Freitag zwar relativ spät auf das Geschehen in Japan reagiert, in den vergangenen vier Tagen aber auch - zugunsten der aktuellen Berichterstattung - einige vordergründig unpopuläre Programmänderungen vorgenommen. So wurde etwa der «Musikantenstadl» und die Satiresendung «Giacobbo/Müller» gestrichen.

Zudem sorgen die teilweise markant verlängerten Nachrichtensendungen für zahlreiche Verzögerungen im Sendeablauf - damit schafft man sich unter dem eher trägen TV-Publikum nicht nur Freunde.

Das Gesamtpaket zur Erdbeben-Katastrophe vermag indessen zu überzeugen: Ob die Reportagen über die Aktualität, die Einschätzungen von Experten zu den innenpolitischen und wirtschaftlichen Auswirkungen oder die teilweise auch emotionalen Analysen der Geschehnisse durch die diversen Korrespondenten vor Ort (besonders erwähnenswert: Christoph Wanner und Barbara Lüthi) - daran gibt es nüchtern betrachtet kaum etwas zu kritisieren.

Für einmal braucht das Schweizer Fernsehen den Vergleich mit der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz aus Deutschland - auch in Anbetracht der wesentlich geringeren Mittel für die Berichterstattung - definitiv nicht zu scheuen. (bau)

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